Der Ball, der Licht macht

Zwei Harvardstudentinnen haben einen Fußball entwickelt, an den man nach dem Spielen eine Lampe stecken kann - oder sogar einen Kühlschrank.
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Wenn die beiden Harvard-Absolventinnen Julia Silverman und Jessica Matthews auf ihren Reisen durch den afrikanischen Kontinent in die Townships von Südafrika oder in entlegene Dörfer in Nigeria kommen, lösen sie Begeisterung aus. "Jedes Mal spielt sich die gleiche Szene ab und immer ist es genauso toll wie beim ersten Mal", sagt Julia. Die beiden 23-Jährigen haben einen Fußball im Gepäck. Schon das alleine würde reichen, um vor allem die Kinder zu begeistern. Aber der Ball ist kein gewöhnlicher und er hat einen Namen: Beim Soccket handelt es sich um einen Fußball, der während des Spiels die Bewegungsenergie speichert. Nachher gibt er sie wieder ab: Mit dem Soccket können zum Beispiel LED-Leuchten betrieben werden. 30 Minuten Fußballspiel reichen für drei Stunden Licht.

Geboren wurde die Idee vor drei Jahren in einem Seminar an der Harvard University in den USA. Jessica studierte Psychologie und Wirtschaft, Julia Sozialanthropologie und Wirtschaft. Zusammen mit zwei weiteren Studentinnen tüftelten sie an der Konzeption eines Mini-Generators in einem Fußball - er sollte während des Spiels Strom erzeugen. Mehrere Ingenieure zweifelten. Sie glaubten, es könne nicht genug Energie gespeichert werden, um sie zu nutzen.

Der Soccket im Spiel.

Julia und Jessica ließen sich nicht entmutigen. Sie glaubten an die Idee und machten aus der Praxisübung an der Universität ein echtes Vorhaben: Gemeinsam gründeten sie die Firma "Uncharted Play", was übersetzt so viel heißt wie unbekanntes oder unerforschtes Spiel. Mit Unterstützung von Mitarbeitern entwickelten sie den Ball weiter. Zeitweise baute das Team täglich einen neuen, veränderten Ball. Teile wurden umgearbeitet, das Material ausgetauscht, die Elektronik verbessert. "Diese ganzen Schritte haben uns wirklich auf Trab gehalten", erzählt Julia. Irgendwann funktionierte es: Wenn der Ball rollt, bewegen sich in seinem Innern Spulen in einem Magnetfeld. Durch die Bewegung entstehen elektrische Ströme. Diese Energie wird in einem Akku gespeichert und kann später für kleine Elektrogeräte eingesetzt werden. Insgesamt kann in dem Ball soviel Energie gespeichert werden, wie benötigt wird, um eine LED-Lampe 24 Stunden zu betreiben.

Mit einem Anschluss ähnlich dem einer Kopfhörerbuchse können die Lampe oder andere Endgeräte mit dem Ball verbunden werden. (Auch Wasserreiniger oder kleine Ventilatoren sollen damit betrieben werden können.) Darüber hinaus arbeitet das Team gerade an einem Mini-Kühlschrank zum Kühlen von Medikamenten, der Soccket-kompatibel ist.

Ein Blick ins Innenleben.

Im Einsatz.

Julia und Jessica lassen den Ball mittlerweile industriell herstellen, die Idee ist patentiert. Den beiden Erfinderinnen liegt viel daran, die Kombination von "Fun" und "Function", wie sie es nennen, zu verdeutlichen. Überall auf der Welt werde Fußball gespielt. Auch wenn der Soccket die Welt nicht verändere, sagen sie, werde bei näherem Betrachten deutlich, welches Potenzial der Ball habe: Weltweit lebten 1,6 Milliarden Menschen ohne Strom, sie alle könnten vom Soccket profitieren. Außerdem sollen die LED-Lampen, die mit den Soccket-Bällen verteilt werden, anstelle von gesundheits- und umweltschädlichen Kerosinlampen eingesetzt werden. Jedes Jahr sterben weltweit zigtausend Menschen an Atemwegskrankheiten, die durch den Qualm von Kerosinlampen hervorgerufen werden. Das Team von "Uncharted Play" rechnet vor, dass eine einzige Kerosinlampe genauso schädlich ist wie 40 an einem Tag gerauchte Zigaretten.

Jessica (links) und Julia

Für den Einzelverkauf in Industrieländern ist der Ball zurzeit nicht gedacht. Aber für 75 US-Dollar kann man auf soccket.com einen Ball inklusive LED-Lampe an ein bedürftiges Kind spenden. Vor allem Firmen und Wohltätigkeitsorganisationen machen zurzeit von der Option Gebrauch: In den kommenden Wochen werden zum Beispiel 3000 Socckets in bedürftigen Gemeinden in Mexiko, El Salvador, Costa Rica, Haiti und Südafrika verteilt.
 
Die Idee mit dem Ball findet in der Zwischenzeit auch prominente Anhänger. Der frühere amerikanische Präsident Bill Clinton ist vom Soccket begeistert. Und auch der spanische Sänger Huecco will das Projekt vorantreiben. Er hat sein Album "Dame Vida" dem Steckdosenball gewidmet und will vom Erlös so viele Socckets wie nur möglich spenden. Für das Video seiner aktuellen Single hat er deshalb berühmte Sportler zusammengetrommelt. Unter anderem kicken die FC Bayern-Spieler Philipp Lahm und Thomas Müller in dem Video mit einem Soccket und machen ganz nebenbei Werbung. Damit bei so vielen Menschen wie möglich nach dem Spiel ein Licht angeht.


Text: dorothee-klee - Victor Angel, Screenshots, Jennifer Matchett

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