Die Nichtraucher-Elterngeneration macht mobil

Am Sonntag wird in Bayern über das Rauchverbot abgestimmt. Seit Monaten ziehen sich deshalb Gräben durch ganz Bayern – und oft auch mitten durch Familien.
penni-dreyer

Ich mag meine Mutter sehr gerne und in den allermeisten Fällen sind wir ein Herz und eine Seele. Nur bei diesem einen Thema kann sie mich mit ihren Ansichten und Äußerungen wirklich in den Wahnsinn treiben. Ausgerechnet sie, die mit ihren bald 60 Jahren ein sehr altersgerechtes Leben führt, macht sich gerade daran, das meine sehr grundlegend und nach meinem Dafürhalten eher nicht zum Besten zu ändern. Ganz einfach aus Prinzip. Und ich glaube, ein sehr großer Prozentsatz derjenigen, die sich von den Rauchverbots-Volksbegehrens-Initiatoren am kommenden Sonntag mobilisieren lassen werden, ähnelt meiner Mutter ganz frappierend: Deren Sozialleben ist keinesfalls fade, aber ihre Welt bewegt sich zwischen Theater-Abo, Kaffeetrinken mit Freunden und Essenseinladungen in irgendwelche gediegenen Restaurants. In einem Stüberl, einer Kneipe oder einem Club war sie vermutlich zuletzt irgendwann Mitte der 1970er-Jahre.

Und dennoch ist es ihr ein unbeschreiblich großes Bedürfnis, das totale Rauchverbot in der gesamten Gastronomie Bayerns durchzusetzen. Erstens schon mal einfach aus Prinzip, zweitens aus Besorgnis um die Gesundheit der Menschheit im Ganzen und drittens, weil sie damit endlich nicht mehr in ihrer theoretischen und totalen Freiheit auf eine rauchfreie Lunge beschränkt wird. Könnte ja sein, dass sie demnächst mal eine Apfelschorle im „Paulanerkrug“ trinken möchte (einem Hardcore-Stüberl mit hundertprozentiger Raucher-Auslastung) oder unbedingt diesen einen DJ im „Pimpernel“ (einem sehr plüschigen Club) anhören will. Auch wenn sie noch nie (zumindest seit ich sie kenne), ein solches Bedürfnis artikuliert hat, scheinen all diese Eventualitäten sie gerade sehr aufzuregen. Ich möchte nicht noch einmal sämtliche Argumente für und gegen das Rauchverbot durchexerzieren, denn dazu ist alles schon mindestens einmal gesagt worden. Ich möchte mich aber doch wundern über die Motivation dieser Menschen, die in ihrer Selbstgerechtigkeit mein Leben und das der meisten jungen und ausgehwilligen Menschen grundsätzlich beeinflussen. Ich glaube, dass es einen Zusammenhang zwischen Rauchen und Ausgehen gibt: Beides tut man vornehmlich im jungen Alter und weil es einem ganz einfach wurst ist, was später ist – ob dieses Später nun der nächste Morgen oder der Zustand der Lungen in dreißig Jahren ist. Beides hat mit Hedonismus und Verschwendung zu tun – lauter Attribute der Jugend. Beides wird nun voraussichtlich am Sonntag von Menschen sehr grundsätzlich und unwiederbringlich beeinflusst werden, die von diesem Leben nicht den Hauch einer Ahnung haben. Und das gefällt mir nicht.

Text: penni-dreyer - Christian v. Massow / photocase.com

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