Den Studiengebühren vorbeugen: Ein Stipendium

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Die amerikanische Journalistin Michelle York recherchierte kürzlich für die New York Times im Rahmen eines Artikels über skurrile Stipendien in den Vereinigten Staaten. Dabei stolperte sie über Fördergelder für Linkshänder, Weinkenner und Namensvetter. Während bei uns hauptsächlich Noten und universitäre Gutachten zum Geldsegen führen, muss man an der University of California in San Diego lediglich ein jüdischer Waise sein, der Luftfahrttechnik studiert, um ausgesorgt zu haben. Wird man am renommierten Hamilton College aufgenommen und trägt zufällig den Namen Leavenworth, bekommt man automatisch Geld aus dem Leavenworth-Fond ausgezahlt. Verwandtschaft zum Stiftungsinitiator unabhängig - nur der Name zählt. Selbst als Krawallschachtel hat man Chancen auf Unterstützung: Michael Moore vergibt ganz im Sinne seiner polarisierenden Filme ein Stipendium im Wert von 20.000 $ an den Studenten, der nachweisbar seiner Uni-Verwaltung am meisten auf die Nerven geht. Bevor jetzt aber einer von euch loszieht und sein Sekretariat in Brand setzen will: Stopp! In Deutschland werden Stipendien immer noch ganz klassisch verteilt. Trotzdem gibt es immer wieder ein paar Schlupflöcher, die es sich zu finden lohnt. Da nun am 15. Januar wieder ein paar Bewerbungsfristen verstreichen, hier eine kleine Übersicht zur Taschengeldaufbesserung. 1. Universitäre Fördermöglichkeiten So ziemlich jede Uni verfügt über diverse Fonds für ihre eigenen Studenten, deshalb lohnt es sich, ab und an bei der netten Institutssekretärin vorbei zu schauen und nachzufragen. Auch die einzelnen Fachbereiche werden sowohl regional als auch bundesweit unterstützt. Studenten im naturwissenschaftlichen Bereich haben zum Beispiel bei der Fritz-ter-Meer-Stiftung die Möglichkeit bei guten Leistungen monatlich 125 € abzusahnen. 2. Parteinahe Stiftungen Fast alle deutschen Parteien unterhalten Stiftungen für besonders herausragende Studenten. Knackpunkt hierbei ist natürlich die politische Gesinnung, die durch rege ehrenamtliche Mitarbeit langfristig zur Schau gestellt werden muss – bei den einen mehr, bei den anderen weniger. Da gibt es die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung, die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung oder die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung. Einen großen Vorteil haben die parteinahen Stiftungen allemal: Sie sind selten fachbereichgebunden. 3. Kirchliche Stipendien Vor allem unsere beiden „großen“ Konfessionen zeigen sich spendabel. Das Evangelische Studienwerk e.V. unterstützt herausragende Studenten mit bis zu 525 € monatlich und das katholische Cusanuswerk wartet mit dem gleichen Betrag auf. Letzteres hat auch noch ein Zuckerl in Petto: In Zusammenarbeit mit der Diözese Rottenburg-Stuttgart vergibt es in diesem Jahr ein Stipendium für muslimische Journalistinnen. Na, fällt uns etwas auf? 4. Frauenförderung Ganz im Sinne von Alice Schwarzer existieren einige Verbände ausschließlich für Frauen – der Gleichberechtigung wegen. Während der Hildegardis-Verein e.V. zinslose Darlehen vergibt, sind die Stipendien des Deutschen Akademikerinnenbundes rückzahlungsfrei - dafür ist die Höhe aber auch nicht festgelegt. 5. Reisestipendien Sicher die schönste Form der Stipendien. Der kürzeste Weg zu dir selbst führt einmal um die Welt, wusste schon Richard Hoffmann. Gut, dass das auch ein paar Stiftungen wissen. Abgesehen von Erasmus und DAAD, die jeder kennt, stellt zum Beispiel die Heinz-Schwarzkopf-Stiftung 550 € für eine Reise zur Verfügung, die der europäischen Völkerverständigung dient. Dabei ist es völlig unwichtig, ob du gute oder schlechte Noten oder für wen du dich bei der letzten Wahl entschieden hast. Falls du dich jetzt nicht in einer der Personenbeschreibungen wiedergefunden hast, heißt das noch lange nicht, dass das Damoklesschwert „Studiengebühr“ auf dich niedersaust. Im Internet finden sich ausführliche Zusammenstellungen und nützliche Links zum Thema Stipendium bei stiftungsindex.de, unister.de oder studis-online.de. Linkshänderstipendien sind aber keine dabei.

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