Den Spielen eine Messe halten: die zehn wichtigsten Fakten zur Games-Convention

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1. Groß wie noch nie Die Games Convention ist die größte, die es bisher gab. Vor vier Jahren war sie noch ganz bescheiden mit 170 Ausstellern und 80.000 Besuchern gestartet. In diesem Jahr rechnen die Veranstalter mit 150.000 Besuchern. Damit ist die Games Convention die größte Spielemesse Europas. Weil die bisher übermächtige Electronic Entertainment Expo (E3) in Los Angeles in Zukunft kleiner und intimer ablaufen soll, könnte die Games Convention bald zum wichtigsten Treff der Spieleindustrie weltweit werden.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Auf dem Weg zu Europas größter Spielmesse: eine Frau betritt die Treppe der Games Convention, bei der bis Sonntag 400 Unternehmen ihre Produkte präsentieren, Foto: dpa 2. Das Computerspiel möchte als Medium ernst genommen werden Games sollen endlich akzeptiert werden, finden die Hersteller. Sie seien ein Medium, ein Stück Kultur, wie Film oder Literatur. Deshalb kommt Vieles in Leipzig in diesem Jahr besonders anspruchsvoll daher. Die Messe wird von einem Kunstprogramm begleitet. Ausstellungen beschäftigen sich mit dem Mythos Pong und dem Charakterdesign in Spielen. Und die Eröffnungszeremonie fand am Mittwoch mit einem Konzert im erwürdigen Leipziger Gewandhaus statt. Ein Orchester spielte Melodien aus klassischen Computerspielen wie „Zelda“, „Sonic der Igel“ und „Final Fantasy VI“.. 3. Die ganze Familie soll spielen Bisher hatte die Games Convention immer den Ruf, nur ein sehr begrenztes Publikum anzusprechen: Männliche Hardcore-Spieler im Teenager-Alter. Das soll in diesem Jahr anders werden. Unter dem Motto „GC Family“ werden auch gezielt – angeblich pädagogisch wertvolle – Spiele für Kinder beworben. Auch auf die bisher von der Industrie eher vernachlässigten Gruppen Gelegenheitsspieler, Menschen über 30 und Frauen will man diesmal besonders zugehen. 4. Die neue Zielgruppe: Weiblich, 10 bis 15 Jahre Als besondere Zielgruppe haben sich die Veranstalter Mädchen im frühen Teeny-Alter ausgekuckt. Was geboten wird, wirkt oft ein wenig gewollt, ein bisschen wie beim Girls Day, an dem die Bundesregierung deutschen Schülerinnen an einem Tag im Jahr zeigen will, wie toll doch klassische Männerberufe sind. Damit auch genug kleine Mädchen kommen, hat das Sturmgeschütz der Frühpubertät, die Zeitschrift Mädchen, einen Stand auf der Messe. Die Hersteller präsentieren dafür Spiele mit dem Klischeegehalt eines Wendy-Heftes. Beispiel: „Sims 2 Haustiere“, „Meine Tierpension 2“, „Abenteuer auf dem Reiterhof 5“ 5. Die Spiele handeln vom Alltag Lasen sich früher Inhaltsangaben von Computerspielen wie der Inhalt billiger Actionfilme mit Michael Dudikoff oder Chuck Norris („Einsamer Elitesoldat kämpft gegen übermächtige Terroristen“), wirkt diesmal manches wie direkt aus dem TV-Nachmittagsprogramm übernommen. Es dominieren die Reality-Formate. Tierklinik- und Reiterhof-Simulationen streiten sich um Marktanteile und auch Titel wie „Schiffsimulator 2006“ erinnern eher an Dokusendungen auf N24 als an große Abenteuer. 6. Der Trend geht zur Fortsetzung Folgende Titel werden besonders heiß erwartet: „Ages of Empire 3“, „Devil May Cry 4“, „Flight Simulator X“, „Halo 3“. Der Trend geht eindeutig zur Fortsetzung. Das wirft die Frage auf: Wo bleiben die zündenden neuen Ideen der Entwickler? 