Der Emo-Rechner

Computer haben keine Gefühle, aber bald können sie wohl die Emotionen ihrer Benutzer erkennen und interpretieren und auch darauf reagieren.
michael-moorstedt

Computer haben keine Gefühle, aber bald können sie wohl die Emotionen ihrer Benutzer erkennen und interpretieren und auch darauf reagieren. Nachdem man ihnen schon Augen und Ohren (also Kameras und Mikrofone) gegeben hat, bekommen sie jetzt auch Sensibilität in Form eines Spezialhandschuhs. Forscher des Fraunhofer Instituts für graphische Datenverarbeitung in Rostock stellten sich die Frage, wie der Computer vom Gemütszustand seines Benutzers erfahren kann. Emotionen äußern sich in körperlichen Vorgängen. Nervöses Fingergeklimper oder skeptische Stirnrunzeln, zeugen von Verwirrung oder Ärger und können mit einer Kamera ausgewertet werden. Herz- und Atemfrequenz, Blutdruck, Hauttemperatur und -widerstand sind dagegen subtilere Faktoren. „Wir haben einen Handschuh entwickelt, der solche Parameter mit geeigneten Sensoren misst“, erklärt Christian Peter von der Abteilung Human-Centered Interaction Technologies in Rostock. „Ein zugehöriges Gerät wertet sie aus und speichert sie ab. Darüberhinaus arbeiten wir an Techniken, mit denen Mimik erkannt werden kann oder mit deren Hilfe wir emotionsbezogene Merkmale aus Sprachsignalen extrahieren.“ So soll sich der Rechenknecht auf die Gefühlslage seines menschlichen Gegenübers einstellen können. Das ist womöglich auch ganz gut: Denn so genannte „Technology related Aggression“ ist zu einem weit verbreiteten Phänomen geworden. Man ärgert sich über die kaputte Rolltreppe, verflucht den Geldautomaten, wenn er nichts ausspuckt oder das Auto, wenn es nicht anspringt. Oder schlägt eben den Computer. Die Soziologin Marleen Brinks hat in einer Studie gezeigt, dass der Computer-Frust hohe Wellen schlägt: Über zwei Drittel der Befragten gaben an, gegenüber ihrem PC schon mal laut geworden zu sein. Immerhin 30 Prozent sagten, sie hätten schon mal nach der Maus geschlagen. Diese Gefühlsausbrüche führen Fachleuten zufolge auch zu Schäden nicht nur für den PC, sondern auch für die Volkswirtschaft - und spätestens dann besteht für die meisten Handlungsbedarf. Brinks zufolge sind die Verheerungen unter den Computern nicht unerheblich: „Hochgerechnet auf alle 18 Millionen Bildschirmarbeitsplätze in Deutschland schätze ich, dass die Schäden sich in mehrfacher Milliardenhöhe bewegen.“ Eine Verbesserung der Beziehungen scheint also längst überfällig zu sein. Der herkömmliche PC-Benutzer muss sich bis zur Markteinführung des Emo-Handschuhs jedoch noch einige Zeit gedulden. Anwendung finden soll das Gerät vorerst nur in Berufen mit hohem Stresspotential, etwa bei Fluglotsen.

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