Die neue Amy Winehouse? Adele begeistert Großbritannien

Als hätte es Amy Winehouse nicht schon schwer genug: Neben ihrer strapazierten Gesundheit ist nun auch ihr Fast-Monopol auf rauchigen Soul der neuen Generation in Gefahr. Die Neu-Entdeckung heißt Adele, kommt aus London und beeindruckt mit souliger Stimme.
johannes-graupner

Gerade hat die BBC ihre „Sound of 2008“-Umfrage veröffentlicht. Die Wahl gilt als wichtiges Trendbarometer in der Branche. Rund 150 der bekanntesten britischen Musikkritiker, Redakteure und Moderatoren haben die großen Hoffnungen 2008 gewählt. An der Spitze steht die 19-jährige, stimmgewaltige Adele Adkins. Zusätzlich ist Adele auch schon ihr erster BRIT-Award in der neu geschaffenen Rubrik „Critics Choice“ sicher, der ihr am 20. Februar überreicht wird.

Entdeckt wurde Adele auf dem fast schon klassischen Weg heutiger Newcomer – über Songs, die sie auf ihre MySpace-Seite gestellt hatte. Noch ohne jede Veröffentlichung wurde sie in die populäre TV-Show „Later with Jools Holland“ eingeladen, wo sie trotz Lampenfiebers einen gelungenen Auftritt ablieferte. Mittlerweile hat sie eine eigene, professionelle Hompage. Im Oktober vergangenen Jahres debütierte sie dann mit der Single "Hometown Glory", einem Loblied auf ihre Heimatstadt London. Das Lied entstand, weil Adeles Mutter mit ihr aus London wegziehen wollte und sorgt mit Klavier und Stimme für angenehme Gänsehaut. Neben den naheliegenden Einflüssen wie Ella Fitzgerald und Etta James nennt Adele auch Billy Bragg, Spice Girls und East17 – bunter könnte die Palette kaum sein. Mit 14 Jahren hielt sie zum ersten Mal ein Mikrofon in der Hand und erkannte sofort ihre Bestimmung – später besuchte sie, genau wie Amy Winehouse, Kate Nash und Katie Melua, die BRIT school of Performing Arts. An Bühnenerfahrung mangelt es Adele nicht, mittlerweile war sie als Support von Devendra Banhart und ihrem guten Freund Jack Peñate unterwegs, der mit „Torn on the platform“ auch auf deutschen Indie-Tanzflächen bekannt ist. Bei ihren Auftritten überzeugt Adele als junge Frau, die dem Abmagerungswahn und den übermotivierten Schmink- und Style Artists entkommen zu sein scheint. Auf einem Hocker, die Gitarre in der Hand und mit wippendem Fuß, sitzt da ein rothaariges Mädchen, das trotz unaufgeregter Bühnenpräsenz mit einer kräftigen und zugleich so zart vibrierenden Soulstimme glänzt. Sie kommt ohne optisches Kindchen-Schema aus, wirkt natürlich und authentisch. Adele stand schon immer gern im Mittelpunkt, gibt sie in Interviews bereitwillig zu. Doch trotz des Hypes und der ausverkauften Konzerte bleibt Adele relativ gelassen. “Im not that rock n roll so aint got no mad stories or anything“, schreibt sie in ihrem MySpace-Blog über ihre Tour. Eher hat sie Angst davor, selbst Teil von Star-Rummel und Skandalen zu werden. Doch der einzige Aufreger, der bisher überhaupt durch die britische Regenbogenpresse geisterte, war eine belanglose, kleine Kotzerei aus dem Autofenster – wegen Unwohlseins. Das Ganze war nur bekannt geworden, weil Adele sich gegenüber einem Reporter verplappert hatte. Am 28. Januar 2008 erscheint ihr Debüt-Album mit dem Titel „19“, auf dem sie über genau diesen Lebensabschnitt, nichtsnutzige bisexuelle Exfreunde, Liebeskummer und die sonstigen Hürden des Lebens singt. Das Album erscheint auf dem Indie-Label „XL Recordings“, das auch so illustre Namen wie The White Stripes und Radiohead im Programm hat. Vorab erscheint am 21. Januar ihre Single „Chasing Pavements“. Hier kann man sich Adele mit "Hometown Glory" in Aktion ansehen:

Die britische Soul-Landschaft wird sich aber noch weiter ausdifferenzieren. Auf Platz zwei des BBC-Rankings wurde

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