"Den eigenen Stiefel anbehalten" - Pete Blume aus Hamburg sind da

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Jetzt stehen sie vorne auf der Bühne und wissen nicht mehr weiter. Pete Blume ist sprachlos. "Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll", meint Sänger Matte. Die vier anderen Bandmitglieder stehen im Hamburger Knust um ihn herum und freuen sich. Gerade haben sie wieder einen Bandwettbewerb gewonnen. Ihr Hauptpreis: ein Auftritt beim Hurricane-Festival. Matte: "Wirklich durch kam es erst am nächsten Tag. Da habe ich erst richtig geschnallt, dass wir da spielen werden. Und da war es dann auch ein sehr gutes Gefühl."

Der Hurricane-Auftritt ist nicht alles. Im Knust ist steht auch Swen Meyer, Produzent von Tomte und Kettcar. Pete Blume (Sprich: Piet Blume) möchte ihn ebenfalls engagieren. Im Vorfeld hatten sie ihm eigene Aufnahmen geschickt. "Die Demos fand er ziemlich gut. Und wir haben ihn ein bisschen genervt, aufs Konzert zu kommen", erzählt Matte. Swen Meyer erscheint und ist begeistert. Damit haben Pete Blume an dem Abend nicht nur den Festival-Auftritt vor tausend Leuten, sondern auch ihren Wunschproduzenten gewonnen. In der Nacht denken sie über die Aufnahmen nach, "was man nicht alles machen kann. Wir haben wie kleine Kinder geträumt", erinnert sich Matte. Das war 2006. Ein Produzent war gefunden, doch bis zur fertigen Platte dauert es. Mit Swen Meyer arbeiten sie zuerst einen Monat im Probenraum, stellen ihm Songs vor und hören seine Meinung. Bei manchen Songs sagt er: Ja, genauso würde ich es auch machen. Aber er sagt auch, wo ihm was fehlt. Darauf geht die Band ein: "Einfach weil er so viel Verständnis hat und genau die gleiche Liebe in die Produktion einbringt." Matte gefällt, wie Swen Meyer Ideen aufwirft. Er gibt Denkanstöße und lässt sie alles Weitere machen. Pete Blume gehen einen langen Weg. 1998 bginnen vier Schüler im Hamburger Umkreis Musik zu machen: Sänger Matte Hessenauer, Bassist Simon Balk, Gitarrist Thorben "Digge" Weiner und Schlagzeuger Thomas Rühl. "Wir waren eine Band aus einem Vorort von Hamburg, die im Jugendzentrum gespielt hat, davon gibt es tierisch viele und wir waren auch nicht besonders toll", erinnert sich Matte. Als zweiter Gitarrist kommt Rouven Baran 2003 dazu. Sie nehmen Demos auf, spielen in der Markthalle oder vor dem Hamburger Rathaus und gewinnen Wettbewerbe: Sie sind "bester Rock Newcomer Norddeutschlands" (2001) und bekommen den "Hamburger Rockförderpreis" (2003): "Wir hatten harte Riffs und einen relativ hohen deutschsprachigen Gesang. Das gab es noch nicht so häufig. Und wir wollten immer besser werden. Das hat man, glaube ich, auch gemerkt, dass wir mehr Vision haben." Für ihre Musik gibt es kein Patentrezept, so Matte. Die Texte stammen von ihm und Simon. Songs und Liedideen bringen Simon, Matte oder Digge in den Probenraum mit. Dort basteln sie, bis alle zufrieden sind. Auch andere Aufgaben teilen sie sich: Auftritte, Finanzen, Presseanfragen, Demoaufnahmen, den Internetauftritt oder T-Shirts. Pete Blume hat mehr am Hut als Musik zu machen. Für den rechtlichen Rahmen gründen die fünf ihre eigene Firma: "Bei den Auftritten oder Plattenaufnahmen haben wir Einnahmen und Ausgaben: Wir müssen das Studio bezahlen, wir müssen den Produzenten bezahlen. Ab einem gewissen Grad musst du das dem Finanzamt melden. Und sei es nur, dass du T-Shirts und Platten während der Konzerte verkaufst." Sich selbst haben sie bisher noch kein Geld ausgezahlt. Alles fließt erstmal in die Firmenkasse. Pete Blume mit "In All den Jahren":"

Die Musiker sind mittlerweile zwischen 24 und 29 Jahre alt: Matte arbeitet in einer Musikpromotionagentur, Digge studiert Mathe und Rouven BWL, Simon macht ein Lehramtsreferendariat und Thomas gerade ein Praktikum. Sie haben eine Managerin, Plattenfirma und -verlag und auch eine Booking Agentur. Über ihre Verträge schauen immer ein, zwei Anwälte drüber. Swen Meyer wird für Matte zum sechsten Bandmitglied: "Er war nicht nur der Produzent, der tolle Bands gemacht hat, sondern: Wir machen eine Platte mit Swen. Eine sehr wertvolle Erfahrung." Die ersten gemeinsamen Aufnahmen wandern an Plattenfirmen. Leicht wird die Partnerwahl nicht: "Die eine Firma möchte eine Band mit viel Geld herausbringen. Da musst du Starqualitäten mitbringen, um eine neue Tokio-Hotel-Band zu werden. Die andere Frage ist, ob du das als Band willst." Pete Blume entscheidet sich ganz bewusst für das kleine Label Mate in Germany: "Bei den großen Plattenfirmen hast du diverse große Namen, die bringen einen Monat vorher oder nachher ihr Album raus. Dann bist du kein Schwerpunkt." Vor einem halben Jahr unterschreiben sie den Plattendeal – ohne viel Tamtam: "Wir kamen gar nicht dazu, Korken knallen zu lassen." Sie müssen und wollen viel entscheiden: Songauswahl, Plattengestaltung, Albumtitel. Im Dezember 2007 erscheint zuerst "1000 Uhr" als Teasersingle, die nur im Radio und in Clubs gespielt wird. Die erste Single "In all den Jahren" folgt am 8. und das Album "Demonstrieren: Sonntags!" am 22. Februar. "Wir wollten einen Hingucker", sagt Matte über den Albumtitel: "Und wir sind mit den Texten keine politische Band, aber gerade das Zwischenmenschliche, das Hauptthema der Platte, hat auch eine politische Ebene." Wie ist die Musik? "Selbst die ruhigsten Songs haben eine leicht rockige Art. Auch auf die Gefahr hin, dass das arrogant klingt: Es ist eine schöne abwechslungsreiche Rockplatte." Und dann – was will Pete Blume? "Im Grunde wollen wir Musik machen. Soviel wie geht. Und wenn wir davon die Miete bezahlen können und der Kühlschrank voll wird…", meint Matte. Sicher ist er sich nicht: "Wir finden die Platte gerade ganz toll und sind stolz, sie gemacht zu haben. Aber es kann passieren, dass das die Leute überhaupt nicht interessiert und dass wir am Ende eine Band bleiben, die in kleinen Clubs spielt." Sie stehen wieder an einem Scheideweg. Viel kann passieren. Matte: "Wir versuchen, bestmöglich Musik zu machen, unseren eigenen Stiefel anzubehalten und das so zu machen, wie wir das gerne machen wollen."

Das Album "Demonstrieren: Sonntags!" von Pete Blume erscheint am 22. Februar. Hörproben und Tourtermine: peteblume.de

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