Handelsübliche Erdnussbutter schlägt in jeder Kalorien-Rechnung hart zu Buche aber genau diese Eigenschaft ist es, die vielen Menschen das Leben retten kann. Erdnusspaste wird besonders in Krisenregionen eingesetzt, die mit starker Unterernährung der Bevölkerung zu kämpfen haben – wie es beispielsweise aktuell in Ostafrika der Fall ist. In erster Linie besteht die Paste aus Erdnussbutter, die – vermengt mit Milchpulver, Öl und Zucker – noch mit lebenswichtigen Vitaminen und Spurenelementen angereichert wird. In den letzten Jahren hat die Verteilung solcher Erdnusspastenpäckchen stark zugenommen. „Wir haben allein im letzten Jahr 20700 Tonnen Erdnusspaste an Kinder in aller Welt verschickt“ sagt Kerstin Bücker vom Kinderhilfswerk Unicef. Vielen Kindern konnte damit schon geholfen werden. „Allein im Juli wurden 23.000 Kinder in Somalia damit versorgt“ so Bücker weiter. Die Erdnussbutter wird vor allem an Kinder gegeben, die zwar unterernährt sind aber noch alleine schlucken können. „Für Erwachsene ist die Erdnusspaste natürlich theoretisch auch geeignet, aber sie wird bevorzugt an Kinder gegeben, da Erwachsene meist auch Zugang zu anderen Nahrungsquellen haben“ sagt Christiane Haas vom Deutschen Roten Kreuz.

Ein Päckchen mit 92 Gramm Inhalt bringt es auf ganze 500 Kalorien, ein stark unterernährtes Kind braucht etwa drei Päckchen der Erdnussmasse um den täglichen Bedarf zu decken. „Bei schwer ausgezehrten Kindern beginnt die Behandlung meistens mit einer angereicherten Milch und dann erst mit der Erdnusspaste. Nach drei bis vier Wochen merkt man dann schon eine deutliche Gewichtszunahme“ so Kerstin Bücker von Unicef. „Je nach Alter und Bedarf können die Päckchen dosiert werden. Nehmen wir beispielsweise ein stark unterernährtes Kind mit sieben Jahren. Da rechnet man etwa einen Karton mit 150 einzelnen Packungen um das Kind für zwei Monate zu ernähren. Finanziell kommt man da auf circa 60 US-Dollar für acht Wochen“ sagt Christiane Haas vom Deutschen Roten Kreuz.



Bei der aktuellen Hungersnot in Ostafrika kommen die rot-silbernen Päckchen zu tausenden zum Einsatz. Die kartoffelbrei-ähnliche Masse, die wie sehr süße Erdnussbutter schmeckt, hat zwei große Vorteile: Zum einen kann sie sofort verzehrt werden und muss nicht erst mit Wasser aufbereitet werden – so kann die Paste nicht durch Keime verseucht werden. Zum anderen ist die Masse lange haltbar und kann so problemlos über längere Strecken transportiert werden. Auch wenn die Erdnusspaste auf den ersten Blick die Lösung für Hungerkatastrophen zu sein scheint – wichtig ist es, die Ursache der Probleme anzugehen. „Schlimm ist, dass die Dringlichkeit der aktuellen Lage noch nicht anerkannt wurde. Wir brauchen schnelle und massive Hilfe. Neben dem Hunger kämpfen wir in den Krisenregionen gegen ansteckende Krankheiten, allein in Kenia und Somalia haben wir bereits 140.000 Kinder geimpft. Dann sind natürlich noch sauberes Wasser und bessere Hygiene sehr große Herausforderungen“ sagt Kerstin Bücker von Unicef.
Die aktuelle Lage in Somalia ist besonders kritisch. Einige der Hilfswerke befürchten sogar, dass es zu Engpässen in der Versorgung mit Erdnusspaste kommen könnte. Kerstin Bücker von Unicef sieht aber hauptsächlich ein anderes Problem: „Wir haben große Lagerbestände, auch in unseren Supply-Center in Kopenhagen, und wir haben gute Lieferbeziehungen zu den Herstellern. Wir können die Kinder versorgen, aber im Moment ist eher der Transport das Problem.“

Seit 2006 findet die Herstellung der Erdnusspaste des Kinderhelfswekrs Unicef nicht mehr nur in Frankreich sondern auch in den Krisenregionen statt. Die Rohstoffe werden möglichst lokal eingekauft, was noch dazu die Wirtschaft vor Ort belebt. Neben Niger wird die Erdnusspaste mittlerweile auch in Äthiopien, Kongo, Mosambique und vielen weiteren Ländern hergestellt. Bleibt zu hoffen, dass die lebensrettende Paste schnell dort ankommt, wo sie am Dringendsten gebraucht wird.


Text: julia-siedelhofer - Fotos: UNICEF/KENA00421/Noorani, UNICEF/NYHQ2011-1256/Ose