Die Ehrenrettung des weiblichen Humors

Seit gestern ist im Internet der Trailer für den Film "Bridesmaids" zu sehen. Es ist die hoffnungsvolle Ankündigung einer Komödie mit überwiegend weiblicher Besetzung.
christina-waechter




Bisher gab es im amerikanischen Comedy-Fach eine klare Rollenaufteilung: Filme für die männliche Zielgruppe drehten sich um das ewige Thema Männerfreundschaft („40 Year Old Virgin“, „I Love You Man“, „Funny People“ etc), wohingegen Komödien für die Damen immer den Zusatz „Romantische“ hatten und in der Regel von einer abgestressten Karrierefrau handelten, die von einem wunderbar lebenslustigen, aber ein bisschen unverantwortlichen Kerl erobert wird und im Laufe des Filmes die wichtige Lektion lernt, dass Arbeit nicht alles, Liebe dagegen eben schon ist.  
 


Als ein Großmeister der Kumpel-Komödie hat sich Produzent Judd Apatow in den vergangenen Jahren in Hollywood ganz nach oben gespielt. Zusammen mit Paul Feig erfand und produzierte er Anfang der Nuller-Jahre die kurzlebige Kultserie „Freaks And Geeks“, in der Seth Rogen, Jason Segel und James Franco ihre ersten Auftritte hatten. Nach nur einer Staffel war damit schon wieder Schluss, aber Apatow hatte seinen Fuß in der Tür.

Sein großer Durchbruch kam mit „Knocked Up“, in der die gestresste TV-Moderatorin Katherine Heigl nach einem One-Night-Stand mit dem Dauer-Kiffer Seth Rogen schwanger wird und beschließt, das Kind zu behalten. Der Film war einer der größten Comedy-Erfolge der vergangenen Jahre und spielte alleine in Amerika fast 150 Millionen Dollar ein. Er war auch der Beginn der großen Flut von Buddy-Comedies, in denen Frauen tendenziell die Rolle der nervigen Spaßverderberin und Männerfreundschaften-Verhinderin inne hatten, was schließlich nicht nur von Katherine Heigl als „ein bisschen sexistisch“ empfunden wurde.

Jetzt aber kommt "Bridesmaids", von Judd Apatow produziert und Paul Feig führte Regie. Klar, der Film handelt vom klassischsten aller Frauen-Film-Klischees, der anstehenden Hochzeit. Und klar, das wird eine sehr konventionelle Komödie mit klarer Rollenverteilung - die Schöne, die Trottelige, die Dicke und die Sexsüchtige. Aber deshalb gleich von der Begeisterung abzufallen, dafür besteht kein Grund.
Denn das Ensemble besteht durchweg aus erfahrenen Comedy-Schauspielerinnen, die wir längst mal wieder auf der Leinwand sehen wollte: Annie, die Protagonistin und Haupt-Brautjungfer, wird von Kirsten Wiig dargestellt, die seit Jahren zu Apatows Stamm-Besetzung gehört, seit über fünf Jahren festes Ensemble-Mitglied bei Saturday Night Live ist, sowie beim Improv-Ensemble The Groundlings. Dort hat sie auch Annie Mumolo kennen gelernt, mit der sie zusammen das Skript zum Film geschrieben hat.
 Maya Rudolph spielt die Braut, sie war ebenfalls bis 2007 bei Saturday Night Live und trat in den vergangenen Jahren meist in Independent-Produktionen wie etwa "Away We Go" auf. Die schöne Brautjungfer wird von Rose Byrne verkörpert, die schon in der Apatow-Produktion „Get Him To The Greek“ zu sehen war. Melissa McCarthy ist die Dicke mit der fehlenden Körperbeherrschung. Sie kennt man als legendäre Köchin Sookie aus der TV-Serie Gilmore Girls.  Ellie Kemper, die verhuschte Romantikerin, ist bekannt als Rezeptionistin in der amerikanischen Version der Sitcom The Office. Wendi McLendon-Covey (die sexsüchtige Hausfrau) war bis 2009 in der Comedy-Serie Reno 911 zu sehen - insgesamt also ein wirklich hochkarätiges Ründchen lustiger Frauen.

Fest steht also, dass "Bridesmaids" mindestens eine Östrogen-Variante von "The Hangover" wird, wenn wir Glück haben, wird es noch aber viel mehr: ein großartiger Film und das Ende der erbärmlichen "Frauenkomödien".

http://www.youtube.com/watch?v=nrRd2QSsGc4


Text: christina-waechter - Bilder: Screenshot

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