Das A bis Z des Samstagabends

Jeden Samstag Abend geht ein Ruck durch die Republik, wie ihn sich Horst Köhler nicht schöner wünschen könnte. Die Massen feiern und schunkeln, dass es nur so quietscht. Was macht den Samstag Abend zu dem, was er ist? jetzt.de hat das ultimative Samstag-Abend-Alphabet zusammengestellt.
henrik-pfeiffer

A wie Aufstylen Der erste Schritt einer langen Partynacht - für viele auch der wichtigste. Während sich dieses Projekt bei Jungs hauptsächlich auf einen schnellen Griff in die Haare beschränkt, gleicht es bei manchen Mädchen dem Manhattan-Pojekt. Jungs, die sich ausgiebig aufbrezeln gehören meist zur Gruppe der Metro-Styler. Besondere Kennzeichen: weiße Button-Down-Shirts mit Dekolleté und Fransen, dem Teint einer Bratwurst und den Hahnenkämen, die man auch "Fußballerfrisuren" nennt. Bei den weiblichen Diskogängern ist das Ziel des Aufstylens meist möglichst "hot" auszusehen. Bewährt hat sich die Kombination Minirock und High-Heels. Manche verstehen unter Aufstylen auch eine zehn Zentimeter dicke Maske aus Make-up aufzulegen, so dass vom eigentlichen Gesicht nicht mehr viel zu erkennen ist. Verhängnisvoll kann das vor allem dann werden, wenn man am nächsten Morgen ungeschminkt in einem fremden Bett aufwacht.

B wie Barkeeper Schlüsselfigur im Nachtleben und wichtige Nummer im Bekannten-Portfolio. Je nach Intimitätsgrad sind Gratis-Drinks, schnelle Bedienung oder auch nur ein nettes Lächeln drin. Kennt man ihn nicht, sollte man ihn kennen lernen. Der hilft nämlich nicht nur beim Getränke-Nachschub, sondern kann auch ein guter Verbündeter der Nacht sein. Die meisten Menschen, die in der Gastronomie arbeiten, wissen, wo gerade was mit wem passiert. Am besten lernt man den Barkeeper durch Freundlichkeit, unaufdringliches Trinkgeldgeben und regelmäßiges Erscheinen kennen. Merken: Sollte man mit dem Barkeeper einmal Probleme bekommen, hilft der Satz "Ich möchte bitte den Geschäftsführer sprechen" fast nie.

C wie Club Einen guten Club erkennt man daran, dass die Coolen schon drin sind und die, die gerne cool wären, gerne drin wären. Wichtig: Gute Musik, bezahlbare Getränkepreise und ein gutes Ambiente. Was immer das heißen mag.

D wie Drogen Typische Ausgehdrogen sind eher aufputschender Natur, denn: abhängen kann man ja auch zuhause auf dem Sofa. Kokser erkennt man daran, dass sie sich selbst noch süßer finden, als tagsüber. Ecstasy-Konsumenten dagegen finden jeden süß, der gerade vorbei kommt. Wirkliche Sorgen sollten sich unsere Eltern aber über die legalen Drogen machen. Ohne Alkohol geht Feiern und Alltag-Verdrängen einfach nicht ganz so leicht, und solange Zigaretten (siehe -G wie Gelegenheitsraucher) nicht verboten sind, wird es beim Ausgehen immer Raucher geben. Wer auf Drogen beim Ausgehen verzichtet, kann zwar irgendwann nicht mehr über die Witze seiner berauschten Freunde lachen, hat aber dafür am nächsten Tag keinen Kater und kann die Memory-Filmrolle nach peinlichen Aktionen auf der Tanzfläche absuchen. Lies auf der nächsten Seite über Türsteher, nervige Gelegenheitsraucher und Anmachversuche.


