Die jetzt.de-Zockerserie, Teil 2: Politisch korrekte Online-Spiele

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Heute: Politisch korrekte Videospiele im Web Der inhaltliche Wert der meisten Videospiele verführt Pädagogen nicht gerade zu Luftsprüngen. Ob das überhaupt wünschenswert ist, sei dahingestellt. Fakt ist, dass im Web eine Reihe von Spielen existiert, die uns die Missstände der - vornehmlich dritten - Welt auf den Schirm rufen. Hier eine galante Übersicht: Ayiti – The Cost of Life www.thecostoflife.org Darum geht’s Familie Guinard lebt auf einer kleinen Farm in Haiti. Mutter Marie und Vater Jean versuchen, die drei Kinder zur Schule zu schicken und die Sippe so gut es geht über die Runden zu bringen. Das Geld ist knapp, und die Guinards brauchen Hilfe: Jedem Familienmitglied muss eine Aufgabe zugewiesen werden, z.B. Schulbesuch, Arbeit in der Rumfabrik, auf der Farm oder als Freiwilliger.

Ziel Vier fiktive Jahre lang soll die Familie gesund und munter bleiben. Gelingt das, zählt am Schluss, wieviel Bildung die Guinards bekommen haben. Sterben beide Eltern, ist das Spiel vorbei. Das Problem Wenig Geld und ein Haufen Ärger: Tropenstürme und Trockenheit bedrohen die Ernte, ständig wird jemand krank, dazu kommen Unruhen und Diebesgesindel. Wer zu hungrig, gestresst oder angeschlagen ist, kann nicht mehr arbeiten – und dann fehlt das Geld für Essen, Schule und Medizin. Bonus Der Vetter aus den USA schickt ab und an ein wenig Geld. Darum geht’s wirklich Bildung ist der beste Ausweg aus der Armut. Trotzdem gehen weltweit über 100 Millionen Kinder nicht zur Schule. Die Wege sind zu lang und zu gefährlich, viele Familien können sich keine Schulgebühren leisten. Bis 2015 sollen alle Kinder in den 189 UN-Staaten zumindest eine Grundschule besuchen können – bis jetzt haben gerade einmal 55 Länder dieses Ziel erreicht.


3rd World Farmer 3rdworldfarmer Darum geht’s Prinzipiell ist 3rd World Farmer erst mal eine Wirtschaftssimulation. Der Spieler bestimmt ob der Konflikt gebeutelte Bauer Lisamba Korn oder Mais pflanzt, sich einen Traktor kauft oder einen Stall baut. Daneben gilt es aber auch zu entscheiden, ob man die Kinder besser zur Schule schickt - oder zum Arbeiten auf nimmer Wiedersehen in die nächste Stadt.

Das Ziel Wohlstand und Zufriedenheit für die kleine Familie im afrikanischen Nirgendwo. Das Problem Mal gibt es eine Dürre, mal eine Überschwemmung. Die Weltmarktpreise sind instabil, ständig droht Bürgerkrieg oder ein Buschbrand. Hat man es dann endlich zu ein wenig Wohlstand gebracht, klauen marodierende Horden den kompletten Viehbestand. Bonus Ausländische Touristen lassen manchmal ein wenig Geld für traditionelle Tänze springen. Darum geht’s wirklich Die traurige Realität: 2005 entwickelten Studenten der Technischen Universität Kopenhagen dieses Spiel, um die hoffnungslose Situation von Millionen afrikanischer Bauern verständlicher zu machen. Tip Nimm auf keinen Fall das Angebot des Westlichen Chemiekonzerns an, der für ein hübsches Sümmchen ein paar „harmlose“ Fässer auf deinem Land deponieren will!


Karma Tycoon karmatycoon.com Darum geht’s Der Spieler soll in verschiedenen amerikanischen Städten Obdachlosen oder Tierheime bauen. Um das nötige Geld zu sammeln, müssen die virtuellen Klinken allerlei wohltätiger Organisationen geputzt werden.

Ziel Möglichst viele Obdachlose, beziehungsweise herrenlose Tiere aufnehmen. Dafür gibt es Karmapunkte. Wer genügend davon hat, kann die nächste amerikanische Großstadt mit seinen Wohltaten beglücken. Problem Das liebe Geld: Die meisten Organisationen rücken mit dem Geld erst ab einer bestimmten Anzahl von Karma Punkten heraus. Die Alternative heißt Kredite aufnehmen - das wiederum erschwert die Beschaffung von Zuwendungen. Knallhart kalkulieren ist angesagt. Bonus Mieses Karma und hohe Schulden scheinen einigen wohltätigen Vereine herzlich egal zu sein. Darum geht’s wirklich Rollercoaster-, Zoo- und Oil-Tycoon waren Bestseller. Laut den Initiatoren von Karma Tycoon soll die Jugend von heute nun mal an ihr Karma denken, anstatt immer nur an Gewinnmaximierung. Was Obdachlose und Strassenköter davon haben, bleibt jedoch unklar.


Food Force food-force.com Darum geht’s Auf der Insel Sheylan im indischen Ozean herrscht eine Krise: Die Menschen fliehen aus ihren Dörfern, viele leiden Hunger. Das World Food Program der Vereinten Nationen lässt eine Mission-Impossible-artige Spezialeinheit einfliegen, um der Bevölkerung zu helfen. Der Spieler ist Teil des Teams und muss in sechs verschiedenen Missionen Nahrungsmittel abwerfen, Nährstoff-Cocktails mischen oder LKWs lenken.

Ziel Alle Missionen bravourös bestehen und die Bewohner von Sheylan von Nahrungsmittellieferungen unabhängig machen. Problem Außer den etwas drögen Info-Einspielungen eigentlich keins: Die Missionen sind relativ einfach und beim ersten Versuch zu schaffen. Bonus In der deutschen Version spricht DJ Bobo den Piloten Carlos Sanchez. Darum geht’s wirklich Dieses Spiel soll zeigen, dass es immer noch hungernde Menschen auf dieser Welt gibt. Vor allem will das World Food Program aber über die eigene Arbeit informieren und Spenden sammeln. Dafür gibt es nach jeder Mission einen kleinen Werbeeinspieler.


Last Exit Flucht lastexitflucht.org Darum geht’s Der Spieler soll ein Flüchtlingsschicksal hautnah erleben: In 12 Episoden muss man zunächst vor staatlichen Repressionen fliehen, dann Asyl beantragen, schließlich einen Job finden und sich eingewöhnen.

Ziel Die verschiedenen Aufgaben bewältigen und ein neues Leben beginnen. Probleme Die Flucht ist kompliziert, und es gilt, einige schwierige Entscheidungen zu treffen. Beispielsweise ob man verletzte Freunde zurücklässt oder nicht. In der neuen Heimat machen einem die fremde Sprache, Vorurteile und Behörden das Leben schwer. Bonus Die exzellente Grafik. Darum geht es wirklich Der UN-Flüchtlingsrat will mit diesem Spiel Jugendlichen zeigen, was es bedeutet, seine Heimat verlassen zu müssen, um in einem fremden noch einmal ganz von vorne anzufangen. Zu jedem Kapitel gibt es tonnenweise Hintergrundinformationen, Interviews und Unterrichtsmaterial. Hier geht es zu Teil 1 der Serie: Browserspiele

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