Dagobert Duck geht gestärkt aus der Krise hervor

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Schon mehrfach haben sich die Entenhausen-Schöpfer an literarischen Vorlagen aus dem realen, weniger bunten, aber zuweilen ebenso sprechblasigen Leben abgearbeitet („Der Name der Rose“; „Sakrileg“). In Folge 395 nimmt sich die Reihe nun der Realität selbst an. Genauer: Der Wirtschafts- und Finanzkrise. Der bittersten aller Realitäten, sozusagen. An der Skizze eines fachkundigen Protagonisten für Finanzfragen mussten die Zeichner freilich nicht lange feilen. Mit Dagobert Duck verfügt Entenhausen ja bereits über eine Persönlichkeit, die all jene Attribute in sich vereint, auf die es in Krisenzeiten ankommt: Er ist ebenso sparsam wie ehrgeizig und dabei charismatischer, als es Peter Zwegat je sein könnte. Allerdings ist Onkel Dagobert Unternehmer. Und dass Unternehmer allenfalls für das Entstehen von Krisen verantwortlich sind, niemals jedoch für deren glückliches Ende, das wissen wir spätestens seit Frank Plasbergs 55. Sendung zum Thema „Profit statt Gemeinsinn – Wird die Gier der Unternehmer zur Gefahr für die Gesellschaft?“. Um es vorwegzunehmen: In Entenhausen verhält es sich mit der Profitgier leider genauso wie überall anders auch.

Der Plot zur Titelgeschichte ist schnell erzählt und hätte sich so auch in Oberhausen statt in Entenhausen zutragen können: Ein Immobilienhändler, hier eben Dagobert Duck, wirft einen Blick auf die Jahresbilanz seines Unternehmens. Das Ergebnis ist ausgeglichen. Kein Gewinn, kein Verlust. Weil eine Bilanz-Null aber für den durchschnittlich raffgierigen Unternehmer stets rot ist statt schwarz, ist Dagobert am Boden zerstört. Was tut der durchschnittlich gewissenlose Unternehmer also in einer solchen Situation? Richtig, er wandelt seine Firma in eine Aktiengesellschaft um, damit er drohende Verluste auf die Gesellschafter abwälzen und Steuervorteile genießen kann. Und weil Dagobert Duck ja sparsam, ehrgeizig, charismatisch ist und als reichster Mann im Ort eine todsichere Anlagequelle zu sein scheint, kauft ganz Entenhausen Aktien ein. Das Ende der Geschichte: Die Aktiengesellschaft läuft besser als erwartet, so dass Onkel Dagobert den Gewinn nun doch lieber für sich allein hätte, statt ihn mit den Aktionären zu teilen. Würde er die Aktien zurückkaufen, wäre das ein Verlustgeschäft, also wendet er einen Trick an. Er gibt vor, sich aus der Unternehmensleitung zurückzuziehen und die Geschäfte in die Hände seines schusseligen Neffen Donald zu geben. Also Konsequenz verkaufen die Teilhaber ihre Anteile, bevor sie nichts mehr wert sind, und Dagobert Duck wird wieder alleiniger Profiteur eines nun abermals florierenden Unternehmens. Dem zwölfjährigen Zielgruppen-Leser mag die Handlung zwar Basiswissen in Betriebswirtschaftslehre vermitteln, genau betrachtet kommt die Moral der Geschichte aber eher plump daher: "Und ich habe etwas Wichtiges gelernt!", sagt Dagobert Duck am Ende, "auch kein Verlust kann ein großer Gewinn sein, wenn man viel zu verlieren hat! Hihi!" Hihi?! Lacht am Ende also einmal mehr der Firmenboss? Auch in der Comic-Welt scheint sich die Profitgier der Unternehmer durchzusetzen. Dem Leser bleibt zum einen die Erkenntnis, dass auch das Lustige Taschenbuch die Welt nicht aus der Krise retten kann - und zum anderen die Donaldsche Angst vor Schulden und Hartz IV. Aber für diesen Fall gibt es ja immer noch Peter Zwegat.

Text: andreas-glas - Bild: ap

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