Die neue Carrie

Ab Herbst beginnen die Dreharbeiten zu der Serie "The Carrie Diaries", einem Prequel zu "Sex and the City". Nun steht fest: AnnaSophia Robb wird die Rolle der jungen Carrie Bradshaw übernehmen.
lena-niethammer

Na klar, AnnaSophia Robb ist wunderschön. Ein kleiner blonder Engel mit strahlend weißen Zähnen und zum Versinken blauen Augen. Doch Carrie war nie der Inbegriff von Schönheit. Die kleinen Makel, die große Nase und das längliche Gesicht, haben sie symphatisch gemacht. Sie war eine von uns, eine der Unperfekten. Der Beweis, dass Charisma und Ausstrahlung auch verzaubern können. Doch nun kommt dieses junge Mädchen daher und soll unsere Carrie spielen. Eine 16-jährige Carrie, hin- und hergerissen zwischen erstem Freund, Highschool und Zickereien mit Erzfeindin Donna Ladonna. Und das auch noch als Serie. Bitte?!  


Die alte und die neue Carrie

Was auf den ersten Blick wie ein weiteres Pendant zu "Gossip Girl" klingt, verliert diesen Anschein leider auch auf den zweiten Blick nicht. Es sind dieselben Produzenten hinter den Serien und auch die Themen ähneln sich ­– Manhattan, die erste große Liebe, Neid und Rivalität zwischen Heranwachsenden. Ob allein der Umstand, dass Carrie in den 80er Jahren lebt, die Serie originell machen wird, bleibt fraglich. Es entsteht der Anschein, da wolle jemand um jeden Preis weiter Geld machen und auch aus dem letzten Rest alles herausgequetschen. Erst sechs Staffeln Kultserie, dann zwei Kinofilme und jetzt noch ein Prequel? Ist es nicht irgendwann mal genug? Die Produzenten protestieren. Es seien die Zuschauer, die einfach mehr wollen. Mehr von Carrie und ihrer Geschichte, rechtfertigen sie sich. Und so lieferte Candace Bushnell, deren Buch "Sex and the City" bereits die Grundlage der Kultserie war, wieder eine Vorlage, die zu „The Carrie Diaries.“  

Nun ist auch klar, wer die Rolle, die bereits Sarah Jessica Parker zu einem Star machte, übernehmen wird. AnnaSophia (ein Wort, keine Spitznamen bitte) Robb hat zwar schon in zwölf Filmen mitgespielt, doch man sich schwer, sie auf Anhieb irgendeinem dieser Filme zuzuordnen. Dabei feierte sie 2005 ihren internationalen Durchbruch an der Seite von Johnny Depp. Kaugummikauend und mit einer übermotivierten Mutter bestückt wanderte sie als Violet Beauregard durch die Schokoladenfabrik, bis eine Horde Eichhörnchen ihrem Dasein ein Ende bereitete.  

Aufgewachsen in Denver, Colorado, vermittelt Robb den Schein eines typischen amerikanischen Kinderstars. Bereits mit acht habe sie gewusst, dass performen alles für sie sei. Sie bat ihre Mutter um einen Schauspielkurs, bei dem sie ein Agent entdeckte und mit nach Los Angeles nahm. Eine Single hat sie im Laufe der Zeit auch aufgenommen. „Keep Your Mind Wide Open“ trällerte sie 2007 mit Dauergrinsen und süßem Augenaufschlag für den Soundtrack des Films "Brücke nach Terabithia". Und natürlich engagiert sie sich für die Umwelt. Und für Menschen. Und ach, natürlich auch für Tiere. Der Besucher ihrer Homepage findet direkt unter ihrer Diskografie den Punkt „Die Welt retten“. Ambitioniert, die Kleine. Doch man muss ihr auch lassen, dass sie wirkliches Talent hat, bodenständig geblieben ist und immer noch in Denver wohnt. Die Wochenenden verbringt sie lieber mit Hausaufgaben anstatt auf Partys, um es später einmal auf ein gutes College zu schaffen. Auf die Brown zum Beispiel. Oder nach Stanford.  
Doch ob sie eine gute junge Carrie wird, das sei dahingestellt. Viel wichtiger ist doch die Frage: Braucht es überhaupt eine junge Carrie? Ist es wirklich notwendig, dafür so weit in der Zeit zurückzureisen, bis in ihre Pubertät? Es waren doch die gestandenen Frauen, die uns an der Serie so fazinierten. Die schmutzigen Gespräche und die sexuellen Probleme brachten uns zum Lachen. Die Verzweiflung, immer noch nicht die große Liebe gefunden zu haben, zum Weinen. Die Schönheit von Robb bringt uns nun zwar zum Staunen, doch macht sie den Mund auf, wissen wir, dass sie eben doch noch ein halbes Kind ist. Die Serie wird Erfolg haben, keine Frage, viele Mädchen werden sie gucken und vielleicht auch lieben, doch werden es nicht mehr wir sein, die wir "Sex and the City" so liebten.

Text: lena-niethammer - Foto: dpa

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