Das bessere Amazon

Online-Shopping ist praktisch und bequem. Nachdem die katastrophalen Arbeitsbedingungen bei Amazon bekannt wurden, würden viele aber lieber woanders einkaufen. Ein Berliner Start-up will mit der Plattform Fairnopoly eine faire Alternative schaffen.
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Womöglich haben tatsächlich einige all jener, die sich in den letzten Wochen öffentlichkeitswirksam über die sozialen Netzwerke geschworen hatten, nie wieder bei Amazon einzukaufen und ihr Konto zu löschen, ihr Vorhaben sehr ernst gemeint. Denn eine Idee, die eine faire Alternative zum Marktführer der Online-Händler sein will, hat seitdem sehr viel Unterstützung gefunden: Das Projekt „Fairnopoly“ hat heute, vier Tage vor Ende der Crowdfunding-Kampagne auf der Plattform startnext, schon über 140.000 Euro eingesammelt - vor allem auf den letzten Metern. Das Minimalziel lag bei 50.000 Euro.  

23 Leute, acht von ihnen in Vollzeit, arbeitet in Berlin-Kreuzberg an der fairen Alternative fürs Online-Shopping. Für ein Start-Up ist das ein ziemlich großes Team – aber sie haben ja auch Großes vor. Dabei wollte der „Fairnopoly“-Gründer Felix Weth, der eigentlich auch an einer Doktorarbeit über Korruptionsbekämpfung schreibt, ursprünglich gar keinen Internethandel gründen, sondern ein Netzwerk von Antikorruptionsaktivisten unterstützen.  



„Fairnopoly“ soll ein fairer Online-Marktplatz sein, auf dem sowohl Neues als auch Gebrauchtes gehandelt werden kann, von professionellen Händlern genauso wie privaten Verkäufern. Fair, das bedeutet für Felix und seine Kollegen: Erstens werden mit einem Prozent jedes Umsatzes Initiativen unterstützt, die gegen Korruption kämpfen. Dort schimmert also noch ein wenig der ursprünglichen Idee durch.    

Zweitens wollen die „Fairnopoly“-Macher verantwortungsvollen Konsum fördern. Allerdings können auf der Plattform trotzdem Produkte angeboten werden, die keine Fair-Trade-Siegel tragen. Felix hält das für den richtigen Weg: „Unser Ansatz ist zu sagen: Der Großteil der Menschen sucht nicht speziell nach fairen oder gebrauchten Produkten, sondern einfach das Billigste“, erklärt er. „Diese Menschen sollen aber trotzdem auf unseren Marktplatz kommen, damit wir sie dort zusätzlich auf faire Alternativen aufmerksam machen können.“ Gleichzeitig wird es auch noch eine Art Subventionierung der ethisch vorteilhaften Produkte geben, indem die Anbieter nur die Hälfte der Verkaufsprovision zahlen müssen.  

Drittens ist „Fairnopoly“ als Genossenschaft angelegt. Schon mit 50 Euro kann man sich am Unternehmen beteiligen und, wenn man möchte, auch aktiv einbringen. Jeder Genosse darf maximal Anteile im Wert von 10.000 Euro zeichnen, denn Großinvestoren will das Team von „Fairnopoly“ bewusst nicht dabei haben. Darüber hinaus will sich das Projekt zu verschiedenen weiteren Prinzipien von Transparenz und Fairness verpflichten, so soll beispielsweise das höchste Gehalt im Unternehmen nicht mehr als dreimal so hoch sein dürfen wie das niedrigste.       

Felix Weth hat sich Fairnopoly ausgedacht. Am Anfang dachte er allerdings nicht an einen Internethandel, sondern an die Unterstützung von Antikorruptionsaktivisten.

Was das Shoppen auf Plattformen wie Ebay oder Amazon so bequem macht, ist gerade die unglaubliche Produktvielfalt: Von der Bratpfanne über die DVD bis zum Norweger-Pullover gibt es nichts, was es nicht gibt. Mit der Auswahl der Marktriesen wird sich „Fairnopoly“ natürlich leider nicht messen können, auch wenn mittlerweile immerhin über 400 Händler gefunden wurden, die den fairen Marktplatz nutzen wollen. Sobald die Plattform irgendwann im Frühling gelauncht wird, sollen es aber bereits mindestens 1000 Händler sein, die ihre Produkte auf „Fairnopoly“ anbieten. Wann genau es soweit sein wird, darauf mag sich Felix im Moment lieber noch nicht genau festlegen. Wahrscheinlich wird aber noch im März eine Pionierversion der Seite starten, auf der man schon einmal die Produkte durchstöbern, allerdings noch nichts kaufen kann.     



Text: juliane-frisse - Screenshot und Video: Fairnopoly

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