Die Herbergssuche. Ein Stück wegen und für Weihnachten

Frei nach Gott. +++ P.S. Hier mehr Weihnachten: die gröbsten Floskeln zum Feste.
max-scharnigg

Ein volkstümliches Stück in drei Aufzügen für Laientheatergruppen, Amateurbühnen, semiprofessionelle Schauspieler und Staatstheater. Nacht. Bethlehem. Eine Wiese, die zum Horizont hin leicht ansteigt. Keine Bäume, wenige Sträucher, ein paar Scheunen lose verteilt. Der Himmel ist klar, es gibt Sterne und einen Mond. Es ist auch gar nicht mal so kalt. Zwei Personen nähern sich als dunkle Schatten. Sie heißen der Josef und die Maria. Sie flüstern. Josef (flüsternd): Maria! Maria: Josef, flüsterst du? Josef: Ja. Maria: Ach, ich dachte du sprichst nur leise. Josef: Warum? Stern am Himmel: Bizzelzisch! Maria: Was Warum? Josef: Warum denkst du so was Unnützes? Maria (unwirsch): Nüscht. Josef: Was? Maria: Was hast du denn heute immer? Immer deine Fragen: Was, Warum. Ist dir die Haut am Mund zu kurz? Sie schweigen eine Zeitlang und gehen sehr langsam, kommen näher. Jetzt wird erkennbar, dass einer von ihnen sehr dick ist. Josef: Ich bin ja sehr dick Maria: Ja, leider. Josef: Glaubst du, dass es deswegen wehtun wird? Maria: Was? Was tut schon wieder weh? Josef: Das Schätzen lassen, wegen dem wir doch unterwegs sind du, ich und mein angetrautes Weib Maria. Maria: Ja, keine Ahnung, Frauen müssen das ja nicht, hähä. Schätzen, mein’ ich. Wir zählen ja (noch) nix in der Gesellschaft. Josef (frotzelnd): Dafür müsst ihr gebären! Maria (gedehnt): Na ja, aber das ist ja freiwillig. Du MUSST dich ja schätzen lassen, sonst kommen die Römer und spießen rum. Josef: Mit ihren Spießen. Maria: Ja, wie im Comic, nur in echt. Komet: Swoosh! (powered by Nike) Kometschweif: Schlepp! Weiter auf der nächsten Seite!


Josef (pathetisch): Maria, jetzt halt ein! Maria: Was? Josef: Da, schau, ein Stall, aus dem ein warmes, gedämpftes Licht in goldenen Strahlen strahlt und leichter Zimbelklang klangt, beziehungsweise Supergong gongt. Maria: Und? Josef: Wir gehen rein! Maria: Hm, aber nich’ wieder so lang. Josef: H&M? Da brauchst du doch immer so lange und außerdem ist das kein H&M! Maria:Ich habe ja nur Hm gemacht. Josef (verbessernd): Gesagt. Betten macht man. Wörter sagt man. Maria (triumphierend): Und Geräusche „macht“ man. Hm ist ein Geräusch. Josef: Ich höre nix. Komet (laut, nahe): Jippie! Ich schweife ab! Die beiden immer noch vor dem erleuchteten Stall. Man erkennt, dass auf den Stallwänden in goldener Schrift „X-mas Sale“ steht (nur in zeitgenössischen Inszenierungen, in historischen Inszenierungen stattdessen: Ochsschwanz und Eselschwanz angedeutet) Josef: Hast du noch was vor? Oder warum drängst du so? Maria: Naja, die Sache ist die, ich bin nämlich schwanger und es wäre dann auch schön bald soweit. Josef: Schöner Balg? Woher weißt du das jetzt schon? Maria: Schön bald, habe ich gesagt und die Niederkunft gemeint. Mit meinem Kind. Josef: Gut, dann gehe ich nur kurz rein. Maria: Ja, ich warte solange genau hier. Josef geht in den Stall, die Zimbelmusik wird lauter, aber nicht sehr. Maria alleine vor dem Stall, setzt sich mühsam und schwer auf einen Pfahl. Maria: Naja, das klingt ja jetzt so als ob ich gepfählt würde, während der Josef da drin ist. Ist aber nicht so, ist eher ganz bequem, das heißt, naja, bequem ja nur im Verhältnis zum Stehen, was ich vorher gemacht habe und Gehen, was ich davor gemacht habe, mit dem Josef. Der ist jetzt übrigens da drin. Sie deutet mit dem Daumen hinter sich. Es nähern sich zwei Gestalten. Gestalt 1: Sitzt da schon wer auf dem Pfahl, es ist so saudunkel. Gestalt 2: Die da sitzt ist Maria und die ist schwanger. Gestalt 1: Gebenedeit seiest du, oh Maria, Jungfrau von allerhöchsten Bäckergnaden und schönste Nebensache der Welt! Gestalt 2: Ja und ich möchte noch hinzufügen: gebenedeit sei auch die ungeborne Frucht deines recht dünnen Leibes, die wird nämlich der Jesus. Gestalt 1: Ja. Gestalt 2:Hier, Geschenke Er gibt ihr Geschenke. Maria bedankt sich. Weiter auf der nächsten Seite!
Maria: Danke für die Geschenke. Ich mache sie später auf. Mit dem Josef, der ist da drinnen. Sie deutet auf den Stall. Gestalt 1: Aha. Gestalt 2: Sollen wir auf den auch noch warten? Ist der auch… Gestalt 1: Was meinst du, gepunktet? Gestalt 2: …nein,(leiser) ist der auch gebenedeit? Maria: Sie müssen sich nicht genieren, wir sprechen da ganz offen drüber und der Josef hat kein Problem mehr damit, dass nur ich gebenedeit bin. Am Anfang war das allerdings etwas anders. Gestalt 2: Na, dann, prima. Tocktock. Maria: Hä? Gestalt1: Macht er immer. Die Gestalten ziehen weiter. Maria wieder alleine. Die Nacht hat sich etwas aufgehellt, es ist jetzt nur noch von Ferne so Elektrojazz zu hören. Josef tritt aus dem Stall heraus. Josef: Sorry, hat doch länger gedauert, die hatten da so eine Trödelliese an der Kasse. Maria: Und? Josef: Schau! Er hält sich einen gestreiften Pulli aus Merinowolle vor die Brust. Josef: Ganz gut oder, ich wollte immer schon so was mit Streifen. Komet (beleidigt): Warum nicht mit Schweifen? Maria (begutachtet den Stoff): Hm, kratzt glaube ich, was hat der gekostet? Josef: 19.99. Maria: Also zwanzig. Josef: Ja. Und dann noch das hier…Schal. Maria: Ach. Josef: Für dich Maria liest das Etikett. Maria: Das war ja doch ein H&M Josef: Ja. Aber ein kleiner. Sie gehen weiter. Der Komet ist über alle Berge. Die Nacht frischt etwas auf. Es riecht ein bisschen nach Thymian und Myrrhe. Das kommt von einem Busch. Ende.

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