Das Buch zum Sex: "Im Leben geht es nur um die Fortpflanzung. Evolutionär gesehen."

Ein Sammelsurium an Fakten, Anekdoten und kurzen Geschichten rund um das Thema Liebe, Sex und Zärtlichkeiten - das soll das Buch "Alles über das Eine" sein. Die Autoren Sebastian Herrmann und Werner Bartens sind Wissenschaftsredakteure der Süddeutschen Zeitung. Ihr Buch erscheint kommende Woche. Ein Interview über die Sexlust in Mecklenburg-Vorpommern, Preise von Pay-TV-Pornos und Johannes B. Kerner.
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Euer Buch heißt "Alles über das Eine" - welches Eine ist das denn? Um was geht es in eurem Buch? Werner Bartens: Um den Sinn des Lebens. Evolutionär gesehen geht es im Leben ja nur um die Fortpflanzung. Und es ist nicht immer ganz einfach, den richtigen Paarungspartner zu finden. Da gibt es viele Fruchbarkeitstänze und Balzrituale und eine ganze Menge mehr, was wir beschreiben wollten. Auf eine gewisse Weise ein ganz wissenschaftliches Thema. Es geht aber auch um all das Scheitern, das damit verbunden ist. Scheidungen, Trennungen und die Tragik der vergeblichen Liebesmühe. Den Leser erwarten aber auch romantische Geschichten, wie die des schottischen Hirten, der versucht seine Angebetene zu erreichen, in dem er seine Schafe so platziert hat, dass sie von oben betrachtet den Satz ergaben: Du bist die Meine, willst du mich heiraten? Das Buch bringt aber auch knallharte Fakten ans Licht. Frauen, die häufig an Migräne leiden haben, seltsamer Weise laut Statistik eine größere Libido als andere Frauen, und am häufigsten Sex haben die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern. Wie seid ihr darauf gekommen, dieses Buch zu schreiben? Sebastian Herrmann: Das sind Themen, die uns im alltäglichen immer wieder begegnet sind. Gerade die wissenschaftlichen Aspekte. Und es sind die Themen, auf die die meisten Kollegen in den Konferenzen immer wieder angesprungen sind, die man aber auch wunderbar auf eigene Erfahrungen anwenden kann. Wie lange habt ihr daran gearbeitet? Hermann: Zwischen der Idee und der Erscheinung ist ungefähr ein Jahr vergangen. Wie seid ihr das Konzept angegangen? Bartens: Durch die lakonische aneinander Reihung bekommt es einen humoristischen Effekt. Wir haben uns bemüht, das Ganze aber nicht mit irgendwelchen Adjektiven kommentierend und witzelnd darzustellen, was ja häufig bei Texten gemacht wird. Wenn zum Beispiel über eine Pornomesse berichtet wird, merkt man ganz oft den Gestus des „sich Distanzieren Wollens“ im Schreiben. Und es geht auch nicht nur um Sex. „Alles über das Eine“ meint natürlich schon Sex, doch es ist schon erstaunlich, was darum herum alles passiert. Das Werbe und Balzverhalten, die Schwierigkeiten von Mann und Frau, sich einander anzunähern. Im weitesten Sinne ist es das, was die Klatsch und Tratsch-Seiten uns erzählen. Es sollte einfach kein Schmuddelkram werden. Das rein Sexuelle versuchen wir eher auf einer nüchternen Ebene abzuhalten. Wie seid ihr auf diese Geschichten gestoßen? Wie habt ihr recherchiert? Herrmann: Zum einen durch Fachliteratur. Aber auch über das Internet oder absurde Hinweise in Zeitungen und Zeitschriften, denen wir dann nachgegangen sind. Irgendwann verselbstständigt sich alles ein bisschen. Es gibt eine Sache und daran fügt sich eine Kette. Einige Sachen sind auch telefonisch erfolgt. Wie die Recherche zu „Die sündigste Meile der Welt“, in der es um Preise für Pay-TV Pornos in verschiedenen Hotels Hamburgs geht. Es war viel gezielte Recherche, aber es gab keine konkreten Treffen mit beteiligten Personen. Dazu sind es zu kurze Anekdoten. Wir haben ja keine Reportagen oder lange Fließtexte geschrieben, sondern viele kleine Gegebenheiten, Statistiken, Quellen und Rekorde zusammengefasst. Werner Bartens, du bist demnächst bei Johannes B. Kerner. Wie ist das für dich? Bartens: Ich bin schon aufgeregt. Aber nachdem ich inzwischen schon dreimal dort war, ist die Aufregung, was mich dort unerwartetes erwarten könnte, nicht mehr ganz so groß. Es ist eine Art Lampenfieber, allerdings nicht mehr so dramatisch. Erstaunlicher Weise bin ich aufgeregter wenn ich alleine einen Vortrag oder eine Lesung halte vor vielleicht 200 Leuten, die ich alle sehen kann, als wenn ich bei Kerner sitze und wirklich nur mit ihm rede. In dem Moment ist es auch egal oder nicht bewusst, wie viele Menschen das im Fernsehen anschauen. Das merkt man einfach nicht so. Wen und was wollt ihr mit eurem Buch erreichen? Bartens: Alle Menschen, die zur Liebe fähig und willig sind. Aber natürlich auch einfach jeden, der Lust und Spaß an solchen Fakten hat. Und es geht uns auch nicht nur um Unterhaltung, sondern ein Stück weit um Aufklärung. Heute bekommt man ja relativ häufig irgendwelche Umfragen gezeigt, in denen es zum Beispiel um die Frage geht, wie oft die Franzosen Sex haben. Wir präsentieren in unserem Buch ähnliche Umfragen, anhand derer wir deutlich machen wollen, wie viel ohne Hinterfragen geglaubt wird. Viele Ergebnisse sind einfach sehr wage und wir versuchen, den Hintergrund zu beleuchten. Dr.med Werner Bartens, geboren 1966, hat Medizin, Geschichte und Germanistik studiert. Er ist verheiratet, hat fünf Kinder und ist unter anderem Autor des Lexikons der Medizin-Irrtümer. In der Wissenschaftsredaktion der SZ gilt er als Experte für den Bereich „Human Interest.“ Sebastian Hermann, geboren 1974, hat Politik, Geschichte und Psychologie studiert. Er ist Schlagzeuger der Band „The vertical Orange Car Crash“. In der Wissenschaftsredaktion der SZ gilt er als Frauenversteher, Apfelkistenhochträger und Experte für Beziehungsthemen. Das Buch "Alles über das Eine" erscheint am 19. März im Eichborn-Verlag.

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