Das große ABC des Jay-Z

Bald erscheint ein Buch, in dem der Rapper Jay-Z versucht, uns die Rapmusik zu erklären. Deswegen haben wir uns die Mühe gemacht, alles Wissenswerte über Jay-Z zusammenzustellen.
anabel-schleuning

A wie Alles im Kopf Das Gerücht hält sich hartnäckig: Jay-Zs Texte landen angeblich von seinem Kopf direkt im Studio. Texte aufschreiben? Diesen Schritt überspringt Jay-Z. "I don't write Songs, they just form". B wie Beyoncé Der HipHop-Szene wird gerne nachgesagt, eine etwas verwilderte und prollige zu sein mit all den Goldkettchen-tragenden, gewaltbereiten Jungs, die den ganzen Tag nur ein lautes BEEEEEEP der Zensur von sich geben. Jay-Z möchte dieses Bild richtig stellen, deshalb läuft das bei ihm auch anders: Seine Frau Beyoncé Knowles ist alles andere als devot. Nach fast zehn Jahren Beziehung haben die beiden 2008 geheiratet und führen allem Anschein nach eine harmonische Ehe. "Ich bin ihr Fan, wisst ihr, ein großer Fan", schwärmte Jay-Z Anfang des Jahres von seiner Frau, nachdem sie sechs Grammys abgeräumt hatte, ohne davon besonders überrascht zu sein. C wie Champagner Das Bild vom Champagner saufenden Rapper hält sich hartnäckig. Jay-Z will ein Zeichen dagegen setzen und hat deshalb eine Kampagne mit der amerikanischen Biermarke „Budweiser“ gestartet, um der Welt zu zeigen: Rap und Bier geht auch. D wie „Decoded“ „Decoded“ heißt das neue Buch von Jay-Z, das Mitte November im Random House Verlag erscheinen wird. Damit will er das zerrüttete Bild von der HipHop-Szene wieder zurechtrücken. Rap ist in seinen Augen Dichtkunst im modernen Stil und die Bedeutung der Musik dabei nicht zu unterschätzen:„Rap hat Tiefgang, Cleverness und Inspiration. Es sind nicht nur ein paar Typen, die bloß reimenden Worte aneinander reihen. Rap hat eine soziale und politischen Bedeutung, er vertont Wut, er vertont Angst – all dies steckt in dieser Musik.“ Um dies zu erklären, verwendet Jay-Z Zeilen aus 36 seiner provokantesten Songs und erklärt, was er damit gemeint hat. F wie 40/40 Club Der 40/40 Club ist eines von vielen wirtschaftlichen Standbeinen Jay-Zs. Feiern und Sport, gute Cocktails, Musik, gutes Essen und ein nettes Ambiente - das war der Plan, als Jay-Z beschloss, einen eigenen Club in New York zu eröffnen. Der 40/40 Club zeigt die besten Spiele der NBA und ist so eine Art extrem edler Sport-Bar. Mittlerweile gibt es auch Filialen in Atlantic Citiy, Macau, Tokyo, Dallas, Atlanta, Chicago und Las Vegas. G wie Greenwich Village Bistro Neben dem „40/40 Club“, seiner Klamottenmarke Rocawear und den Partnerschaften mit großen Unternehmen, betreibt Jay-Z auch ein charmant-bescheidenes Bistro in den Straßen von New York: The Greenwich Village Bistro.


