Das tödliche Ticken tausend hungriger Uhren

Foto Buchcover: jetzt.
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Illustration: Julia Schubert

Foto Buchcover: jetzt.de Er wollte ein Großer werden, und so setzte er sich ganz am Anfang Nacht für Nacht hin und schrieb - er schrieb die Werke seiner Vorbilder ab, Wort für Wort, von Hemingway bis Fitzgerald. Am Ende war er ein Großer, der Autor von "Hell´s Angels" und "Fear and Loathing in Las Vegas", der König des "Gonzo"-Journalismus, dieser seltsamen wunderbaren Mischung aus Fakten und Fiktion, in der er die einzig wirkliche Wahrheit sah. Er wohnte wie ein Eremit in seinem Haus in den Rocky Mountains, am Schreibtisch stets seine Schreibmaschine und daneben eine 44. Magnum. Er hat geraucht, wie immer schon, er hat getrunken, wie immer schon, und er hat auch noch geschrieben - vor allem gegen alles, was ihn ankotzte, von George W. Bush bis zur Todesstrafe. Hunter S. Thompson, der große zornige Mann, war alt geworden. Sein erstes Buch, "The Rum Diary", sein Bericht über seine Zeit als Journalist in Puerto Rico, endet mit der Beschreibung der Geräusche einer nächtlichen Stadt, über die Hunter S. Thompson schreibt, es sind die letzten Sätze: "Klänge einer Nacht in San Juan, (...) Geräusche von Leben und Bewegung, Menschen, die sich bereit machten und Menschen, die aufgaben, der Klang der Hoffnung und der Klang des Durchhaltens, und hinter all dem das leise tödliche Ticken von tausend hungrigen Uhren, der einsame Klang vergehender Zeit in der langen karibischen Nacht." Für Hunter S. Thompson war die Zeit des Durchhaltens in der Nacht von Samstag auf Sonntag vorbei. Er hat sich umgebracht. Mit einem Schuss seiner Magnum, wie es heißt.

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