Die Flobots. Angetreten, um die USA zu retten.

Die HipHop-Rock-Band Flobots unterstützt die Demokraten und Barack Obama, kämpft für ein gewaltfreies Amerika und kommt damit ganz nebenbei auch in die Charts.
hanna-vandervelden

Eigentlich wollten sich Brer Rabbit, Jonny 5 und Mackenzie Roberts vor vier Jahren nur für den Wahlkampf engagieren. Mit ihrer Vorliebe für Live-HipHop und der ungewöhnlichen Kombination aus zwei MCs und einer Violine-Spielerin, versuchten die drei Wähler für die Demokraten zu gewinnen. Dass dieses Projekt bis zu einem Charteinstieg in die US-Top-20 führte, ist eher ein Versehen. Den Ausschlag gab ein Gitarrist und guter Freund der Band namens Andy Guerrero. Er überredete das engagierte Trio schließlich, eine Full-Live-Band zu gründen. So nahmen sie einen Bassisten, Schlagzeuger und eben Girarristen Andy auf - die Band Flobots war geboren. Ein bisschen in der Welt war dieser Name allerdings schon seit 1996, als Jonny 5 begann, an verschiedenen HipHop-Projekten unter dem Namen Flobots zu arbeiten. An seinen Entschluss nach Denver zurückzukehren, um dort ernsthaft Musik zu machen, erinnert er sich noch genau. Damals sei er in Rhode Island an einem „Jugend in Aktion“-Projekt beteiligt gewesen und habe ein paar Kinder nach Hause gefahren. „Im Radio spielten sie „Always on time“ von Ja Rule und Ashanti und die Kinder konnten jedes Wort mitsingen.“ Es machte Klick: „Ich dachte mir, was wäre, wenn da meine Stimme aus dem Radio kommen und ich über wichtige Dinge im Leben sprechen würde. In diesem Moment habe ich gemerkt, wie mächtig Musik sein kann. Man kann so viele Menschen damit erreichen.“

In Eigenregie veröffentlichten die Flobots also 2007 ihr Erstlingswerk „Fight With Tools“ in ihrer Heimatstadt Denver. Das Album avancierte dort zum Underground-Hit und innerhalb kürzester Zeit winkte Universal mit einem Plattenvertrag. Man einigte sich darauf, das Album unverändert noch einmal in den ganzen Staaten zu veröffentlichen. Dank der Single „Handlebars“ wurden die Flobots dann über Nacht zum spannendsten Newcomer des Jahres. Mit der sonderbaren Mischung aus Funk, Klassik, Jazz, Rock und HipHop verfügen die Flobots über einen Sound, der ziemlich neu klingt. Und gerade mit Mackenzies genrefremdem Instrument, der Geige, erzeugt die Band einen leidenschaftlichen Klang, der jeglichem Trend und Schubladendenken zu trotzen scheint. Genau das ist auch die Idee der Flobots: „Das Konzept ist, dass sechs Musiker von unterschiedlicher Herkunft gemeinsam Musik machen können.“, so Jonny 5. Im Kampf für ein gewaltfreies Amerika Verglichen werden sie schon mit Gnarls Barkley und Bands wie den Red Hot Chilli Peppers oder Gorillaz. Hinter der Musik der Flobots steht aber mehr, als die Hoffnung auf eine ähnliche Chartkarriere - sie schreiben sozialkritischen Texte mit verspielten Seitenhieben gegen den Staat und die amtierende Regierung. „Wir akzeptieren keine Welt voller Gewalt. Wir glauben an eine bessere Welt und müssen dafür arbeiten, dass aus einem Traum Realität wird.“ Das politische Interesse der Flobots, so Jonny, ist dabei Ausdruck einer aktuellen Stimmungslage in ihrem Land: „Durch den Irakkrieg und die Angst, die die Bush-Regierung verbreitet, sind viele Menschen in den USA derzeit politisch motiviert.“ Die Hymne der Flobots: "Handlebars""

Mit sogenannten "flag bandanas", Halstüchern, die die amerikanische Flagge als Motiv tragen, appellieren die Flobots auf Fotos und bei ihren Live-Shows für ein neues Amerika. „Langston Hughes schrieb ein Gedicht namens ‚Let America Be America Again‘. Die flag bandannas symbolisieren, was Amerika sein wird. Sie stehen für die Zukunft.“, erklärt Jonny 5, „Auf unseren Shows fragen wir die Menschen, ob sie bereit sind, für ein gewaltfreies Amerika zu kämpfen. Sie sagen ja.“ Ihre Live-Shows wirken eher wie politische Demonstrationen und ihre Songs wie Aufrufe für einen sozialen Wandel. Das Motto: Jeder Mensch hat die Macht, die Welt ein Stückchen zu verbessern. Doch nicht nur über den musikalischen Weg versuchen die Flobots die Welt zu verbessern. Mit ihrer Non-Profit-Organisation flobots.org versuchen sie außerdem, den Menschen konkret zu helfen und eine Organisation von Aktivisten aufzubauen. „Es gibt zwei Programme.“, erläutert Jonny, „Das Erste ist ein Musiktherapie-Programm für Jugendliche. Das Zweite ist unsere Version eines Street-Teams, wo Musikfans in Online- und Offline-Kommunen diskutieren und sozial aktiv werden können.“ Wie im vergangen Wahljahr unterstützen die Flobots auch in diesem Jahr die demokratische Partei in den USA. Fragt man Jonny 5, was er mit Bush und Obama assoziiert, ist die Antwort schnell gefunden: „Bush = Angst, Obama = Hoffnung.“ Die bisher größte Ehre dürfte ihr Auftritt auf der diesjährigen Democratic National Convention, dem größten Parteitag der Demokraten gewesen sein. Vor den Augen von Barack Obama konnten die Flobots hier ihre politischen Ansichten verkünden. Die nächste Flobots-Demonstration findet in Europa statt. Hier werden sie Mitte September auf Tour gehen. „Wir sind schon sehr aufgeregt. Die meisten von uns waren noch nie in Europa.“, sagt Jonny 5. Mal sehen, ob sie es dann auch hier schaffen, die Massen zu bewegen - ganz nach dem Motto aus der Single „Handlebars“: „I can lead a nation with a microphone“. “Fight With Tools” erscheint voraussichtlich am 24. Oktober. Auf http://www.myspace.com/flobots kann man schon jetzt in die Songs reinhören. Die Flobots sind im September auf Deutschlandtour: 11.09.2008 Hamburg, 13.09.2008 Berlin, 14.09.2008 München, 16.09.2008 Köln

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