Menschen, die „dem Internet“ kritisch bis ablehnend gegenüber stehen, glauben ja offenbar, dort wären nur Raubkopierer, Ersteller von Kinderpornographie, bärtige Terroristen und anonyme Mobber unterwegs, und fordern deshalb so seltsame Dinge wie Netzsperren, Klarnamen-Pflicht oder Vorratsdatenspeicherung. Diese Menschen konnte man bisher nicht mit rationalen Argumenten (E-Mails sind schneller als Briefe, Nachrichtenwebsites haben nicht um 18 Uhr Redaktionsschluss, in Böblingen wissen, was in Brooklyn passiert) von der Tolligkeit des Netzes überzeugen. Also muss man es wohl über die emotionale Schiene versuchen:

Hier wird nicht nur gehatet, getrollt, geshitstormt und das nächste Selbstmordattentat geplant. Das Netz kann auch anders. Das Netz kann Flausch.

Flausch steht für die weichspülerkuschelige Seite des Internet, was sich ja schon anhand der Erklärung des Dudens zum Flausch erahnen lässt: Bei Flausch handelt es sich, so heißt es beim Duden, um einen dicken, weichen Wollstoff mit gerauter Oberfläche. (Der Plural übrigens – und wer hätte gedacht, dass es einen Plural gibt! – lautet: die Flausche) Der Begriff stammt ab von dem Niederdeutschen vlūs(ch), was Wollbüsche oder Schaffell bedeutete und ursprünglich mal ausgerupfte Wolle oder Feder. Allerdings scheint Flausch kein besonders verbreitetes Substantiv darzustellen, auf der Duden-Häufigkeitsskala bekommt er nämlich nur einen von fünf möglichen Strichen.

Im Netz dagegen ist der Flausch allgegenwärtig. Es ist schwierig zu rekonstruieren, wo die Karriere des Flausch begonnen hat. Vermutlich als tierartflexibler Überbegriff für Cat Content, als Internetmenschen sich zwischenzeitlich mal an schnurrenden Kittys satt gesehen hatten und zu Kaninchen, Pinguinen und Robben geswitcht waren. Stefan Niggemeier etwa versammelt schon seit einiger Zeit regelmäßig den "Flausch am Sonntag", Happy Schnitzel pflegt ein Fotoalbum mit "Daily Flausch" (leider nicht daily).

Zu den netzaffinen Menschen zählen bekanntermaßen auch die Piraten, die - Achtung, Seeräubermetapher - den Begriff Flausch für ihre Zwecke gekapert haben. In der Partei ist Flausch zu einer herzlichen Grußformel, einer "virtuellen Umarmung" avanciert, wie ein Tagesthemen-Reporter einem Saar-Piraten entlocken konnte (Video ab Minute 1:46).

Flausch ist grundlegend für die Partei geworden, es gibt sogar eine eigene Ex-Oberpiratin Marina Weisband ist über all die Flauschigkeit hoch erfreut, wie sie vor Kurzem der  Doch nicht nur die Piraten hashtaggen flauschig durch die Gegend. Ständig liest man inzwischen 140 Zeichen Instant-Weltfrieden und Glücksseligkeit auf Twitter. Manchmal ist die Lösung eben doch ganz einfach, wenn alles doof scheint, wie dieser Tweet belegt: „Stellt euch einfach vor die Regenwolken wären Fläusche <3“

Was also dem Kindergarten die Kuschelecke und dem Leben der Ponyhof, das ist der Flausch fürs Netz. Fluffig und lieb und rosa ist es da, aber irgendwie auch ziemlich langweilig, so dass man vor lauter Harmonie am liebsten sofort einen kleinen Shitstorm starten möchte. Dabei würde man aber immer aggressiver ob all der Flauschigkeit, die einem als Reaktion entgegenwattet in Flauschlandia. Zudem gibt es Dinge, die kann man nicht einfach unter einer Ladung Flausch begraben, sondern auf die man zwingend mit allem aufzubringenden Widerstand reagieren muss: Nazis, Klimawandel, Rosenkohl.

Als generelles Prinzip für die Bewältigung der Ärgernisse des digitalen und des analogen Lebens taugt Flausch also nicht. Allerdings: Mehr Bällebäder für dieses Land, nicht nur auf Piratenparteitagen und bei IKEA, sondern auch in Großraumbüros, Wartezimmern und Finanzämtern: Ja, das wäre schon schön.

Flausch ist grundlegend für die Partei geworden, es gibt sogar eine eigene Ex-Oberpiratin Marina Weisband ist über all die Flauschigkeit hoch erfreut, wie sie vor Kurzem der  Doch nicht nur die Piraten hashtaggen flauschig durch die Gegend. Ständig liest man inzwischen 140 Zeichen Instant-Weltfrieden und Glücksseligkeit auf Twitter. Manchmal ist die Lösung eben doch ganz einfach, wenn alles doof scheint, wie dieser Tweet belegt: „Stellt euch einfach vor die Regenwolken wären Fläusche <3“

 

Was also dem Kindergarten die Kuschelecke und dem Leben der Ponyhof, das ist der Flausch fürs Netz. Fluffig und lieb und rosa ist es da, aber irgendwie auch ziemlich langweilig, so dass man vor lauter Harmonie am liebsten sofort einen kleinen Shitstorm starten möchte. Dabei würde man aber immer aggressiver ob all der Flauschigkeit, die einem als Reaktion entgegenwattet in Flauschlandia. Zudem gibt es Dinge, die kann man nicht einfach unter einer Ladung Flausch begraben, sondern auf die man zwingend mit allem aufzubringenden Widerstand reagieren muss: Nazis, Klimawandel, Rosenkohl.

 

Als generelles Prinzip für die Bewältigung der Ärgernisse des digitalen und des analogen Lebens taugt Flausch also nicht. Allerdings: Mehr Bällebäder für dieses Land, nicht nur auf Piratenparteitagen und bei IKEA, sondern auch in Großraumbüros, Wartezimmern und Finanzämtern: Ja, das wäre schon schön.