"Die meiste Zeit kann ich mich ausruhen oder Tennis spielen"

Momentan ist bayernweit Schülerpraktikumszeit. Bei jetzt.de war der 16-jährige Leon zu Besuch. Fanden wir super und haben ihn deshalb direkt gebeten aufzuschreiben, wo andere ihre Praktika machen und ob sie dabei etwas lernen. Drei ehrliche Protokolle.
leon-czalaun
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Illustration: Julia Schubert


Alexander, 16, macht ein Praktikum in einer Tennisanlage:  
"Im Endeffekt ist es genau das, was ich haben wollte: Ein Praktikum bei dem ich nur kurz arbeiten muss, also von 10.15 Uhr bis 13.15 Uhr, nicht viel zu tun habe, eigentlich nichts, und auch noch Spaß habe. Auf der Tennisanlage bin ich vorwiegend pflichtenfrei. Ab und zu muss ich ein Telefonat annehmen oder mal einen Tisch putzen. Die meiste Zeit kann ich mich aber ausruhen oder mit einem Freund Tennis spielen. Dadurch, dass ich selber Tennislehrer bin, hab ich dabei natürlich Vorteile. Der größte Teil des Tages geht fürs Essen drauf.
Mein jetziges Praktikum ist genau das, was sich alle wünschen machen zu können, wenn sie eigentlich keine Lust auf Arbeit haben. Außerdem habe ich nur einen Anruf gebraucht, um an mein Ziel zu kommen. Die erste Person, die ich angefragt habe, hat mich sofort eingestellt, was vielleicht daran liegt, dass er der Vater eines meiner guten Freunde ist. Ich habe die Stelle dann genommen, damit ich irgendetwas habe.  
Meine Interessen liegen sonst eher im wirtschaftlichen Bereich. Hierzu lohnt sich aber kein Schülerpraktikum, da eine Praktikumsdauer von einer Woche zu kurz ist, um sich in dem Beruf einzufinden.
Ich denke, dass dieses Praktikum das letzte in meiner Schulzeit ist. In meinem späteren Leben lassen sich weitere wohl aber nicht umgehen."



Martin, 16, macht ein Praktikum in der Stahlverarbeitung:  
"Ich habe mein Schülerpraktikum in einer Kunststoff- und Metallverarbeitung absolviert. Es ist genau mein Interessengebiet, weswegen ich dieses Praktikum ausgewählt habe. Und es geht auf jeden Fall in die Richtung, in der ich mich später mal sehe. Schülerpraktika finde ich sinnvoll, denn es ist in jedem Fall empfehlenswert, in verschiedene Bereiche hinein zu schnuppern. Wenn man dann in ein Gebiet hineinrutscht, das einen nicht so interessiert, weiß man für die Zukunft, dass man eher was anderes möchte.
Ich denke, nicht jeder kann in unserem Alter beurteilen was er oder sie später mal machen will. Aber man kann eine Idee haben, was man eventuell machen möchte. Allerdings kann sich so was immer wieder ändern. Momentan bin ich davon überzeugt, später mal in der Stahlverarbeitung arbeiten zu wollen. Vor allem, weil dieses Unternehmen meinen Auswahlkriterien entspricht: Die Firma muss etwas größer sein und sie muss mich interessieren. Im Endeffekt hat das Praktikum meine Wünsche zu hundert Prozent befriedigt, sogar noch mehr als mein erstes bei einer Autowerkstatt.
Meiner Meinung nach sollte jeder einmal ein Praktikum gemacht haben. Ich erwarte mir von einem abgeschlossenen Praktikum schon, dass es mir unter Umständen im Berufsleben einiges erleichtert. Deshalb habe ich diesen Betrieb auch ausgewählt - vielleicht will ich mich irgendwann dort integrieren."


Vincent, 16, geht lieber zur Schule als noch ein Praktikum zu machen:
"Ich habe dieses Jahr kein Schülerpraktikum gemacht, was in erster Linie daran lag, dass ich es für unnötig hielt. Ich habe bereits vergangenes Jahr vier Wochen Praktikum gemacht und nun stand nichts zur Auswahl, was mir Spaß gemacht hätte. Bei meinen letzten Praktika durfte ich in einer Anwaltskanzlei und im Landgericht in Berlin reinschnuppern, was beides sehr interessant war. Damals war Jura für mich ein Zukunftswunsch. Jetzt scheiterte mein Wunsch, ein Praktikum an der Frankfurter Börse zu machen, daran, dass meinem Schulleiter der Aufwand zu groß war, das zu organisieren.
Meiner Meinung nach würden sich viel mehr Jugendliche für ein Praktikum begeistern lassen, wenn die Schule sich für jeden einzelnen mehr engagieren würde, um ihm oder ihr mehr Möglichkeiten zu eröffnen. Ich kenne viele Mitschüler die gar keinen Platz gesucht haben, weil von vorne herein klar war, dass sie ihre Vorstellungen und Erwartungen nicht erfüllen würden. Zumindest nicht ohne zusätzliche Unterstützung der Schulen. Allgemein finde ich Betriebspraktika aber sinnvoller als Projekttage, da man bei einem solchen Praktikum im Gegensatz zu einem einzelnen Veranstaltungstag tiefer in die Sphäre einsteigen kann. Themen, bei denen ich mich für ein Praktikum begeistern könnte, wären Wirtschaft und Immobilien, da ich gut mit Menschen auskomme, was sich als Vorraussetzung für den Beruf als Immobilienmakler eignet. Hundertprozentig sicher bin ich mir aber noch nicht.  
Den Leuten, die sich irgendein Praktikum aussuchen, das sie nicht interessiert, rate ich, dass sie bevor sie nur blöd herumsitzen etwas anderes machen. Zum Beispiel in die Schule gehen, wo sie ja eigentlich befreit vom Unterricht sind und deshalb eine Schonung erhalten. Das ist besser, als dass man ein Praktikum macht, wo man den ganzen Tag gegen seinen Willen eingebunden ist. Ich bereue deshalb auch nicht, dass ich diese eine Woche ausgelassen habe. Erstens, weil sich mir noch viele effizientere Möglichkeiten ergeben werden und zweitens, weil ich eh schon zwei sehr interessante Erfahrungen gemacht habe."



Text: leon-czalaun - Bild: photocase.de / joexx

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