Danke, GEMA!

Auf Facebook und Twitter gibt es Gerüchte, dass das legendäre "Berghain" im Januar 2013 schließt, sollte die geplante GEMA-Reform wirklich kommen. Immerhin rücken so die geplanten Änderungen im GEMA-System wieder in den Fokus.
kathrin-hollmer

"Berghain schließt zum 1.1.2013, danke GEMA!", steht auf der Facebook-Seite von Wolfgang "Wolle" Neugebauer. Der DJ, der Ende der achtziger Jahre die ersten "XDP"-Techno-Partys in Berlin organisiert hat, ist ein Urgestein in der Berliner Clubszene und hat diese Information angeblich von den Betreibern des legendären Clubs. Auf den ersten Blick mag das eine Riesen-Nachricht sein, aber eigentlich erstaunt sie nicht wirklich.



Gerüchte um die Zukunft des "Berghain" gibt es immer wieder und das Clubsterben ist auch kein neues Phänomen in der Hauptstadt. Neugebauer nutzt die Chance jedenfalls, um gegen die GEMA zu wettern: "Danke für diese merkwürdige Gesetzgebung, die es einem Monopolisten erlaubt, einen ganzen Wirtschaftszweig finanziell in den Ruin zu treiben." Außerdem wird in der "Berliner Morgenpost" die niederländische Berghain-DJane Steffi im Interview mit dem Radiosender "3voor12" zitiert: "Es sieht sehr schlecht aus. Mein Chef sagt: Wenn die GEMA-Tarife kommen, schließen wir unsere Türen."

Auf Facebook reichen die Kommentare auf diese Nachricht von "Na und?" bis "extrem schade, aber konsequent". Auf Twitter wird schon länger diskutiert, allerdings in einem einheitlichen Tenor: "Berghain was fucking amazing" ist nur einer von vielen Kommentaren, die unter dem Hashtag #Berghain dem Club schon im Voraus nachtrauern.

Nach eigenen Angaben müssten die "Berghain"-Betreiber bis zu 1.400 Prozent mehr GEMA-Gebühren bezahlen. Ob das einem Club wie dem "Berghain" wirklich weh tut, soll an dieser Stelle nicht diskutiert werden. Durch die Gerüchte rückt jedenfalls das Thema um die GEMA-Reform wieder in den Vordergrund.

Mit der neuen Regelung sollen nur noch zwei Tarife gelten, einer für Live-Musik, einer für DJ-Veranstaltungen. Transparenter soll das GEMA-System dadurch werden, dabei wird es vor allem eins: teurer. Geht es nach der GEMA, soll ab Januar 2013 nicht mehr nach Größe und Anzahl der Betriebstage abgerechnet werden, sondern jeder Veranstalter soll pauschal mindestens zehn Prozent des Eintrittspreises zahlen. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) hat nachgerechnet und schreibt auf seiner Website: "Eine mittelgroße Discothek mit zum Beispiel vier Tanzbereichen zahlt anstatt 28.000 Euro brutto dann 172.000 Euro brutto!" Das ist aber noch nicht alles. Ein Aufschlag von 50 Prozent soll für Veranstaltungen fällig werden, die mehr als fünf Stunden dauern. Das trifft zum Beispiel auf das "Berghain" zu, in dem manchmal tagelang durchgefeiert wird.

Nun scheint es so, als gehe der Protest gegen die GEMA-Reform in eine neue Runde. Im Juni haben mehr als 5.000 Demonstranten beim Mitgliederfest der GEMA im "Frannz Club" in Prenzlauer Berg gegen die Reform protestiert. Anfang Juli haben mehr als 600 Clubs in ganz Deutschland fünf Minuten lang die Musik abgedreht, ebenfalls aus Protest gegen die Änderungen. Der Bundesverband deutscher Discotheken und Tanzbetriebe (BDT) plant eine Klage gegen die GEMA, außerdem läuft derzeit eine Petition gegen die neue GEMA-Tarifstruktur, initiiert vom Dehoga. Schon mehr als 230.000 Unterschriften sind bisher zusammengekommen (Stand: 9.7.2012).

Auch wenn die Berghain-Nachricht nicht jeden schockiert oder kümmert, so macht sie doch auf das Wesentliche wieder aufmerksam: dass die GEMA-Reform sowohl kleine als auch große Clubs, aber auch zum Beispiel ehrenamtlich organisierte Feste bedroht.


Text: kathrin-hollmer - Foto: Yvonnes_photos / photocase.com

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