Die haushohe Siegerin

Angela Merkel auf der Überholspur: Laut einer Forsa-Umfrage würden 59 Prozent der jungen Wähler ihre Stimme an die Bundeskanzlerin vergeben. Was ist da los?
laurie-hilbig

Das US-Magazin „Forbes“ wählte sie 2012 erneut zur mächtigsten Frau der Welt, und auch wenn es nach den jungen Menschen und Erstwählern in Deutschland geht, blickt Angela Merkel in eine erfolgreiche Zukunft. In einer vor kurzem durchgeführten Forsa-Umfrage für das Magazin „Stern“ würden 59 Prozent ihre Stimme an Angela Merkel geben. Im Fragebogen wurde Merkel immer im direkten Vergleich zu den anderen Politikern dargestellt, die Teilnehmer sollten dann zwischen den Kandidaten entscheiden. Die drei möglichen Kanzlerkandidaten der SPD, Frank-Walter Steinmeier, Peer Steinbrück und Sigmar Gabriel, kommen dabei weniger gut weg: Im Vergleich zu Merkel kassierte Steinmeier nur 21 Prozent, Kollege Sigmar Gabriel sogar nur 13. Die Jungwähler schätzten ihn als indiskutabel ein. Nur Peer Steinbrück kann sich an ein bisschen mehr Beliebtheit erfreuen: 19 Prozent der 18- bis 29-jährigen würden ihm eine Stimme geben, in der Altersgruppe der 30- bis 44-jährigen dagegen schon 26 Prozent, und 30 Prozent der 45- bis 59-Jährigen.



Doch woran liegt es, dass die Bundeskanzlerin so viele Stimmen bekommen würde und noch dazu von den jungen Wählern? „Das ist nicht ganz einfach zu beantworten, aber es liegt wohl hauptsächlich daran, dass Angela Merkel im Vergleich zu den anderen bekannter ist“, sagt Peter Matuschek, Leiter für Politik- und Sozialforschung bei Forsa. „Sie ist einfach ständig präsent.“ Die anderen Kandidaten seien zwar nicht viel älter als die Kanzlerin, kämen aber vielleicht etwas altbackener herüber. „Was bei jungen Leuten auf jeden Fall eine Rolle spielt, ist der Personenfaktor“, erklärt er. „Wenn sie eine Person sympathisch finden, beeinflusst sie das in ihrem Wahlverhalten.“

Möglicherweise wissen die jungen Wähler aber auch gar nicht so gut über die anderen Kandidaten bescheid? „Genau, es gibt ja auch junge Wähler, die möglicherweise nicht so politiknah sind, diese wählen dann eben die, die sie kennen“, meint der Leiter für Politik- und Sozialforschung. Dass Angela Merkel Probleme sachlich angeht und weniger auf Emotionen setzt, dürfte eher bei den höheren Altersklassen ein Grund sein. Dass Sigmar Gabriel bei der Umfrage so schlecht wegkam, könnte daran liegen, dass er etwas sprunghaft ist. „Frank-Walter Steinmeier wurde ja als Außenminister schon sehr geschätzt, als Kanzler wollten die Leute ihn allerdings nicht“, sagt er. „Er wird aber trotzdem als seriös wahrgenommen.“ Bei Sigmar Gabriel sei das nicht so. „Er wechselt oft die Themen und wird also nicht so ernst genommen wie sein Kollege“, erklärt Peter Matuschek.

Wenn junge Wähler Merkel als CDU-Politikerin wählen, könnte man meinen, dass sie vielleicht auch konservativer geworden sind. „Das zu behaupten wäre jetzt ein Schnellschuss“, meint er. „Merkel genießt ja auch über die Parteigrenzen hinweg Ansehen.“ Sie spreche auch zu Anhängern anderer Parteien an. Ob sich das Verhalten in der Umfrage auch auf echte Wählerstimmen übersetzen lässt, werden die nächsten Bundestagswahlen im Herbst 2013 zeigen.

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