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In Österreich ist eine Debatte um eine Quotenregelung im Radio entbrannt: Einheimische Künstler sollen mehr Platz in den Sendungen bekommen
philipp-mattheis

Eigentlich möchte man meinen, dass die Debatte um eine Radioquote ziemlich viel Staub angesetzt hat. Wer sich in Zeiten von personalisierten und werbefreien Internetradios immer noch von Mainstream-Radiosendern – seien sie staatlich oder privat – bedudeln lässt, ist selbst schuld. Trotzdem ist in Österreich genau darüber eine Debatte entbrannt, denn: Der Musikstandort Österreich ist in Gefahr. "Österreichische Künstler haben zu wenig Gelegenheit sich zu präsentieren. Wir leben hier in einer Diktatur des vermeintlichen Massengeschmacks. Wie dieser Geschmack zu sein hat, wird von privaten Einrichtungen beschlossen", sagt Kritiker Paul Skrepek. "Man kann hier von einer Form der Bewusstseinskontrolle sprechen. Um dagegen anzukämpfen, haben wir uns zusammen geschlossen." Skrepek ist ein energischer Mann und Initiator des im Juni gegründeten Projekts SOS-Musikland, einem Zusammenschluss mehrerer Musikerbünde und Gewerkschaften. Sie alle haben ein Ziel: Mehr Musik aus Österreich im Radio. Tatsächlich liegt der Anteil heimischer Musik in österreichischen Radioprogrammen bei nur 14 Prozent. Skrepek sagt, dies sei der niedrigste Wert Europas und der drittniedrigste auf der ganzen Welt. Er und seine Mitstreiter fordern eine Quote von 40 Prozent heimischer Musik. Genau dieser Prozentsatz wurde 1994 in Frankreich gesetzlich verankert.

Paul Skrepek glaubt an das Gute im Menschen und an das Böse im System: „Die Masse hört immer noch Radio, und diese Masse lässt sich leiten. Wie das funktioniert, ist bei Wilhelm Reich ausführlich beschrieben. Seine Bücher wurden übrigens sowohl in Deutschland als auch den USA verbrannt. Es geht schon lange nicht mehr darum, was die Mehrheit der Leute hören will, sondern darum, dass die Wirtschaft funktioniert.“ Die Pressesprecherin des ORF tritt aber gleich auf die Bremse. "Eine Herkunftsquote wird es nicht geben", sagt Christine Klimaschka. "Ein solches Vorhaben verstößt gegen EU-Recht. Wenn man in der EU über eine Quote spricht, so könnte dies nur eine Sprachquote sein - siehe Frankreich." Außerdem liege der tatsächliche Anteil heimischer Musik viel höher - nämlich ungefähr bei 25 Prozent. Nun kommt aus Wien und dem Umland zwar qualitativ hochwertige Musik (Gustav, Kruder Dorfmeister und, ja, auch, Udo Jürgens), quantitativ besetzt Musik aus Österreich aber eher die unteren Plätze. Österreich könnte ein ähnliches Schicksal wie Slowenien drohen: Dort wurde vor kurzem eine 40-Prozent-Quote eingeführt. Die Radiosender haben jetzt angeblich Probleme, die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen - weil es an sendefähiger einheimischer Musik mangelt.

Text: philipp-mattheis - Foto: dpa

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