"Dann steht jeder zweite Laden leer" - Rauchverbot in Shisha-Bars

Was das Rauchverbot für Shisha-Cafés in Neukölln bedeutet.
kathrin-hagemann

Die meisten Cafébesitzer auf der Sonnenallee setzen noch auf Verdrängung. „Kriegt man eigentlich einen offiziellen Brief von der Stadt?“, fragt Remmo, der junge Chef des Cafés „Um Khaltoum“. Dort läuft arabisches Musikfernsehen und jeden Tag kommen die selben Männer - zum Reden und zum Rauchen. Für die meisten kleinen Shisha-Bars in Berlin-Neukölln bedeutet das Rauchverbot den Wegfall ihrer Existenzgrundlage. Nur in Lokalitäten, in denen es einen kleineren Nebenraum gibt, darf noch geraucht werden. Dort müssen sich die Gäste aber ihre Getränke selbst holen: nach dem Berliner Gesetz darf im Raucherraum nicht serviert werden.

Remmo wartet jedenfalls erst mal auf eine Benachrichtigung oder die ersten Kontrollen, die ab Juni stattfinden sollen. Sowieso glaubt er sich sicher: das Café nebenan gehört ihm ebenfalls, und dort wird nicht geraucht. Vom Rauchverbot hält er natürlich nicht viel: „Wasserpfeife rauchen bedeutet Genuss“, sagt er. „Das macht man nicht zu Hause alleine, sondern gemeinsam. Man sitzt zusammen und redet. Dazu geht man eben ins Café.“ Ausnahmen vom Nichtraucherschutzgesetz soll es in Berlin nicht geben. Shisha rauchen sei sowieso noch ungesünder als Zigaretten, findet die Senatsgesundheitsverwaltung. Dass das Bürgerbegehren, das Selbstbestimmung der Gastwirte in Sachen Rauchverbot in ihren Lokalen fordert, Erfolg haben wird, ist unwahrscheinlich. Badr, ein junger Gast in einem anderen Café auf der Sonnenallee, erörtert die Vorteile des Shisha-Rauchens, während er Apfeltabak-Rauch einatmet und Mokka schlürft. „Eine Zigarette ist für drei, vier Minuten. Ich habe lange geraucht, und bin dann auf Wasserpfeife umgestiegen, das ist was ganz Anderes. Du nimmst dir Zeit. Außerdem kommen auch echt viele junge Leute hier her. Und besser, die verbringen hier ihre Zeit als auf der Straße, wo sie dann Scheiß bauen.“ Die einzige Chance für viele Cafébesitzer ist, pro forma einen Club zu gründen. Das Café ist dann offiziell ein privater Raum, in dem geraucht werden darf, und jeder, der rein will, bekommt ein Pappkärtchen, einen „Clubausweis“. „Bescheuerte Lösung, mehr Papierkram“, findet Badr. Trotzdem werden wohl viele auf diese Möglichkeit zurückgreifen. Das Publikum im „Sahara“ ist durchgehend jung am frühen Abend, auch hier läuft arabisches MTV; es sind auch Mädchen da, die sich allerdings in eine Ecke des Raumes zurückgezogen haben. Ali arbeitet hier im Café seines Schwiegervaters und hält das neue Gesetz für desaströs: „Hast du mal auf unsere Karte geschaut? Eine Cola kostet zwei Euro, dafür kommt doch niemand in den Laden. Die Leute kommen zum Wasserpfeife rauchen. Für zwei Euro kriegst du bei Lidl 'ne ganze Palette Cola. Wir werden eine Wand in unseren Raum einziehen, der kleinere Raum macht dann ein Drittel unserer jetzigen Fläche aus, und nur dort kann dann noch geraucht werden.“ Ein anderer Gast aber ist optimistisch: „Die werden hier nicht alle Cafés zu machen. Dann steht ja auf der Sonnenallee jeder zweite Laden leer.“

Text: kathrin-hagemann - Foto: AP