H wie „Hard knock life“ Spätestens in dem Moment als man die head-bangenden Ghettokinder in dem Musikvideo zu Jay-Zs „Hard Knock Life“ auf MTV gehört und gesehen hat, war jeder zumindest für einen Augenblick ein ziemlich großer HipHop-Fan. Es war ein ehrliches Lied, so unberührt und kindlich naiv, so von Herzen, von allen gefeiert und entsprechend eine der großen Nummern aus der HipHop Szene. I wie „I got 99 Problems but a bitch ain´t one!“ Ein anderer großer Hit von Jay-Z war 99 Problems . Wenn man so will, kann man in diesen Zeilen auch eine positive Lebensphilosophie herauslesen. Es gibt 99 Sachen, über die man sich hier auf der Welt berechtigter Weise aufregen kann, aber – tun wir mal so als sei Bitch für Jay-Z ein Synonym für Frau – eine Beziehung sollte eine Bereicherung im Leben sein, und kein Problem. J wie Jazzy Der ursprüngliche Künstlername von Jay-Z war Jazzy. K wie Kanye Kanye West könnte man als Jay-Zs Schützling bezeichnen. Nachdem Kanye mit großen Erfolg Jay-Zs Album „The Blueprint“ produziert hatte, unterstützte Jay-Z ihn wiederum dabei, seine eigene Rapper-Karriere zu starten. Denn Jay-Z ist immer auf der Suche nach den großen Stars, er will Talente entdecken. So hat er es nicht nur bei Kanye getan, sondern auch bei Rihanna oder Ne-Yo. Aber woran erkennt der gute Mann das Talent eines Newcomers? Scheinbar hat er einfach den Blick dafür: „Es ist schwer zu beschreiben. Ich sehe ihn, wenn er da ist. Wenn er einen Raum betritt. Es ist, als hätte jemand das Licht angeschaltet.“ Ende November wollten Kanye West und Jay-Z eigentlich nur eine gemeinsame Single raus bringen. Der ursprüngliche Plan wurde erweitert und aus der Single wird nun ein Album. L wie Liebeslieder braucht die Welt Jay-Z will ein Liebeslied. Ach, nicht nur eins. Am liebsten eine ganze Flut von Liebesliedern! Er ruft die ganze Musik-Branche dazu auf, wieder ehrlichere Lieder zu schreiben, weg von Party, Drogen und Gold-Schnickschnack. Lieder, die vom Herzen kommen. "Wir müssen wieder den Weg zurück zu echten, starken Emotionen finden. Es klingt vielleicht ein wenig albern, aber die Liebe ist die einzige Sache, die alle Zeiten überdauert. In 'The Miseducation of Lauryn Hill' ging es nur um Liebe. Bei Andre 3000, 'The Love Below', auch. Sogar NWA bezogen sich in ihrem Kern auf die Liebe zu ihrer Hood.". M wie Marvin Gaye 2007 entstand ein interessantes Remix-Album, um genau zu sein „The most successful american gangster remix Album“ – „Brooklyn Soul“, auf dem Lieder von Jay-Zs American Gangster Album mit Samples von alten Marvin Gaye Songs kombiniert wurden. Produziert wurde es von Shuko und The Gunna. N wie New Jersey Nets Die New Jersey Nets sind eine Basketball-Mannschaft der NBA. Neben dem russischen Unternehmer Michail Dmitrijewitsch Prochorow und dem Bauunternehmer Bruce Ratner, ist Jay-Z Mitbesitzer des Vereins. O wie Original Flavour Back to the roots: Angefangen hat Jay-Z sein Rapperdasein mit dem Rapkollektiv Original Flavour, wobei damals von Karriere noch nicht die Rede sein konnte. Die Gruppe hat es nie geschafft, so richtig durchzustarten. Ihr größter Hit war „Can I get Open“, wobei Jay-Z zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr Mitglied der Gruppe war und nur als Feature auftrat. Aber schon in diesem Lied stellt er sein einzigartiges Rap-Talent unter Beweis.


