Nächstes Wochenende startet Berlins erstes Storytelling-Wochenende, das "Wunderland-Festival". Im ersten Anlauf steht das Festival im Zeichen des Grimm-Jahres, unter anderem wird am Samstag auf dem Twitter-Kanal @daswildedutzend ein 24-Stunden-Märchen erzählt. Vorab baten darum, unter dem Hashtag #tf140 (Tiny Fables) schonmal mit der Märchenstunde anzufangen - reduziert auf 140 Zeichen. Der beste Tweet wird am Samstag auf dem Festival gekürt. Veranstalterin Dorothea Martin präsentiert auf jetzt.de bereits heute ihre Favoriten.




Das tapfere Schneiderlein


Dorothea Martin: Anfangs gab es noch viele klassische Tweets, die sich direkt an die Aufgabenstellung - ein Märchen in 140 Zeichen abzüglich Hashtag - gehalten haben. Der Netzhumor hat dann aber schnell überhand gewonnen".

Schneewittchen


Dorothea Martin: Dieser Tweet ist einer meiner persönlichen Favoriten. Da wird ein Märchen mit Netzhumor kombiniert - das hatten wir recht oft bei den mehr als 450 Tweets bisher, aber dieses Beispiel ist besonders geglückt.

Rotkäppchen


Dorothea Martin: Am besten funktionieren Tweets, die allseits bekannte Märchenzitate verwenden. Da ist dann trotz der wenigen Zeichen direkt klar, um was es geht. Rumpelstilzchen mit seinem "Heute back ich, morgen brau ich, übermorgen hol ich der Königin ihr Kind" bietet sich dafür zum Beispiel auch an. Wibke Ladwig hat das beispielsweise aufgegriffen und hat daraus "Heute tweet' ich, morgen blogg' ich und übermorgen trolle ich der Königin ihr Kind" gemacht. Andere haben daraufhin Rumpelstilzchen als den ersten Troll der Geschichte betitelt.

Der Fischer und seine Frau


Dorothea Martin: Diese queere Version von "der Fischer und seine Frau" hat mich besonders überzeugt. Es waren bei #tf140 übrigens nicht nur Grimm-Märchen erlaubt. Insgesamt denke ich aber, die Grimm'schen Märchen sind einfach bekannter und deshalb auch leichter auf 140 Zeichen zu reduzieren, als andere.

Hänsel und Gretel / Der Froschkönig




Dorothea Martin: Patrick Möller und Katrin Hilger haben in ihren Tweets einen Kontext zwischen Märchen und Jetzt-Zeit hergestellt. Dafür benutzen sie das Prinzip, für das auch die Tiny Tales von Florian Meimberg 2010 den Grimme Online Award gewonnen haben: Der letzte Satz bricht das vorher Geschriebene komplett auf. Florian Meimberg wird dann am Samstag gemeinsam mit Jan Uwe-Fitz und mir in der Jury sitzen und über den besten Tweet entscheiden. Retweets und Favorisierungen zählen dabei natürlich auch.



Text: charlotte-haunhorst - Foto: pencake / photocase.com