E wie Einlass Türsteher nerven, sind aber, wenn wir ehrlich sind, ein notwendiges Übel, damit man von der Tanzfläche zur Bar kommt, ohne sich den Weg freischießen zu müssen. Um eingelassen zu werden, kann man sich entweder dem Türsteher ranwanzen oder geduldig warten. Gute Voraussetzungen: nicht zu besoffen sein, freundlich und dem Anlass gemäß gekleidet sein, nicht in Rudeln auftreten und auf die Jungs-Mädchen-Quote in der Gruppe achten. Sollte man vom Türsteher abgewiesen werden, kann man durchaus fragen, warum. Bringt aber nichts. Diskussionen führen in der Regel nur zu erhitztem Wortabtausch und fast nie zum Ziel – nämlich hinein in den Club. In dem Fall: Rückzug, Neuorientierung und erst mal ein Bier.

F wie Freunde Ohne Freunde ausgehen ist doof. Mit Freunden ausgehen kann ganz schön doof werden. Deshalb muss man sich das Personal der Nächte gut auswählen. Schlecht beraten ist man mit Abstinenzlern, Koma-Säufern und unselbstständigen Miesepetern, die nur unterhalten werden wollen. Ein guter Ausgehfreund dagegen ist einer mit guter Laune, Willen zur Pose und einem Auge für die eigenen Nöte.

G wie Gelegenheitsraucher Nerven jeden echten Raucher, weil sie erstens immer schnorren und zweitens vormachen, wie das mit dem Rauchen gut gehen würde, wenn man eine ähnliche starke Willenskraft hätte.

H wie "Hast du mal Feuer?" Angeblich verbirgt sich hinter oder unter diesen vier Worten viel mehr als eine kalte Kippe oder Nikotinenzug. Galt in früheren Tagen mal als subtile Möglichkeit sein Paarungs-Interesse zu bekunden. Heute nur noch ein Flirt-Klischée, mit dem vor allem Mädchen sparsam umgehen sollten. HDMF wird von Jungs gerne missverstanden und als Freibrief verstanden, die Fragende aufdringlich anzugraben. Es gilt: Im Zweifelsfall lieber den Barkeeper nach Feuer fragen. Auf der nächsten Seite geht's weiter mit der In-Crowd, Jagdinstinkten und Kaffeeschlürfern.


I wie "In" "In ist wer drin ist", besagt eine alte Samstagabend-Ausgeh-Weisheit. Diesem Motto getreu legen die Coolsten der Coolen auch alles daran, in die so genannten In-Clubs zu kommen. Die größte Hürde stellt dabei der Türsteher dar (siehe -E wie Einlass). Ihn gilt es zu überzeugen, dass man auch wirklich zur In-Crowd der City gehört. Dies gelingt vor allem durch schon erwähntes Aufstylen, wie auch durch Selbstbewusstsein und das gewisse Maß an Coolness mit einer Prise Arroganz. Die besonders authentischen In-People begrüßen den Türsteher mit Küsschen, oder – im Fall der Männer- mit kumpelhaftem Auf-die-Schulter-Klopfen. Zu empfehlen ist das allerdings nur, wenn man den Türsteher auch wirklich kennt. Vermeiden sollte man Bestechungsversuche und wüste Beschimpfungen.

J wie Jagdinstinkt Die Menschheit schlicht in Jäger und Sammler zu unterteilen ist oberflächlich und unfair. Dennoch stellen die Jäger eine große Gruppe der Samstagnachtschwärmer dar. Ihr Ausgehverhalten ist von Effizienz und Zielstrebigkeit geprägt, und sie können sowohl männlich als auch weiblich sein. Gute Jäger gehen gut ausgerüstet und getarnt auf die Pirsch. Je nach Revier wird die äußere Erscheinung der Umgebung und der Erwartungshaltung der Beute angepasst. Für die Jagd im ranzigen Rockschuppen wird das Jagd-Outfit beispielsweise betont lässig bis "gerockt" gehalten, im noblen Nachtclub hingegen wird zuvor das Gebiss "gebleacht" und sichtbar teure Garderobe angelegt. Jäger sind Einzelgänger. Zu Beginn des Abends findet man sie vor allem in jenen Club-Bereichen, die einen guten Blickwinkel und Fluchtmöglichkeiten bieten: auf einer Empore, beim Tresen oder hinter einer Säule. Jäger sind geduldig. Stundenlang beobachten sie die Meute, analysieren Schwachpunkte einzelner Exemplare und wählen schließlich eines zum Erlegen aus. Behutsam nähern sie sich dem Opfer, schaffen Vertrauen, heucheln Großzügigkeit, versprühen Charme, schwächen dadurch ihr Opfer mental, um dann zu fortgeschrittener Stunde eiskalt zuzuschlagen. Ist die Beute erlegt, wird sie in die heimische Jagdhütte geschleppt und in Ruhe vernascht. Anders als die Raubtiere jagt der Mensch aber nicht, um ein lebensnotwendiges Bedürfnis zu stillen. Deshalb trifft man den Jäger meist schon am nächsten Tag wieder auf seinem Hochstand.

