Der Mann, der Woodstock gerettet hat

Elliot Tiber hat in der Geschichte des wichtigsten Rockfestivals eine nicht unerhebliche Rolle gespielt. Jetzt ist seine Autobiografie auf Deutsch erschienen, pünktlich zum Film zum Buch.
christina-waechter

Elliot Tibers Leben ist gerade um einige Zacken komplizierter geworden: Obwohl er sich mit Ende Zwanzig eigentlich längst von seiner dominanten russisch-jüdischen Mutter und dem schweigsamen Vater mit der harten Hand hätte abnabeln müssen, lässt er sich vor lauter schlechtem Gewissen zum hundertsten Mal darauf ein, ihnen zur Hilfe zu eilen. Den Eltern steht das Wasser nämlich bis zum Halse. In den Catskill Mountains, da, wo bis vor kurzem das jüdische New York seine Sommerfrische verbrachte – und so natürlich auch die Tibers – haben sie sich niedergelassen mit dem Plan, das größte und profitabelste Motel am Platz zu werden. Dabei haben sie nur eine Kleinigkeit übersehen: die Zeit der Catskill Mountains ist genau in dem Moment vorbei, als sie den Scheck für das marode Gebäude ausgestellt haben.

Dabei ist es ja nicht so, als hätte Elliot kein Leben. Neben seinem Job als Innenausstatter bei einem großen New Yorker Kaufhaus wird er zum liebsten Innen-Architekt der New Yorker High Society. Er ist mit einigen der größten Künstler seiner Zeit befreundet – Mark Rothko, Truman Capote und Tennessee Williams. Und nebenbei findet er in langen New Yorker Nächten heraus, seine Homosexualität zu leben, die er lange genug unterdrückt hat. Doch von nun an geht es pünktlich zum Wochenende hinaus nach White Lake in die Baracke, die seine Eltern als Motel führen und den Versuch zu unternehmen, die ganze Familie vor dem finanziellen Ruin zu retten – mal mit Vernunft, mal mit spinnerten Ideen, wie Theater-Performances oder Rock-Konzerte. Und just, als Elliot nun wirklich sämtliche Ideen ausgegangen sind, liest er in der Zeitung von einer Gruppe junger Männer, die unbedingt einen Veranstaltungsort für ein Musikfestival suchen, das eigentlich mal in Woodstock hätte stattfinden sollen. Zufällig hat Elliot sich gerade selbst die Genehmigung für ein Festival ausgestellt. Und dann geht die Geschichte erst richtig los. Elliot Tiber ist der Mann, dessen „Woodstock“-Erlebnisse von Ang Lee verfilmt gerade im Kino laufen. Der Film basiert auf Tibers Memoiren „Taking Woodstock“, die vor zwei Jahren erschienen sind und jetzt auf Deutsch erhältlich sind. Und eigentlich ist es richtig schade, dass vor lauter Woodstock-Übersättigung und Film-Geschaue dieses Buch vermutlich nicht ganz die Aufmerksamkeit erhalten wird, die es eigentlich verdient. „Taking Woodstock“ ist kein weltbewegender Roman, aber es ist die herzzerreißende Geschichte eines jungen Mannes, der versucht, sein Leben auf die Reihe zu kriegen. Und nebenher das wichtigste Festival aller Zeiten auf den Weg bringt. „Taking Woodstock“ von Elliot Tiber mit Tom Monte ist im Edel Rockbuch-Verlag erschienen und kostet 19,95 Euro.

  • teilen
  • schließen