Die Invasion der Lesben

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Okay, sind wir mal ehrlich, die sehen schon alle verdammt gut aus, so was von gut aber auch. Und so viele sind das, überall lauern sie: beim Bäcker, in der Autowerkstatt, beim Friseur, im Museum, da läuft frau nur über die Strasse und schon rumpelt sie mit einer zusammen… Die Rede ist von Lesben. Erfolgreichen, femininen Lesben mit einem Sexualleben, dass es nur so kracht und irgendwie passt da doch was nicht.

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Illustration: Julia Schubert

Ja klar, wir haben gelernt, dass homosexuelle Frauen so eben nicht sind, sondern eher männlich, ziemlich sozial, vielleicht bebirkenstockt und kurzhaarig. Das haben wir ja auch akzeptiert. Sogar geschätzt, denn sich einem oktroyierten Frauenbild zu widersetzen ist ja nicht ganz unspannend. Und was läuft da jetzt im Fernsehen? "The L-Word" mit oben beschriebenen Frauen, das kann doch nicht sein. Das ist doch die Quotenmacherei nach dem Schwulenhype. Das sind doch aufgehübschte Heten, die auf Lesbe machen - für Heten natürlich, vor allem für männliche! Tatsache aber ist: "The L-Word" bedient halt nicht unsere Vorurteile, sondern erzählt Geschichten von auf Frauen stehende Frauen - und das konsequent und mit einer Selbstverständlichkeit, die einfach nur Spass macht. Aber eben auch verstört. Und gerade deswegen ist es mal an der Zeit, vielleicht sogar ein wenig überfällig, am vorherrschenden Klischee der Lesbe zu rütteln. Und wenn’s mit Mitteln der Soap funktioniert, wen stört's? Die Lesben selbst anscheinend wenig. Die meisten haben eh schon bis zur dritten Staffel geschaut (im Original ist die Serie noch um Längen besser), und dass die Story komplett an der Realität vorbeischrammt, gibt es nur äußerst selten zu hören. Genauso wenig wie Kritik an der Serie aus Reihen der Emanzen und Feministinnen, und da wäre sie zu erwarten gewesen. Das könnte durchaus daran liegen, dass "The L-Word" ganz eindeutig frauenpolitische Themen aufgreift. Es hat sich nämlich einiges getan in der Szene. Zwar gibt es sie noch, die Lesben, so wie wir sie kennen und einordnen können, und das ist weder gut noch schlecht, aber die Szene ist komplexer geworden, sehr viel individueller und bunter. Auf Frauen zu stehen bedeutet seit ein paar Jahren nicht mehr, sich gleich anzuziehen, dieselbe, konsensmäßig nun einmal fürchterliche Musik zu hören und Männer doof zu finden. Es bedeutet eigentlich gar nichts mehr. Das stimmt natürlich so nicht ganz, sollte es aber vielleicht. Denn ein Coming-Out ist leider immer noch kein Zuckerschlecken, egal ob vor den Eltern, in der Schule oder im Job. Mit Anfeindungen und blöden Sprüchen muss jede Lesbe lernen umzugehen. Und dass ein feminines Aussehen für mehr Akzeptanz sorgen könnte, ist natürlich Quatsch. Gerne ist genau das Gegenteil der Fall. Womit wir wieder bei "The L-Word" wären, denn so locker die Serie daherkommt (zumindest die ersten paar Folgen) und so gut die geldigen Damen auch aussehen, so sehr schafft sie es dann doch, ein nicht ganz unproblematisches Bild vom Lesbendasein zu zeichnen: von Coming-Out übers Kinderkriegen bis zur Transsexualität, und das nicht etwa platt und oberflächlich, sondern ziemlich einleuchtend und realistisch. Heterosexuellen Männern scheint die Serie nur wenig zu gefallen. In vielen Blogs ist zu lesen, dass sie sich da echt was anderes versprochen haben, von wegen Lesbensex und so. Und dabei wimmelt es in "L-Word" nur so von Sexszenen und Tausendsassa Shane schleppt konsequent ein Mädel nach dem anderen ab. Aber genau diese Reaktion zeigt, dass es vielleicht noch um was andres geht, als gut aussehenden Frauen beim gleichgeschlechtlichen Sex zuzuschauen. Heterosexuelle Frauen hingegen scheinen durchaus begeistert, vielleicht weil "The L-Word" tatsächlich immer wieder eine Hommage ans Frausein ist - unabhängig davon, ob hetero oder homo, bi- oder transsexuell. Foto: AP

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