K wie Kaffee Gehört zur gründlichen Vorbereitung auf lange Abende im Club des Vertrauens. Man kann ihn zuhause in sich reinlitern und hoffen, dass die Wirkung möglichst lange vorhält. Oder beim ersten Zwischenstopp in einer Kaffeebar fünf doppelte Espressi bezwingen. Gut dagegen ist, dass man auch ohne Drogen und Red Bull länger durchhält. Schlecht: Bei Überempfindlichkeit kann es zu Magenverrenkungen und späterem schlaflosen Herumwälzen im Bett kommen. Lies auf der nächsten Seite, wie man richtig lallt, was man für Musik wünscht und warum Ohropax jetzt cool ist.


L wie Lallen Wird allgemein als Symptom für Trunkenheit verstanden. Der Lallende versucht sich in unartikulierter Art und Weise seinem Gegenüber verständlich zu machen, was ihm – auf Grund der schweren Zunge - oft nicht gelingt. Verbreitete Beispiele: „Warze Schlange?“ (= Wartest du schon lange?), „Aiiss Hockey?“ (= Alles okay?), „Kino Mbiehr?“ (= Kriege ich noch ein Bier?).

M wie Musikwunsch Ein DJ ist kein Dienstleister, sondern ein Künstler. Den Mann an den Turntables nach deinem Lieblingssong zu fragen, ist also ähnlich erwünscht als würde man Jörg Immendorf bitten, doch mal ein hübsches Stillleben zu malen. Außerdem: Auch in Zeiten von festplattengestützten MP3-Playern ist die Wahrscheinlichkeit, dass er das geliebte Oasis-Bootleg von Glastonbury '94 dabei hat, recht gering. Der DJ ist dir im Fach Musikgeschichte meist überlegen. Deshalb: die Frage gut überlegen, nicht den Hiphop-Grandmaster fragen, ob er was "The Darkness" dabei hat, und im Zweifel immer die süße Freundin vorschicken. Ein DJ mag kein Dienstleister sein. Aber er ist meist ein Mann.

N wie Nachtlinie Das vernünftigste Fortbewegungsmittel für den samstagnächtlichen Zug durch die Gemeinde. Die Vorteile der Nachtlinie liegen klar auf der Hand: Man kann günstig und alkoholisiert am Straßenverkehr teilnehmen, ohne Fremdverantwortung zu übernehmen, muss aber trotzdem nicht zu Fuß gehen, darüber hinaus muss der Fahrer nicht groß mit Wegbeschreibungen instruiert werden. Außerdem finden in Nachtbussen und -Bahnen nicht selten die besten Spontanfestivitäten statt. Nachteil ist natürlich, dass die meisten Nachtlinien in pervers großen Abständen fahren, so dass besonders im Winter wärmende Garderobe oder ein wärmendes Getränk Pflicht ist, damit einem eventuelle Wartezeiten keine Erkältung bescheren.