7. Eine Innovation gibt es dennoch Ein neuartiges Spiel wird auf der Games Convention zu sehen sein. Es heißt „Spore“ und wurde von Will Wright entwickelt, der mit „Die Sims“ nicht nur das erfolgreichste Spiel aller Zeiten geschaffen hat, sondern auch eines der ersten, das vor allem von Frauen gespielt wird. Was man bisher von „Spore“ gehört und gesehen hat klingt revolutionär. Das Spiel simuliert schlicht die gesamte Evolution. Der Spieler beginnt mit einem Einzeller in der Ursuppe und erschafft im Laufe des Spiels ganze Zivilisationen. 8. Kein neues Counterstrike in Sicht Ein klassisches Erfolgsgenre der Branche schwächelt weiter: Der 3D-Shooter für Netzwerkspiele. Zwar erscheinen immer wieder beeindruckende neue 3D-Ballerspiele, die Spieler treffen sich aber weiterhin zu „Counterstrike“-Matches. Und dieses Spiel ist immerhin schon mehr als fünf Jahre alt. Bei der schnellen Entwicklung der Technik ist das fast eine Ewigkeit. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht. Auch nicht auf der diesjährigen Games Convention.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Die Konsolen-Kontrahenten: Sony (links), Nintendo (oben rechts) und Microsoft (unten rechts) präsentierten auf der Games-Convention bereits ihre neuen Konsolen-Modelle. Fotos: dpa, ddp 9. Der Konsolenkrieg geht weiter Auch Nintendo und Sony sind auf der Messe und präsentieren ihre neuen Konsolen. Weil Sonys Playstation schon Ende des Jahres erscheinen soll, kann man erwarten, dass in Leipzig schon einiges mehr von den Fähigkeiten der neuen Maschinen zu sehen sein wird, als noch bei der E3 im Mai. Bisher ist der Stand im Kampf der Konsolen so: Sony setzt vor allem auf noch bessere und edlere Grafik, Nintendo auf ein neue Spielprinzip, bei dem der Controller dank Bewegungssensoren je nach Spiel einen Tennisschläger oder eine Angelrute simuliert, die man durch geschickte Armbewegungen steuert. 10. Pacman ist zurück Wer hätte gedacht, dass er jemals wiederkommt: Pacman, der lustige gelbe Kreis mit der ausgeschnittenen Ecke ist ungefähr so mit den uncoolen 1980ern verbunden wie MC Hammer oder Miami Vice. Aber Miami Vice kommt ja auch gerade wieder ins Kino, deshalb präsentiert Microsoft auf der Games Convention eine polierte Version von Pacman. Das Spielprinzip ist wie früher: Gelber Kreis frisst Punkte und weicht bunten Geistern aus. Bei diesem Retro-Inferno bleibt eigentlich nur eine Frage: Wann sehen wir MC Hammer wieder? ----- Mehr zum Thema auf jetzt.de und in der Süddeutschen Zeitung: >> ein historischer Abriss über die Geschichte des Spiels Pong. >>ein Gespräch mit dem Literaturwissenschaftler Wilfried Kaminsiki, der sagt: Videospile sind das Leitmedium der Gegenwart >> ein Interview mit dem Sims-Erfinder Will Right. >> eine Übersicht über die wichtigsten Fakten zum Konsolenkrieg. >> eine Übersicht über die aktuellen Pläne der Konsolen-Hersteller vor der Games Convention >> ein Interview mit David DeMartini, der für ElectronicArts den Filmklassiker "Der Pate" zu einem Videospiel machte. >> ein Fall für Zwei über die Rückkehr der Videospiel-Ikone Lara Croft >> ein Interview mit dem E-Games-Moderator Alexander Albrecht, dem Marcel Reif des CPU. >>ein Rückblick auf die Games Convention 2005

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