Das bisschen Geburtstag

Buback Tonträger gibt es seit 24 Jahren. 24 Buchstaben verschenkt jetzt.de daher heute in einem ABC über das Hamburger Label.
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Angeschissen
Das fängt ja gut an. Angeschissen ist 1987 das erste Signing auf Buback. Die Band ist heute eine Legende in der deutschen Punkszene. Lange gab es sie nicht, dafür viele bekannte Nachfolgebands mit leicht entschärften Namen wie Dackelblut oder Oma Hans.


"Kommen Sie, kommen Sie, es gibt nichts zu bereuen!" - Buback hat Geburtstag und legt seine liebsten Platten auf

Buttstraße 50
Am Hamburger Fischmarkt. Ale Dumbsky und Ted Gaier von den Goldenen Zitronen gründen hier Buback. Grund: Es gibt einige befreundete Bands im Hamburger Umfeld, die kein Label haben möchte. Dumbsky und Gaier beschließen also, das selbst zu machen. Buback ist geboren.

Chartstürmer
Eine der bekanntesten Bands, die Buback unter Vertrag hat, sind die Beginner. Zum ersten Mal waren sie auf dem HipHop-Sampler "Kill The Nation With A Groove" zu hören, das Buback 1993 herausbrachte. Der Durchbruch in die Charts gelang dem Label und den – damals noch – Absoluten Beginnern aber erst 1998 mit dem Erfolgsalbum "Bambule"; allerdings kooperierte Buback für dieses Album mit Universal. Aus Protest gegen die Zusammenarbeit mit dem Majorlabel verließ Bandmitglied Mardin die Absoluten Beginner. Seitdem nennt sich die Gruppe nur noch Beginner – um zu zeigen, dass die Band nicht mehr die selbe ist, wie vorher.

Deichkind
Krawall und Remmidemmi. Seit drei Jahren ist auch die Hamburger HipHop- und Elektro-Gruppe Deichkind bei Buback. Deichkind besteht heute aus Sänger Philipp Grütering und Ferris MC. Buback hat 2008 das Album und die gleichnamige Single "Arbeit nervt!" veröffentlicht.

Elbcore
"Elbcore" war eine Allianz aus den befreundeten Hamburger Bands Caligari, Perished Vision und Cygod. Unter diesem Namen brachte Buback 1994 auch einen gleichnamigen Sampler heraus. Den Musikern ging es darum, das musikalische Schubladendenken zu überwinden, das oft zur Ignoranz anderer Stile führt. Auch die Absoluten Beginner haben zum "Elbcore"-Sampler einige Raps beigetragen.

Flash 2000
Im Sommer 2000 veranstaltete Buback im Hamburger Millerntor-Stadion den HipHop-Jam "Flash 2000". Hauptacts waren die Künstler, die auch bei Buback unter Vertrag standen: die Absoluten Beginner und Dynamite Deluxe. Außerdem traten Ferris MC und Deichkind auf. Insgesamt kamen rund 18.000 Zuschauer in das Heimstadion des FC St. Pauli.

Die Goldenen Zitronen
Eine Band, die den Tod von Thomas Anders besingt, kann nur lange überleben. Die Goldenen Zitronen gibt es seit 1984. Schorsch Kamerun und Ted Gaier bilden den festen Kern. Anfangs noch Fun-Punk (so erklärt sich der Name), mittlerweile wabert das Klangebilde der Zitronen zwischen Krautrock, No Wave und Post-Punk. Dafür: immer schön politisch. 2009 erschien das zehnte Album der Zitronen, „Die Entstehung der Nacht“ – natürlich auf Buback.

Hamburg
Die Stadt an der Elbe gilt nicht umsonst als ein Fixpunkt der deutschen Musikszene. Viele bekannte Indie-Labels wie Audiolith, Grand Hotel van Cleef oder Tapete Records sitzen hier. Buback hat als eine der ersten unkonventionellen und weitgefächerten Plattenfirmen stark zu dieser Entwicklung beigetragen.

