Clipart hier, Goldprägung dort

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Der Malle-Flyer


Gestaltungsmerkmale: Dieses Exemplar ist der Marktschreier unter den Flyern. Mit viel nackter Haut und verheißungsvollen Angeboten von "Freier Eintritt für alle Ladys"  bis "Zwei Wodka-Bull zum Preis von einem" buhlt er um größtmögliche Aufmerksamkeit. Ganz nach dem Motto "Viel hilft viel". Was neben der Frau im Tanga noch an freier Fläche übrig bleibt, wird mit knalligen Schriftzügen zugeballert. 

Für diese Veranstaltung wirbt er: Spring-Break-Party mit Cascada in der Großraumdisse

Zielgruppe: Junggesellenabschiede und 18-jährige Abiturienten, die mal so richtig die Sau raus lassen wollen sowie Mädels-Cliquen, die ihren Sommerurlaub gerne am Ballermann verbringen

Das denkt sich der Grafiker: "Ist mir ja echt peinlich, was ich da mache, aber von irgendwas muss man halt leben."

Sonstige Verwendung: Auf der Party gibt’s beim Vorzeigen einen Jägermeister umsonst. 



Der Puristische


Gestaltungsmerkmale: Der James Dean unter den Flyern. Auf eine zurückhaltende Art lässig, irgendwie unnahbar und meist in schwarz-weiß. Hier wird ein Personenkult um den DJ kreiert – deshalb gibt’s kein Chi-Chi, sondern nur ein Foto von Selbigem, auf dem er sehr ernst guckt. Dass man bei der ganzen Tristesse eher eine Gedenkveranstaltung als eine ausgelassene Party erwartet, ist natürlich volle Absicht. Denn das Ganze darf auf keinen Fall nach Spaß aussehen! Nicht, dass sich am Ende noch ein paar Techno-Prolls in den Club verirren.

Für diese Veranstaltung wirbt er: Der neue Minimal-Geheimtipp aus London spielt ein Liveset im Szene-Schuppen der Stadt.

Zielgruppe: Die Sonnenbrillen- und Afterhour-Fraktion der Clubszene. Als Insider in Sachen Elektro-Mukke kennen sie sowohl Club als auch Artist ganz genau und haben ihre überteuerten Eintrittskarten schon vor Monaten im Internet bestellt.

Das denkt sich der Grafiker: "Muss der Name vom DJ echt noch mit drauf? Die Bildkomposition sieht ohne viel besser aus."

Sonstige Verwendung: Nach einer durchfeierten Nacht wird der Flyer mit nach Hause genommen und devotionalienhaft sowohl an die Zimmer- als auch an die Facebook-Wand gepinnt. Jeder soll schließlich sehen, was für ein krasses Party-Wochenende man mal wieder hinter sich hat.




Der Luxus-Flyer


Gestaltungsmerkmale: Goldene Ornamente, aufwendige Prägungen und eine schimmernde Oberfläche: Dies ist kein Flyer, sondern ein Statement. Geld spielt bei der geplanten Party keine Rolle, das fängt eben schon bei den Werbekosten an. Eigentlich wäre die aufgebrezelte Variante des Handzettels auch viel lieber eine exklusive VIP-Eintrittskarte. Dafür hat’s dann aber doch nicht gereicht.

Für diese Veranstaltung wirbt er: After-Work-Party in der Nobel-Disco

Zielgruppe: Paris Hilton, Daniela Katzenberger und solche, die es gern wären.

Das denkt sich der Grafiker: "Geilo! Ich wollte schon immer mal ne Goldprägung bei der Druckerei in Auftrag geben."

Sonstige Verwendung: Der Schriftzug wird überklebt und der Flyer an Weihnachten als Grußkarte an die Verwandten verschickt.    


  

Der Self-Made-Flyer


Gestaltungsmerkmale: Egal, ob der örtliche Burschenverein ein Grillfest schmeißt oder die Facharbeitsparty der Oberstufe ansteht - durch Mundpropaganda weiß eigentlich schon jeder Wochen im Voraus von dem geplanten Gelage. Einen Flyer gibt’s aber trotzdem. Wie die komplette Organisation der Feier fällt das Ergebnis dann allerdings eher so semi-professionell aus: Schnörkelige Vektorgrafiken, in Flammen stehende Schriftzüge, der Scherenschnitt einer tanzenden Meute, Palmen – kurzum: Alles, was die Clipart-Sammlung so hergibt.

Für diese Veranstaltung wirbt er: Die Aufstiegsfeier des TSV Haunshofen oder die Abiparty in der Mehrzweckhalle

Zielgruppe: Kommt aus dem Dunstkreis der Veranstalter und ist, dem Partyanlass entsprechend, meist minderjährig. Deshalb darf auf dem Flyer der Hinweis: „16-Jährige nur bis 24 Uhr oder mit Aufsichtszettel!“ auf keinen Fall fehlen!

Das denkt sich der Grafiker: "Grafiker? Brauchen wir nicht! Der Olli hat doch Photoshop. Und was der da für Effekte hat, ist echt krass!"

Sonstige Verwendung: Wahlweise werden Papierflieger oder Filter für Joints daraus gebastelt.




Der Ausgeflippte


Gestaltungsmerkmale: Dieser Flyer ist das papiergewordene Deichkindkonzert: Wild, abgefahren und am Rande zur Reizüberflutung. Hier wird collagiert, gesprayt und getagt - je unkonventioneller, desto besser. Abfotografiert und durch diverse Effekte verfremdet kann sich das Ergebnis zwar durchaus sehen lassen, allerdings leidet die Lesbarkeit oft unter der Gestaltungswut des Grafikers. Die Infos müssen dann erst mal mühsam aus dem Gewusel zusammenklaubt werden.

Für diese Veranstaltung wirbt er: Die Indie-Party im neuen Pop-up Club

Zielgruppe: Kunststudenten mit Jute-Beuteln und Leute, die bei dem Wort "Mainstream" erschrocken zucken.

Das denkt sich der Grafiker: "Man kann die Schrift gar nicht mehr lesen? Egal! Dafür sieht’s total arty aus!"

Sonstige Verwendung: Einrahmen und an die Wand hängen. Sieht ja eh mehr nach Kunst als nach einem Flyer aus. Das denkt sich auch der Grafiker und gewinnt damit prompt den ersten Platz bei einem Design-Wettbewerb.  

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