Der virtuelle Reiseführer (1): Second Life

Fernreisen sind ein tolles Hobby. Leider sind sie auch teuer, zeitaufwändig und aus ökologisch-moralischen Gründen eigentlich nicht mehr zu verantworten. Das heißt aber nicht, dass man während der Winterferien ohne Reisen auskommen muss. Schließlich wartet in den endlosen Weiten des Internets eine ganze Reihe von 3-D-Welten, die sich für einen kurze ferne Reise anbieten: Mittelalterliche Berglandschaften, tropische Inseln, Cartoon-Hotels und fremde Planeten. jetzt.de hat einige der virtuellen Urlaubsziele besucht und einen Reiseführer zusammen gestellt. Das erste Kapitel unseres „Virtual Lonely Planet“ ist das bekannte Metaversum „Second Life“, das Rimini des Cyberspace.
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Hauptstadt: „Second Life“ ist kein Zentralstaat wie das absolutistische Frankreich. Die virtuelle Welt ist auf mehr als 3000 Servern in Kalifornien abgespeichert, dem „grid“. In „Second Life“ gibt es mehr als 20 000 Inseln und so genannte „Sims“, auf denen die Einwohner ohne staatliche Subventionen und Bauauflagen ihre eigenen Siedlungen anlegen. Die größten Siedlungen haben einige Hundert Residents. Trotzdem kann man in „Second Life“ auch eine Hauptstadt besuchen: zum Beispiel einen Nachbau von Washington oder Dublin.

Einwohnerzahl Die Bevölkerung von „Second Life“ wächst rasant. Im Oktober 2006 wurde der Millionste Einwohner begrüßt, zwei Monate später hatte „Second Life“ bereits zwei Millionen Bürger. Seriöse Statistiken gehen jedoch davon aus, dass nur ein Drittel der angemeldeten Bürger auch regelmäßig dort wohnen. Währung Die Landeswährung heißt „LindenDollars“ (abgekürzt L$ oder auch Lindens). Auf der Webseite der Staatsbehörde „Linden Labs“ kann man Dollar gegen L$ handeln. Der gegenwärtige Wechselkurs beträgt 250 L$ für einen US$. Vor einigen Monaten betrug der Kurs noch 350 zu 1. Ein T-Shirt kriegt man ab 100 L$. Anreise Reisende benötigen keinen Pass oder Visa-Dokumente. Einfach im Browser die Adresse Secondlife.com eingeben, die kostenlose Software herunter laden und ein Benutzerkonto anlegen. Richtig angekommen ist man jedoch erst, wenn man per Kreditkarte einige L$ und ein Stück Land erworben hat. Jede Reise nach „Second Life“ beginnt auf der Orientation Island, einer tropischen Insel, auf der einen freundliche Einheimische in Landessitten und Tastenbelegung einweihen. In der „Welcome Area“ fühlt man sich dann schnell wie ein Pauschaltourist in Kalkutta: Straßenhändler, Zuhälter und Gepäckträger streiten um die Aufmerksamkeit der Neuankömmlinge.

Das nehme ich mit In Second Life bewegt man sich durch Beamen oder Fliegen vorwärts. Es gibt keine Gravitationskraft oder andere Grenzen des RZK. Deshalb ist natürlich auch das Gepäck nicht sonderlich schwer. Alle Kleidungsstücke, Gegenstände und Animationsskripte sind im Hintergrund in der Inventar-Menüliste vorhanden. Das wichtigste Gut ist die Orientierung. Wer sich nicht verlaufen will, benutzt neben der Standardkarte auch Blogs, Linklisten und SL-Magazine wie den Metaverse Messenger oder den Avatastar aus dem Springer-Verlag. Health Conditions „Second Life“ hat unendlich viele Klimazonen. Schneebedeckte Berge und tropische Inseln liegen oft eng nebeneinander. Man braucht jedoch im luftleeren Raum des Internets Klimaschock, Jetlag und Infektionen nicht zu fürchten. Der Avatar kann nur krank werden, wenn es der Spieler auch will. Uns selbst wenn man gewaltsam zu Tode kommt, ist das nicht so schlimm. Die Spielfigur wird einfach nur zur Home Base zurück geschickt. Bei Heavy Usern, die täglich eine zehn Stunden dauernde Online-Session abhalten, sind Augenschäden, Mangelernährung und Haltungsschäden natürlich nicht ausgeschlossen. Typische Begrüßung „Ahoi.“ Oder auch: „Who are you?” Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, die du während deiner Second Life-Reise besuchen musst, lernst auf der nächsten Seite kennen. Dort erfährst du auch, welche Kleidung du auf deiner Reise tragen solltest.


Die besten Sehenswürdigkeiten Nakama: Animee-Country im Schnelldurchlauf. Die verschiedenen Gebiete dieser Insel sind jeweils im Stil eines japanischen Animations-Genres gehalten. Akira meets Pokemon. Wengen: Dieser „Sim“ ist vor allem zurzeit ein empfehlenswertes Reiseziel. Während im echten Leben der Schnee ausbleibt, kann man in dem virtuellen Nachbau des legendären Schweizer Skiorts bereits unbekümmert powdern – und schädigt nicht einmal die kostbaren Bergwiesen. The Port: Hier handelt es sich nicht um einen Hafen, sondern eine Freiluft-Kunstausstellung. In der dreidimensionalen Online-Galerie kann jeder Künstler seine abstrakten Skulpturen und interaktiven Kunstwerke ausstellen. Viele Hundert Werke machen den Ort zu einer kuriosen Mischung aus Schrottplatz und Louvre. Avalon Island: Einer der schönsten Orte in Second Life. Zwischen der mystischen Architektur mit vielen Türmen, Erkern und Skulpturen verstecken sich unter anderem Einkaufszentren, verschiedene Real-World-Firmen und „das beste Kino von Second Life“. Das sagt der Neuankömmling „Wo finde ich hier einen Job?“ - Noobs oder Newbies erkennt man an der Standard-Bekleidung: Jeans und T-Shirt. Wer nicht auffallen will, sollte sich schleunigst etwas Auffälligeres anziehen. Das sagt der Ureinwohner “Damn, this ass server is having some issues again"

Bestes Souvenier In “Second Life” gibt es unendlich viele Boutiquen, Malls und Straßenmärkte. Eines der ältesten Einkaufszentren ist die Midnight City in der man Kreationen berühmter Fashion-Designer wie etwa Torrid Midnight kaufen kann. Unterwäsche von Launa Fauna gibt es dort bereits ab L$150. In der offiziellen Boutique kann man sich einen Überblick über das Warenangebot verschaffen. Kleidung und Juwelen kriegt man auch im echten Leben nachgeworfen. Warum also nicht etwas Ungewöhnliches erstehen, wie etwa U-Boote oder Hoovercrafts von

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