Das erste Semester - eine Bilanz (2)

Das Wintersemester 2005/2006 an den Berufsakademien, Fachhochschulen oder Universitäten ist vorbei, das Sommersemester steht vor der Tür. Wie erging es jenen, die neu angefangen haben? Was war schwierig, was war schön? Im Lauf der Woche berichten Studenten, wissenschaftliche Mitarbeiter und eine Professorin, wie es war, ihr erstes Semester.
peter-wagner

Folge 2: Von Konsulenten und Bewehrungen Steffen Freitag, 25, studierte Bauingenieurwesen an der Technischen Universität (TU) Dresden. Seit August 2005 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Statik und Dynamik der Tragwerke der TU. Ende Juli 2005 hatte ich noch meine Diplomarbeit vor den Prüfern verteidigt und drei Tage später war ich schon wissenschaftlicher Mitarbeiter. Klar kam der schnelle Übergang nicht von ungefähr: Schon von meinem sechsten Studiensemester an war ich studentische Hilfskraft am Institut und habe als Tutor gearbeitet, also Übungen gehalten und Seminare vorbereitet. Jetzt arbeite ich im Rahmen eines Forschungsprojektes, das die Deutsche Forschungsgemeinschaft finanziert. Im Sonderforschungsbereich 528, „Textile Bewehrung zur bautechnischen Verstärkung und Instandsetzung“ untersuchen wir Beton, der mit Glasfasern versetzt wird. Mit solch einem Beton-Glasfaser-Verbund kann man zum Beispiel eine Brücke nachträglich verstärken. Ich arbeite dabei in einem Teilprojekt an der numerischen Langzeitprognose: Wie verhält sich das Material über die gesamte Lebensdauer einer Konstruktion? Dazu entwickeln wir Modelle und Methoden, die mit Versuchsdaten getestet werden. Straßenbaukonferenz in Kanada In diesem Jahr werde ich wohl zum ersten Mal meine wissenschaftliche Arbeit vorstellen – nicht mehr vor Studenten sondern bei einer Fachkonferenz vor Wissenschaftlerkollegen. Darum geht es: Man forscht, gewinnt Erkenntnisse und veröffentlicht sie dann in wissenschaftlichen Journalen oder stellt sie auf Tagungen vor. Das ist das täglich Brot eines Wissenschaftlers. Bei einer ersten Konferenz bin ich schon angemeldet, aber erst mal, um reinzuschnuppern. Ich bekomme ja gerade erst mit, welcher Aufwand hinter wissenschaftlichen Veröffentlichungen steckt. Das ist mir noch absolutes Neuland. An den Veröffentlichungen schreibt man aber selten alleine, weil meist im Team geforscht wird. Aus meiner Diplomarbeit heraus habe ich jetzt schon eine Zuarbeit für ein sogenanntes Paper, einen wissenschaftlichen Artikel geliefert: Der Konsulent meiner Arbeit wird auf einer Straßenbaukonferenz in Kanada Ergebnisse vorstellen, zu denen auch ich beigetragen habe. Im Ausland forschen Die Forschung steht bei meinem Job im Vordergrund. Es gibt aber hier an der Uni auch ganz andere Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter, die beschäftigen sich zwar auch mit Projekten, kümmern sich aber mehr um Vorlesungen oder Seminare. Im Rahmen des Forschungsprojektes kann ich auch promovieren, also den Doktortitel erlangen. Zwar fließen dort Erkenntnisse aus meiner täglichen Arbeit ein, die eigentliche Doktorarbeit werde ich aber in meiner Freizeit schreiben müssen. Die Arbeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter hat, klar, ihre Vor- und Nachteile. Ich sitze jetzt vor Problemen und muss zusehen, dass ich sie auch alleine löse. Aber dafür kann ich auch die Schwerpunkte meiner Arbeit mitbestimmen. Das bedeutet am Ende auch mehr Verantwortung, was ich aber nur gut finde. Bald werde ich auch Diplomarbeiten oder die Projektarbeit einer ausländischen Studentin, die an unser Institut kommt, betreuen. Nach meiner Promotion will ich zusammen mit meiner Frau für einen Forschungsaufenthalt ins englischsprachige Ausland. Gerade in der Wissenschaft ist das sehr wichtig, nicht nur weil fast alle Veröffentlichungen und Konferenzen auf Englisch ablaufen, sondern um Erfahrungen zu sammeln. Ja, in der Wissenschaft bleiben, das wäre schon toll. Auch wenn das zu Beginn des Studiums nicht mein Ziel war, es war eher eine Entwicklung dorthin. Je länger das Studium dauerte, um so mehr habe ich mich in bestimmte Fächer vertieft und um so besser wurden auch meine Leistungen. Nach und nach habe ich dann Gefallen an der Forschung gefunden. Und weil ich hier am Institut so gut bei meiner Diplomarbeit unterstützt wurde, bin ich geblieben.

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