P wie Pimpin’ „Uh uh uh uh, it´s big Pimpin Baby!“ Bei aller Vorzeigebeziehung, Bier-Kampagne und Sehnsucht nach tiefsinniger, gefühlvoller Musik – Jay-Z ist und bleibt ein Rapper und das muss er auch manchmal zur Schau stellen. Und zum echten Rapper-Dasein gehört nun mal auch „pimpen“ und „hustlen“, zu deutsch: ordentlich angeben. Wie das dann aussieht, kann man im Video zu „Big Pimpin“ sehen, einem Song vom Album „Vol. 3... Life and Times of S. Carter“ aus dem Jahr 1999. Q wie Q-Tip Q-Tip und Jay-Z passt nicht nur namentlich recht gut zusammen: Von den beiden darf man Großes erwarten. Q-Tip wird nämlich maßgeblich an dem neuen Album von Jay-Z beteiligt sein, das im Frühjahr 2011 rauskommen wird. Abgesehen von dem Frontrapper von A Tribe Called Quest hat auch der Produzent Pete Rock seine Finger im Spiel. Einen kleinen Vorgeschmack dieser Konstellation gibt es ab 23. November in den Läden, denn für die EP „Watch The Throne“ von Kanye West und Jay-Z saß die Runde schon zusammen. R wie Roc Das Roc Imperium: Roc-a-Fella Records. Rocawear. Roc Nation. Roc La Familia. Egal in welcher Branche man sich umschaut, Jay-Z hat fast überall seine Finger im Spiel: bei den New Jersey Nets mit seinen Anteilsrechten, bei Microsoft mit seinen Kooperationen, mit Rocawear, und nicht zu vergessen: dem Roc-a-Fella Records Imperium. Überall wo ein großer Name oder Roc davor steht, findet man irgendwo kleingedruckt auch Jay-Zs Namen. S wie Shawn Corey Carter Jazzy. Jay-Z. Hova. Jigga. Hov. J-Hova. Dieser Mann hat bestimmt zehn Aliasse. Schön unprätentiös ist sein echter Name: Shawn Corey Carter. Am 4. Dezember 1969 wurde er in Brooklyn geboren. Seine Mutter Gloria Carter hat die Musikalität ihres Sohnes von Kindheit an sehr unterstützt. Und den Grundstein für seine HipHop-Karriere hat sie wohl auch gelegt, als sie dem kleinen Shawn seinen ersten Ghettoblaster schenkte. T wie „The Grey Album“ „The Grey Album“ von DJ Danger Mouse wurde 2004 veröffentlicht und hat damals für großes Aufsehen gesorgt. Der Produzent und DJ kombinierte dafür Jay Zs Acapella-Werk „The Black Album“ mit „The White Album“ von den Beatles. Daraus entstand das Bastard-Pop-Meisterwerk „The Grey Album“. Das wurde vor allem deshalb so berühmt, weil die Plattenfirma EMI, die die Rechte am Beatles-Katalog hat, gegen die Veröffentlichung des Albums vorging – und zumindest teilweise daran scheiterte. EMI musste einigen Läden und DJ Danger Mouse durch eine einstweilige Verfügung die Vermarktung des Albums überlassen. Gleichzeitig wurde eine Protestaktion gegen EMI gestartet, die sich „The Grey Tuesday“ nannte: Auf einer grauen Internetpattform wurde das Album einen Tag lang zum Download freigestellt – das Album wurde über 100.000 Mal heruntergeladen. U wie Unplugged Auf dem „MTV Unplugged“-Album hat Jay-Z viele seiner größten Hits mit der Unterstützung der Band The Roots veröffentlicht. „Jigga what“, „Can´t Knock the Hustle“, „Girls, Girls, Girls“ sind drei von insgesamt elf Tracks. Neben Mary J. Blige finden sich auch die Neptunes auf diesem Album wieder. Es zählt zu den besten HipHop-Alben. V wie einer der Vierhundert reichsten Menschen Amerikas Jay-Z und Beyoncé sind das reichste Promipaar der USA. Jay-Z zählt zu den vierhundert reichsten Menschen Amerikas. Kein Wunder: Elf seiner Alben waren Nummer-1-Alben. Damit hat er Elvis hinter sich gelassen, der nur zehn Nummer-1-Alben hatte. Vor ihm liegen jetzt nur noch die Beatles, die es mit 19 Nummer-1-Alben weit an die Spitze brachten. W wie „Water for Life“ Jay-Z ist definitiv kein weltfremder Idealist - weltfremde Idealisten gehören eher selten zu den reichsten Menschen Amerikas. Trotzdem hat er bei allem kapitalistischen Kalkül noch Ideale. So reiste er beispielsweise bei der „Water for Life“-Tour. 2006 durch Afrika und machte sich stark für das Recht der Menschen auf Wasser. In Zusammenarbeit mit MTV und den Vereinten Nationen startete er die Kampagne und organisierte eine „Water for Life“-Tour durch Australien, Afrika, Japan und Europa gemeinsam mit einigen Künstlern der Roc-A-Fella Familie. X wie im Jahr X ...möchte Jay-Z US-Präsident werden. Denn was Obama kann, kann Jay-Z schon lange. Nur noch nicht jetzt. Als großer Obama-Fan möchte Jay-Z aber keinesfalls gegen Obama antreten und wartet deshalb auf den nächsten Gegner. Vielleicht so in acht Jahren, erklärt er in einem BBC-Interview. Aus „Yes we can!“ wird also „Jigga for President!“. Y wie Yacht Wenn schon angeben, dann richtig: Im Video zu Big Pimpin hat Jay-Z sich auch genau die richtige Location ausgesucht: eine gigantische Yacht. Und auch im Privaten verzichtet er nur ungern auf das eine oder andere nette Accessoire der Dekadenz. Spätestens beim Anblick Jay-Zs Luxus-Yacht versteht auch der letzte, das Jay-Z es doch auch versteht, seinen Reichtum zu genießen. Z wie C Noch einmal für alle verwirrten Nachrichtensprecher da draußen zum Mitschreiben: Jay-Z spricht man wie Jay-C (Dscheysii), nicht wie Jay-Z (Dscheyzed).

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