O wie Ohropax Ist uncool, wissen wir. Besonders die Old-School-Modelle aus gewachstem Filz, die nach einmaliger Benutzung aussehen, wie das Gewölle einer Schleiereule mit Rachenkatarrh. Ohropax hat die Verve einer vergilbten Zahnspange und ist leider nicht im Geringsten mit Sexiness assoziiert. Komma, aber: Erstens gibt es mittlerweile hervorragende Hörschutzvorrichtungen in unauffälligem, hygienischem und technisch anspruchsvollem Design in allen Preislagen, zweitens haben mittlerweile selbst die Rave-Veteranen aus den 90ern eingesehen, dass es nicht nur ungesund, sondern für erklärte Musikliebhaber schlicht bescheuert ist, sich die empfindlichen Hörorgane zu ruinieren. Mogwai, die lauteste Band der Welt, gibt vor dem Konzert sogar Plastikstöpsel aus. Wer Musik liebt, muss auch seine Ohren lieben. Und wer seine Ohren liebt, der macht es „mit“. Dringend merken: Hörschutz is the new Safe Sex. Auf der nächsten Seite geht's weiter mit Rauchen, Quickies und Polizeikontrollen.


P wie Polizeikontrolle Bei aller Feindseeligkeit, die einen überkommen mag, wenn man samstagabends mit Ordnungshütern in Kontakt gerät, darf man drei Dinge nicht vergessen. Erstens: PolizistInnen sind auch nur Menschen; zweitens: Sie sind genau so wenig scharf auf Ärger wie man selbst; drittens: Es ist Wochenende, und es ist vermutlich schon sehr spät, der/die Wachtmeisterin läge demnach wahrscheinlich auch gerade lieber zu Hause im Whirlpool. Also reiß dich zusammen und zeig Verständnis für seine/ihre Situation. Preise das Gefühl von Sicherheit, dass dir die "grünen Engel" mit ihrer Anwesenheit schenken. Sag Sätze wie "Mein Gott, bin ich froh das Sie da sind - Sie sehen umwerfend aus!" Verkneif dir Bullenwitze. Solltest du getrunken haben, mach keinen Hehl draus und heuchle Reue. Solltest du sonstige nachweisbare Drogen konsumiert haben (Kaffee, Aspirin, Wick Vaporub), leugne alles. Kooperiere. Sei ein guter/s Junge/Mädchen. Mach keine hektischen Bewegungen. Solltest du, was ich nicht glaube, Samstag nachts stocknüchtern von der Polizei angesprochen werden, nutze deine Chance auf ein einmaliges Erlebnis. Sei verdächtig aufgebracht, benutze Wörter wie "Frechheit" und "Unverfrorenheit" und Floskeln wie "Was glauben Sie eigentlich, wen Sie vor sich haben!"

Q wie Quickie Auch bekannt als "Fast-Food-Sex" oder "Liebes-Sprint". In der Samstagabend-Phänomenologie berührt die schnelle Nummer verschiedene Ereignisbereiche. Zum Beispiel den frühen Abend, ehe man es schafft wie geplant auszugehen. Die Beteiligten teilen entweder schon eine Wohnung, oder haben sich zum èVorglühen in einer Wohnung verabredet. Beide sehen vermutlich super aus und wirken dementsprechend attraktiv, was zu spontanen Entladungen der gegenseitigen Sympathie führen kann. In neun von zehn Fällen wird der Schauplatz (Küchentisch, Waschmaschine, Besenkammer) nur noch zu Gunsten eines längeren Nachspiels ins Bett verlegt. Die weitaus weniger romantische Variante findet außerhalb der eigenen vier Wände, meistens in denkbar abwegigen Räumen statt. Besonders beliebte Quickie-Lokalitäten für samstägliche Ausgehabende sind: Toiletten (wegen der abschließbaren Kabine), Darkrooms (vorzugsweise bei gleichgeschlechtlich Orientierten), Separees (wenn die Inneneinrichtung des Etablissements so etwas bietet) und Garderoben (wenn das Personal gerade nicht guckt oder zuvor bestochen wurde). Bei allem Spaß, den ein Quickie machen kann, ist generell aber eher davon abzuraten. Postkoitales Weiterfeiern ist echt nur was für trainierte Spezialisten – oder eben Liebhaber von Fast-Food-Erfahrungen.

