Die Demokraten haben Obama. Und die Republikaner? Bobby Jindal

Er ist 37, hat indische Eltern und seinen Namen aus einer TV-Serie: Bobby Jindal ist der Gouverneur von Louisiana und die Hoffnung der Republikaner. Und vielleicht auch gute Konkurrenz für Obama
peter-wagner

Bobby heißt eigentlich Piyush und war schon mit 25 Jahren der Gesundheitsminister im US-Bundesstaat Louisiana. Seit 2007 ist er dort sogar Gouverneur und die Sache mit Hurrican Gustav vergangenen August (erste Bewährungsprobe), die habe er richtig gut gemanagt, murmeln die Journalisten, die ihn bei der Arbeit beobachten durften. Der könnte was werden, raunten sie. Bobby Jindal passiert nun, was im Moment vielen widerfährt, die sich einigermaßen geradeaus durch die Politik bewegen. Er wird mit dem Mann verglichen, der eben in sein Amt geschworen wurde, mit Barack Obama. Jindal ist gegen Abtreibung und Forschung an embryonalen Stammzellen. Er ist für die chemische Kastration der Täter nach bestimmten Sexualstraftaten. Er wurde vom Hinduist zum Katholik und redet dem Prinzip Familie tausend Lobeshymnen. Er ist die große Hoffnung der Republikaner. Warum? Vergangenen Herbst wollte ein Großteil der wahlberechtigten Amis weder jemanden wählen, dessen Selbstverständnis sich vor allem aus seiner Zeit als Kriegsgefangener speist, noch jemanden, der das Leben im geografischen Abseits Alaskas als Grund für die eigene Wählbarkeit betont. Viele Republikaner hat das Wahlergebnis deshalb nicht besonders getroffen, „war klar“, plauderten sie am Abend des 4. November in die Mikrofone. Das "Konservative" in den USA war erstmal in der Tonne. Anfang der 80er war das anders, da wollte Ronald Reagan, Schauspieler und Republikaner, sein Land als Präsident aufmöbeln. Er warb für Schulgebete, Rückzug des Staates aus der Wirtschaft und hartes Vorgehen gegen Kriminelle. Heute gibt es Menschen, die mit Reagan so was wie eine „konservative Revolution“ verbinden. Die nachfolgenden Republikaner-Präsidenten - der eine hieß Bush, der andere Bush -, sie brauchten den Kredit auf, den Reagan in der Bevölkerung angehäuft hatte. Also sitzen die Republikaner seit November in ihren Think Tanks und überlegen über einen Aufbruch. Sie suchen das „New Face“ der Partei und finden es in Bobby Jindal. Vielleicht, weil man ihn gern im Fernsehen sieht, weil er eloquent und zugänglich und gescheit zu sein scheint. Schon 24 Stunden nach der versauten Wahl am 4. November gab er auf "Fox" ein Interview, in dem er verlangte, die Republikaner sollten eine Partei der „Big Ideas“ werden. In Jay Lenos Tonight-Show musste ihm der Gastgeber nur kurz mit einer kleinen Frage antippen und heraus sprudelte ganz Obama-like die Lebensgeschichte eines Menschen, der sich aus allereinfachsten Verhältnissen nach oben gefräst hat. Was freilich nur in Amerika so möglich sei, so Jindal. Und wofür er natürlich sehr dankbar sei, wie er

betont. So selbstbezogen redet Obama auch gern. Aber deswegen ist Herr Jindal keine bloße Kopie. Bobby kam in die USA und sog das gute alte Amerika tiefer ein als Obama. Er verlor sogar seinen Namen Piyush, weil er sich als Kind in die Fernsehserie "The Brady Bunch" verknallte und ganz besonders dem Darsteller des Bobby Brady nacheiferte. Den entsprechenden Spitznamen, den ihm seine Klassenkameraden verpassten, wurde er nicht mehr los.

Jindal, unten mit Ex-Präsident Bush. Später konvertierte Piyush alias Bobby zum Katholizismus und wurde braver Student der Biologie und der Politik, es reichte sogar zu einem Rhodes-Stipendium, das auch Bill Clinton einst zum Besuch der Universität von Oxford in Großbritannien verhalf. Dort machte Jindal seinen Politik-Master, arbeitete kurz für die Unternehmensberatung McKinsey, trat in die Dienste der Regierung von Louisiana, kam 2001 unter George W. Bush ins Gesundheitsministerium, scheiterte 2003 bei seiner Bewerbung für den Job des Gouverneurs von Louisiana und bewarb sich das Jahr drauf um einen Platz im US-Kongress. Und kam rein. Und wurde 2006 wiedergewählt, mit 88 Prozent der Stimmen. Und dann? Seit 2007, zweiter Anlauf, ist Jindal Gouverneur seines Heimatstaates und muss immer mehr Menschen erzählen, warum er die Hoffnung der Konservativen ist. Manchmal tut er sich schwer, wenn er mehr als einige seiner krass konservativen Positionen erklären soll. Wenn er sagen soll, was seine Vorstellungen von der großen Politik von denen der Demokraten unterscheidet. Klima, Energie, Wirtschaft: Er teilt viele Ansichten mit Barack Obama. Er flüchtet sich in Sätze wie: „Wir müssen nicht liberaler werden, um Wahlen zu gewinnen“. Jindal will vor allem, dass die Republikaner wieder die Partei des „American Dream“ werden. Soviel kann er schon mal sagen. Auf seiner Website gibt es einen ganz netten Blick darauf, wie er sich den vermutlich vorstellt - dort ist dieses Video verlinkt, das interessanterweise ohne Sprecher auskommt. Aber vielleicht braucht es in Jindals Idee vom amerikanischen Traum gar keine Worte, sondern nur Musik von Disney.

Text: peter-wagner - Fotos: rtr

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