Ceci n'est pas une balle

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Paul M. Smith Fußball macht gerade aufgrund seiner unmittelbaren Deutlichkeit Interpretationen nötig, die weiter gehen, als die des aktuellen Sportstudios. Diesen Bedarf versucht die Ausstellung ‚Rundlederwelten’ im Berliner Martin-Gropius-Bau ab nächsten Donnerstag zu decken. Alle Gattungen der bildenden Kunst sind vertreten: Malerei, Video, Installation und Fotografie. Über 70 internationale Künstler zeigen, was ihnen abseits von Fankurve und Bolzplatz zu König Fußball einfällt. Und auch, dass er mehr ist, als nur eine kleine Facette der Alltagsrealität. Dabei wird mehr als nur Dokumentation betrieben. So tritt zum Beispiel im Film der englischen Künstlerin Maria Marshall ein kleiner Junge einen Fußball gedankenverloren immer wieder gegen die Wand einer Kapelle. In der Arbeit ‚Ghost Game’, ihres bulgarischen Kollegen Anri Sala treten Krabben-Mannschaften gegeneinander an. Kritische Reflexion der Austauschbarkeit im Spielermarkt? Oder eher eine Metapher auf das Große, Ganze. Gewinnen und Verlieren, ohne Kompromisse. Deutungen gibt es zuhauf. Auch über den Grund, warum Franz Beckenbauer auf dem Flyer der Ausstellung, den Blick in die Ferne gerichtet, an einer Mauer lehnt, getrennt von der Wand nur durch zwei Orangen, werden sich wohl die Meinungen teilen. Und diente eher die intellektuelle Glaubwürdigkeit oder das Popikonehafte des Kaisers als Auswahlkriterium? Zweiteres erkannte bereits Andy Warhol, als er Beckenbauer als Motiv für einen seiner Siebdrucke verwendete. Rundlederwelten im Martin-Gropius-Bau: 20.10.2005 – 08.01.2006, Mittwoch bis Montag 10 – 20 Uhr, Eintritt 6,-€ (4,-€ ermäßigt)

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