R wie Rauchen Mit zunehmendem Alkoholgenuss steigt bei vielen auch das Verlangen nach Nikotin. Wer es damit aber übertreibt, der zahlt den Preis am nächsten Morgen, wenn er mit widerlichem Rauchgeschmack im Mund, Halsschmerzen und geschädigter Stimme aufwacht. Aber auch wer den ganzen Abend über standhaft geblieben ist und sich erfolgreich gegen den Zigarettenkonsum gewehrt hat, spürt die unangenehmen Folgen des Rauchens. Hat man nämlich vorm Zu-Bett-Gehen nicht bedacht das Fenster sperrangelweit offen zu lassen, stinkt das gesamte Zimmer und insbesondere man selbst wie ein Aschenbecher. Lies auf der nächsten Seite über McDonalds, Taxis und Gedanken unterm Tisch.


S wie "Schnell noch was essen" Um den McDonalds-Besuch um drei Uhr morgens zu vermeiden, bei dem volltrunken drei Royal TS und eine große Portion Pommes in den Schlund gedrückt werden, empfiehlt es sich sehr, vor dem Ausgehen noch etwas zu sich zu nehmen. Bei den meisten bleibt für ein ausführliches Abendessen allerdings nicht genug Zeit, so dass entweder schnell die Tiefkühlpizza aufgewärmt oder einfach ein Wurstbrot in Rekordzeit verschlungen wird. Oft auch als "gute Bier-Basis" bezeichnet.

T wie Taxi Beliebtes Transportmittel nach Hause, insbesondere wenn der Diskobesucher auf Grund des hohen Alkoholkonsums zum Fahren selbst nicht mehr fähig ist. Praktischer Nebeneffekt: durch gezieltes Befragen von geselligen Taxifahrern erfährt man den neuesten Klatsch und Tratsch aus der Umgebung und sorgt zudem für gute Atmosphäre im Taxi. Zur echten Herausforderung kann bisweilen das Schildern des Weges werden. Nämlich dann, wenn man sich nicht mehr anständig artikulieren kann (siehe -L wie Lallen und -N wie Nachtlinie). Ein guter Tipp: Bereits am frühen Abend die Wegbeschreibung wie ein Gedicht auswendig lernen, so dass einem "Hia lings" oder "am Kraisl bidde reschts" ganz locker von der Zunge geht.

U wie Unterm Tisch Ein Ort, an dem ein Samstagabend sein wahres Gesicht offenbart. Ein Ort der Besinnung, an dem man Gelegenheit hat das bisher Geschehene Revue passieren zu lassen und sich darüber klar zu werden, was man von der vor einem liegenden Nacht noch erwartet. Das Auge des Orkans. Wie bin ich hier gelandet? Wurde ich von einer lettischen Austauschstudentin hier her gesoffen, nachdem ich noch geprahlt hatte, wie leicht ich diesen übelriechenden Kräuterschnaps wegstecke? Wurde ich womöglich niedergeschlagen, als ich versuchte, die Freundin des kurzhaarigen Jungen mit dem NPD-T-Shirt von meinen Liebhaberqualitäten zu überzeugen? Oder habe ich dieses Plätzchen selbst gewählt, um mir den ganzen Abend noch mal ungestört durch den Kopf gehen zu lassen? XXX, Warmsaufen und nächtliche WG-Gelage - alles auf der nächsten Seite.


V wie Vorglühen Da vor allem in den großen Städten die Drinks in den Clubs oft ein Überziehen der Kreditkarte erforderlich machen, ist das Vorglühen eine beliebte Maßnahme die hohen Getränkepreise zumindest teilweise zu umgehen. Dazu wird im nahe gelegenen Supermarkt oder – ganz klassisch- an der Tankstelle ein Vorrat an diversen alkoholischen Getränken gekauft, der dann im anschließenden geselligen Miteinander möglichst ausgetrunken werden sollte. Gern gesehen sind dabei auch Trinkspiele in allen Variationen. Es ist allerdings nicht zu empfehlen sich bereits beim Vorglühen einen absoluten Vollrausch anzutrinken, da dann der schöne Abend eventuell daran scheitert, dass man beim Betreten des Clubs dem genervten Türsteher ein fröhlich-fahniges "Servus, Alder" entgegenlallt und ihm gleichzeitig auf die Füße latscht.