"Indie-Ursuppe"
Die kocht Buback laut Gründer Ale Dumbsky immer noch. Für einige Releases ging das Label Kooperationen mit Major-Firmen wie Universal oder EMI ein, aber bei Alben von den Goldenen Zitronen etwa wäre das widersinnig, sagt er. "Die Bands würden das ja auch gar nicht wollen."

Jan Delay
Der kommerziell erfolgreichste Künstler bei Buback ist Jan Delay. Unter dem Namen Eißfeldt ist er als Mitglied der Beginner bekannt. Das erste Lied von Jan Delay als Solokünstler –"Irgendwie, irgendwo, irgendwann", eine Neuauflage des Nena-Klassikers – brachte Buback 1999 heraus. Dafür kooperierte das Indie-Label erstmals mit dem Major EMI.

Kristof Schreuf
Kolossale Jugend gilt neben Ostzonensuppenwürfelmachenkrebs und Cpt. Kirk & zu den ersten Bands, die mit dem viel (zu viel) diskutierten Etikett "Hamburger Schule" beklebt wurden. Kristof Schreuf war Sänger dieser Band, die es nur drei Jahre gab. Seine zweite Band, Brüllen, veröffentlichte in den Neunzigern auf Buback. Danach war es lange still um Schreuf, der von sich selbst sagt: "Wenn nichts zustande kommt, liegt’s an meiner Unorganisiertheit." 2009 hat Tobias Levin, früher Sänger von Cpt. Kirk & und heute erfolgreicher Produzent, Kristof Schreuf bei der Orga geholfen und das Soloalbum "Bourgeois with Guitar" produziert, das auf Buback erschienen ist.

http://www.vimeo.com/15768515

Les Robespierres
Ted Gaiers Nebenprojekt, bei dem Klaus Ramcke, Sergej Tolksdorf und Stephan Rath mitspielen, ist verwirrend international: Eine Band aus Hamburg, nach einem guillotinierten Franzosen benannt, Texte auf Portugiesisch, vom politischen Geist der Zapatistas beeinflusst – Buback goes World und schaut auch mal über die Landungsbrücken hinaus.

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"Maler-Millonär"
So nannte die BILD einst Daniel Richter. Der ist mittlerweile ein international angesehener Künstler, kassiert 120.000 Euro pro Gemälde und sagt selbst: "Mir gehört Jan Delay! Haha." Richter war Ende der Achtziger Buttstraßen-Mitbewohner von Ale Dumbsky, hat die ersten Cover für Buback entworfen – und besitzt seit 2005 das Label. Haha!


Die Goldenen Zitronen ausnahmsweise zu Teilen in Grau.

Naked Navy
Die Funk-Jazz-Band entstand 1994 und hat ein Jahr später ihr einziges Album "Scream of the Hounded" bei Buback veröffentlicht. Insgesamt waren 13 Musiker beteiligt, darunter auch Label-Gründer Ale Dumbsky. Das Album von Naked Navy bedeutete damals auch einen Bruch mit den bisher unter Buback veröffentlichten Punk-, HipHop- und Reggaeklängen.

Punk
Ist nicht alles bei Buback. Nach ersten Veröffentlichungen von Bands dieser Gangart bringt das Label 1990 eine Free-Jazz-Platte heraus und wirft die Liste mit stilistischen Dogmen in den Papierkorb: Reggae aus Hamburg folgt, wichtige hanseatische HipHop-Helden erscheinen bei Buback. Und da gibt es dann noch Bands wie S.Y.P.H., die nirgends so recht reinpassen.

Q.E.D.
Zum Firmenjubiläum brachte das Label den Sampler "15 Jahre Buback – Buback Q.E.D." heraus. Auf dem Best-of-Album sind Hits wie "K2" von den Absoluten Beginnern und "Irgendwie, irgendwo, irgendwann" von Jan Delay zu hören, aber auch bis dahin unveröffentlichtes Material. Das Intro stammt von DJ DSL, einem österreichischen DJ und Musikproduzenten.

