Deutschland ist Kulturhauptstadt - vier Buchtipps zum Ruhrgebiet

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Aufregung in Essen: An diesem Wochenende soll mit einem großen Kulturfest das Ruhr 2010 genannte Jahr der Kulturhauptstadt Essen (Ruhrgebiet) eröffnet werden. Und was passiert im Ruhrgebiet? Es schneit. Deshalb ist auf der Website vermeintlich Beruhigendes zu lesen: Für den Fall eines Jahrhundert-Schneesturms kündigen die Organisatoren einen "Notfallplan" an, geben sich aber selbstbewusst, Festakt und Kulturfest "wie geplant durchzuführen". Außerdem wird der ehemalige WDR-Intendant und heutige Vorsitzender de Geschäftsführung von Ruhr 2010, Fritz Pleitgen, mit den Worten zitiert: "Die Vorbereitungen laufen bei uns planmäßig weiter."

Für alle, die die Wettersituation an der Ruhr nicht durch einen Blick aus dem Fenster einschätzen können (weil sie nicht dort wohnen), hat man eine so genannte Twitterwall eingerichtet (Hashtag #Ruhr2010) und verspricht, regelmäßig auf der Website über den Ablauf zu informieren.

Völlig unabhängig von den klimatischen Bedingung in der Kulturhauptstadt des Jahres 2010 werden zahlreiche Medien in den kommenden Monaten den Blick aufs Ruhrgebiet richten. Es lohnt sich also, vorbereitet zu sein.

Deshalb hat jetzt.de die zahlreichen Bücher, die in diesen Tagen übers Ruhrgebiet veröffentlicht werden, gesichtet und liefert hier vier Lese-Tipps für das Jahr der Kulturhauptstadt 2010 (in aufsteigender Reihenfolge):

4. Asterix: Zoff im Pott

Worum geht's? Um die Geschichte aus dem Asterix-Band Streit um Asterix. Aber der Inhalt dieses 15. Bandes aus dem Jahr 1973 ist eigentlich egal. Viel wichtiger ist das, was Menschen, die nicht im Ruhrgebiet wohnen, Mundart nennen.

Wer hat's geschrieben? Das Original stammt natürlich von René Goscinny und Albert Uderzo. Die Ruhrdeutsch-Übersetzer Claus Sprick und Reinhard Stratenwerth kamen an diesen Job angeblich über einen Wettbewerb der lokalen Zeitung WAZ.

Wer soll es lesen? Auf keinen Fall Asterix-Fans. Eher Menschen, die sich für die Besonderheiten der Sprache zwischen Duisburg und Dortmund interessieren.

Bester Satz: "Ne unbeuchsame Kollenie von krabitzige Galliers stellt sich quer im Römerpott."

Was ist daran so toll? Nichts. So reden die halt.

Der Asterix-Band Zoff im Pott ist schon länger auf dem Markt und kostet 10 Euro.

3. Ben Redelings: Dem Fußball sein Zuhause

Worum geht's? Ums "Pöhlen, Pils und Pokale entlang der B1" (so der Untertitel). Dazu muss man wissen, dass die B1 (Ruhrschleichweg) der wichtigste Verkehrsweg quer durchs Ruhrgebiet ist und man hier von Pöhlen spricht, wenn man Fußball meint.

Wer hat's geschrieben? Der VfL-Bochum-Fan und Blogger Ben Redelings.

Wer soll es lesen? Menschen, die sich für Fußball interessieren. 

Bester Satz: "Ab heute bin ich lieber Fan von Borussia Dortmund - wie all die anderen Jungs im Kindergarten!" Mit diesem Satz beendet der kleine Dieter in dem Auszug, den Redelings zum Start des Kulturhauptstadt-Jahres veröffentlicht hat, seine Sympathie für den FC Schalke. Die Jungs im Kindergarten hatten ihn aus der Kloschüssel trinken lassen ....

Was ist daran so toll? Aus der Kindergarten-Kloschüssel trinken zu müssen, ist vermutlich gar nicht toll. In "Dem Fußball sein Zuhause" lesen zu dürfen ist toll, weil es voll ist von solchen kleinen Geschichten rund um den Fußball (übrigens nicht nur aus dem Ruhrgebiet).

Dem Fußball sein Zuhause ist im Werkstatt-Verlag erschienen und kostet 9,90 Euro.

Auf der nächsten Seite der Beweis, dass das Ruhrgebiet nicht nur für Freunde von Pils und Fußball interessant ist.

2. Thomas Ernst, Florian Neuner: Ruhrgebiet

 

Worum geht's? Um "höchst attraktive, bislang kaum wahrgenommene literarische Landschaften" abseits des "sentimentalen Schrebergarten- und Steinkohleblicks der Heimatforscher". So beschreiben es jedenfalls die Herausgeber in ihrem Nachwort, das sie mit der Aufforderung schließen, Dosenbiertrinkenden Jugendlichen einfach eine Lieblingsstelle aus dem 270seitigen kleinen Buch vorzulesen. Sie haben vermutlich recht, wenn sie prophezeien: "Das wird Ihnen eine unvergessliche Entdeckung des Ruhrgebiets bescheren."

 

Wer hat's geschrieben? Der Schriftsteller Florian Neuner und der Literaturwissenschaftler Thomas Ernst.

 

Wer soll es lesen? Alle, die kulturbeflissen in die Kulturhauptstadt reisen - es wird sie ihrer Klischees berauben.

 

Bester Satz: So wahr es ist, dass ein jegliches in der Natur als schön kann aufgefasst werden, so wahr das Urteil, die Landschaft der Toscana sei schöner als die Umgebung von Gelsenkirchen. (Theodor W. Adorno)

 

Was ist daran so toll? Das Büchlein versammelt so viele tolle kleine Geschichten und Entdeckungen - sie reichen für ein ganzes Jahr.

 

Die Anthologie Ruhrgebiet ist im Wieser-Verlag erschienen und kostet 12,95 Euro.

 

Der wichtigste Grund fürs Ruhrgebiet 2010: der Humor. Das beste Beispiel dafür auf der nächsten Seite.

 

 

1. Frank Goosen: Radio Heimat

 

Worum geht's? Darum, den Begriff der Schönheit zu erweitern. So jedenfalls beschreibt Goosen die Idee vieler Ruhrgebietsmenschen, Auswärtige einzuladen. Goosen tut das auch. Nur dass dafür niemand reisen muss. Der Begriff der Schönheit wird in zahlreichen herausragenden Kolumnen-Texten erweitert.

 

Wer hat's geschrieben? Der "Liegen lernen"-Erfinder Frank Goosen.

 

Wer soll es lesen? Jeder!

 

Bester Satz: "Na? Willz au rübba?" Mit diesem Satz versucht ein älterer Herr aus einem der Texte einen Gesprächseinstieg - an einer roten Ampel stehend.

 

Was ist daran so toll? Es sind kurze, einfache Geschichte, die nicht nur den eigenen Humor der Region transportieren, sondern auch alles erklären, was man wissen muss über die Kulturhauptstadt 2010.

 

Radio Heimat erscheint dieser Tage im Eichborn-Verlag und kostet 14,95 Euro.

 
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