W wie WG-Küche Treffpunkt nach durchzechten Nächten um Erfahrungen und Informationen über den Abend auszutauschen und ein Glas Wasser gegen den morgendlichen Kater zu kippen. Die ganz Harten trinken statt Wasser aber lieber noch die vom Vorglühen übrig gebliebenen Restbestände an Wodka und Whisky zusammen. Gegen die postalkoholischen Hungerattacken wird hier noch schnell etwas Deftiges in Richtung Bratkartoffeln mit Ei gekocht. Diese nächtlichen Kochaktionen fördern zudem den Gemeinschaftssinn ungemein.

X wie XXX Der Samstag Abend ist der weltweit vermutlich am stärksten sexuell aufgeladene Teil der Woche (siehe auch -Q wie Quickie). Vielen Singles dient das Wochenende der Suche nach schnellen Abenteuern oder dem richtigen Partner für lange währendes Liebesglück. Dass bei der Verfolgung solcher Ziele Vorsicht geboten ist, wird in einschlägigen Frauenmagazinen hinreichend erläutert. Die Begegnungen im Partytreiben der Ausgehmeilen sind zu oberflächlich, zu schlecht beleuchtet, eben nicht aussagekräftig genug, um eine tiefer gehende Beziehung daraus abzuleiten. Problem: Alkohol und Partylaune sind zwar für ihre enthemmende, euphorisierende Wirkung bekannt, bremsen aber die Libido. Nicht gerade erquicklich, den Partner nach zweiminütiger Aufwärmphase schnarchend neben sich aufs Kissen sabbern zu sehen. Daraus schließen wir: Wenn schon Sex in der Partynacht, dann nicht zu spät, dafür aber konsequent und richtig. Für Beziehungsanbahnung lieber mal in der Woche einen Kaffe trinken gehen. Wie Stimmungshits und One-Night-Stands deinen Abend retten - oder auch nicht - erfährst du auf der letzten Seite.


Y wie YMCA Der Village-People-Hit, der selbst schwer angeschickert nur schwer zu ertragen ist, steht hier stellvertretend für so genannte Stimmungshits. Das ist die Art von Musik, die in Skihütten und der boomenden Erlebnisgastronomie am Wochenende dem feiernden Mob um die Ohren gehauen wird, um die Laune und die Getränkeverkäufe zu steigern. Das Publikum kennt die stumpfen Refrains aus dem Radio und ist sich dank hingebungsvoller Animation durch leicht bekleidetes Thekenpersonal mit Tribaltattos im Steiß nicht mehr zu schade, sie lauthals mitzugrölen. An besonders markanten stellen dreht der DJ mit Namen Feten-Ferdi die Lautstärke runter, um die "Crowd" besser hörbar zu machen. In der Schublade Stimmungshits finden sich neben "YMCA", "It’s Raining Men", "Back for Good” oder Westernhagens “Fraaaaaiiheit”. Sogenannte Indie-Menschen sollten an dieser Stelle nicht allzu arrogant grinsen: auch "Live forever" oder "Song 2" gehören selbstverständlich zu diesem Genre.

Z wie "Zu mir oder zu dir?" Gern gesprochener Satz zu Beginn eines One-Night-Stands. Die eiserne Regel, immer zum anderen zu gehen, ist leider nur für einen möglich. Der andere muss in den sauren Apfel beißen, und seine Abendbekanntschaft mit nach Hause nehmen. Der staunt dann über die Wohnung und erstellt ein Psychogramm anhand des Bücher- und CD-Regals. Ist man der Übernachtungs-Gast, kann man entscheiden, wann man geht. Aus Rücksicht auf den Gastgeber ist ein rasches Verschwinden am nächsten Morgen angebracht. Die Handy-Nummer in Verbindung mit einer persönlichen Notiz ("Würde gerne mal wieder mit dir ins Bett gehen! Küsschen") kann man bei Gefallen auf dem Küchentisch hinterlassen. Texte: Nina Roethel und Christina Kretschmer Illustration: Dirk Schmidt

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