RAF-Opfer
Das Label ist benannt nach Siegfried Buback. Der Generalbundesanwalt wurde am 7. April 1977 von Mitgliedern der linksextremistischen terroristischen Vereinigung "Rote Armee Fraktion" (RAF) getötet.

Die Stars
Mitglieder der Goldenen Zitronen, der Sterne und weiterer Musiker aus dem bubackschen Dunstkreis gründen Mitte der Neunziger eine, sagen wir mal: All-Star-Band. Name: Die Stars. Der gemietete Bandbulli wird vollgestopft, man rüstet sich für eine dreiwöchige Tournee. Kurz bevor es auf Achse gehen soll, gesteht der Booker, dass er kein einziges Konzert gebucht hat.

1000 Robota
"Neulich habe ich Tomte bei einem Festival gesehen: eine Blamage! Die sind einfach frustriert. Aber wir wollen erobern, wir haben Ziele, wir wollen durchbrechen", sagt Anton Spielmann, seines Zeichens Sänger und Chefprovokateur von 1000 Robota. Die Hamburger Brandstifter sind jung, sophisticated und gerne dagegen – prima Voraussetzungen, um bei Buback rauszubringen; da ist das zweite Album von 1000 Robota erschienen. Das heißt "Ufo" und die Robota blicken auf dem Cover wie im Video zu ersten Single "Fahr weg" in der Tat wie Außerirdische drein (oder zumindest wie Spukwesen aus einem Film von Friedrich Wilhelm Murnau).

http://www.vimeo.com/15122164

Übriggebliebene Ausgereifte Haltungen
Der deutsche Filmemacher Peter Ott verfilmte 2007 die Bandgeschichte der Goldenen Zitronen in dem Dokumentarfilm "Übriggebliebene Ausgereifte Haltungen".

Verlag
Labelgründer Ale Dumbsky hat die Leitung von Buback 2005 an den Künstler Daniel Richter abgeben. Er selbst leitet heute den Musikverlag Sempex, ein Tochterunternehmen von Buback. Sempex kümmert sich auch um die Promotion der Buback-Künstler.

Widersprüche
"Immer diese Widersprüche", singen die Zitronen. Und leben die Widersprüche selbst. Spex-Mitgründerin Clara Drechsler hat erkannt, dass die Goldenen Zitronen immer maximale Komplexität bei maximaler Reichweite gewollt hätten – ein Widerspruch? Oder der Punk im Schauspielhaus: Schorsch Kamerun führt heute Regie an großen deutschen Bühnen. Die Münchener Kammerspiele sind eines davon. Und da spielen die Zitronen ihr Münchner Jubiläumskonzert. Immer diese Widersprüche.

Yo Mama
Neben Buback gibt es noch zwei für die Frühphase des deutschen HipHops einflussreiche Labels: Yo Mama und MZEE. Yo Mama ist wie Buback ein Plattenlabel aus Hamburg und hatte unter anderem Künstler wie Das Bo und Fettes Brot unter Vertrag.

Zivildienst
Nicht nur der Mix verschiedener Musikstile ist ungewöhnlich bei Buback, sondern auch der Grund, aus dem das Label entstand. "Die Gründung von Buback resultierte aus dem Gefühl, im relativen Luxus zu leben", sagt Ale Dumbsky. Die Zitronen-Platten verkauften sich gut. Zusammen mit dem, was er 1987 als Zivildienstleistender verdiente, hatte er mehr Geld als er ausgeben wollte. Stattdessen investierte Dumbsky das Geld lieber in die Gründung von Buback. Gut gewirtschaftet.

Am Samstag, 5. Februar, feiert Buback sich in den Münchner Kammerspielen selbst: "Buback – mehr als eine Holding" ist ein Abend mit F.S.K., den Goldenen Zitronen, Kristof Schreuf und 1000 Robota. Karten kosten 19 Euro.

Text: jurek-skrobala - und Stefanie Heiß; Bilder: Buback Tonträger, Illustration: Christopher Stelmach

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