Die großen Trends

Musik Bands, die durch das Internet berühmt wurden, erst spät einen Plattenvertrag bekommen haben, aber jetzt bald eine Platte veröffentlichen wie Arctic Monkeys oder Clap Your Hands Say Yeah.
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Illustration: Julia Schubert

Musik Bands, die durch das Internet berühmt wurden, erst spät einen Plattenvertrag bekommen haben, aber jetzt bald eine Platte veröffentlichen wie Arctic Monkeys oder Clap Your Hands Say Yeah. Das große Jahr der zweiten Alben. Viele Überraschungen, viele Enttäuschungen, eigentlich so, wie in jedem verdammten Jahr. Bands in der Größe von Fußballmannschaften oder Kollektiv-Werkstätten wie The Stars oder Hidden Cameras werden weiter dominieren. Überhaupt: Schwule Bands und/oder Bands aus Kanada (die ja auch gerne mal große Kollektive sind) werden in diesem Jahr der große Renner sein. Zum Beispiel The Most Serene Republic. Theater Die großen Schocker kommen dann doch nicht. Das Theater hat die tiefste Krise überwunden und versucht auch in diesem Jahr, Schauplatz von gesellschaftlichen Diskursen zu sein. In Frankfurt findet im Februar zum Beispiel I will survive! statt, ein Kongress mit Theater, Politik, Performances, Thesen und Tanz zur Rettung der Welt, kuratiert von dem jungen Regisseur Matthias von Hartz. Von Januar bis März beschäftigen sich im Berliner Hebbel am Ufer unter dem Motto „Beyond Belonging – Migration²“ Künstler aus Film, Literatur, bildender Kunst und Musik mit Positionen und Perspektiven von Migration. Die Kammerspiele in München fragen in einer weiteren Ausgabe von „Bunnyhill“, wie es sich im Stadtzentrum lebt und wie sich Innenstädte entwickelt haben und im Kongress „Du sollst nicht sparen“ suchen Wissenschaftler, Künstler, Schriftsteller und Aktivisten nach alternativen ökonomischen Theorien und nach anderen Lebensmodellen. Fernsehen Mitmachfernsehen wird noch schlimmer und brutaler. Siehe: „Die Supernanny“ (RTL), deren neue Staffel noch gemeiner für die Kinder werden wird. Laut Eigenwerbung. Casting- und andere Berühmtwerde-Shows werden dagegen (hoffentlich) mangels Nachfrage verschwinden. 2005 war das kleine Wunder der Film "Serenity": Die US-Serie "Firefly" floppte im Fernsehen, der DVD-Verkauf brach alle Rekorde, daraufhin durfte Regisseur Joss Whedon, der auch die Serie "Buffy" drehte, seine Ideen einfach für's Kino weiter spinnen - ein Modell, das 2006 noch viel öfter Schule machen wird. Premiere wird seine Abonnenten nach dem Verlust der Bundesliga-Ausstrahlungsrechte mit einer Erotik-Offensive beglücken. MTV geht den Weg des Verderbens weiter und bringt noch mehr Shows: Wondershowzen, eine Mischung aus Southpark und Happy Tree Friends. Die gute Nachricht: Christian Ulmen kommt, zusammen mit Nora Tschirner, zurück. In Ulmens Auftrag rettet er Menschen, die eigentlich gar nicht gerettet werden wollen. Kino Die Doku-Welle flaut wieder ab. Dafür geht es weiter mit Sequels von Erfolgs-Filmen (Sin City, MI3, X-Men3, Fluch der Karibik 2, The Date Movie, etc.) Auch die christlich-fundamentalistische Kino-Idee flaut nicht ab. Mel Gibson erscheint nur noch mit Apostel-Bart in der Öffentlichkeit und die „Chroniken von Narnia“ nerven auch 2006 mit hässlichen Postern und gestrigen Inhalten. Zusätzlich wird ein weiterer Teil der Über-Endzeitgeschichte "Left Behind" verfilmt. Zu sehen ist er vom 19. Januar an, allerdings nur in ausgewählten (Gottes-)Häusern. Vermutlich schönster Film des Jahres: “Brokeback Mountain” (Regie: Ang Lee) mit Heath Ledger und Jake Gyllenhaal. Nach einer Kurzgeschichte von E. Annie Proulx. Großartiger Film, schon jetzt gibt es im Internet Ratgeber für heterosexuelle Männer, wie sie den Film überstehen können, ohne an ihrer sexuellen Identität zweifeln zu müssen. Und das will mal was heißen. 2006 wird das Jahr der Superschauspieler: Philip Seymour Hoffman kommt in dem BioPics „Capote“ endlich ganz groß raus. "Walk The Line" wird Joaquin Phoenix bekannt machen. “Donnie Darko”-Jake Gyllenhaal wird so präsent sein, dass er uns bald auf die Nerven geht. Das ändert aber nichts daran, dass er ein großartiger Schauspieler ist und das netteste Jungs-Lächeln seit langem hat. Lindsay Lohan, die bislang in Europa wenig bekannt war und in Amerika durch langweilige Teenager-Filme bekannt wurde, emanzipiert sich von ihrer All-American-Darling-Rolle und wird trotz ihres jungen Alters (19) zu einer ernstzunehmenden Schauspielerin werden. Vertrag mit Chanel, Sommersprossen am ganzen Körper und u.a. eine Rolle im neuen Robert Altman-Film. Comeback-Orakel: William Baldwin, der kleine Bruder von Alec, bekommt nach Drogengeschichten und eher mittelmäßigen Rollen in der Vergangenheit eine zweite Chance im Charakterfach. Jeff Daniels ist scheinbar einfach mal so aus dem untersten Komödienschubfach (Dumm und Dümmer) ins Indie-Fach gewechselt. Dort wird er in diesem Jahr mit „Imaginary Heroes“ und „The Squid And The Whale“ brillieren. Matt Dillon hat schon im vergangenen Jahr eindringlich gezeigt, dass mit ihm wieder zu rechnen ist. Erst als rassistischer Cop in „L.A. Crash“ und im Herbst als Bukowskis Alter Ego Henry Chinasky in „Factotum“. (Illustration: Dirk Schmidt)

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