Die Pleite-Kandidaten

Der Vorwahlkampf der US-Republikaner ist eine einzige Aneinanderreihung von Peinlichkeiten.
christian-helten

Die Ausgangslage für die Wahl im kommenden Jahr ist eigentlich denkbar gut für die Republikaner. Vier Jahre, nachdem Obama auf einer fast weltweiten Begeisterungswelle ins Präsidentenamt ritt, findet er sich in einem Umfrage-Tal. Laut einer Umfrage der Washingotn Post von Anfang November sind 53 Prozent der Amerikaner nicht damit einverstanden, wie Obama sein Amt führt. Die Umfrage ergab auch, dass für 56 Prozent der Amerikaner die Wirtschaftslage und Arbeitsmarktsituation das wichtigste Thema für ihre Wahlentscheidung ist. Eine Verbesserung wird Obama in beiden Felder kaum erreichen können – und die Wähler werden ihm das höchstwahrscheinlich ankreiden.

Wie es derzeit aussieht, sind die Republikaner aber auf dem besten Weg, diese günstige Chance an sich vorbeiziehen zu lassen. Ihr Vorwahlkampf ist eine einzige Aneinanderreihung von Peinlichkeiten:

Viele Kandidaten, viele Aussetzer.

1. Michele Bachmann und die Botschaft Die aktuellste Peinlichkeit verdanken die Republikaner Michele Bachmann. Die Tea-Party-Unterstützerin äußerte sich auf einer Wahlkampfveranstaltung in Iowa zu den aktuellen diplomatischen Zerwürfnissen des Westens nach dem Angriff auf die britische Botschaft in Teheran. Wenn sie Präsidentin wäre, sagte sie laut einem Bericht der Huffington Post, würde sie die US-Botschaft im Iran sofort schließen. Offenbar war ihr nicht bekannt, dass eine solche Botschaft ihres Landes dort gar nicht in Betrieb ist – seit über 30 Jahren. Sie ist geschlossen, seit 1979 im Zuge der iranischen Revolution dort die als „Iranian Hostage Crisis“ bekannte Geiselnahme von über 50 US-Diplomaten stattfand.

Der Sprecher ihres Wahlkampfteams gab später ein Statement ab, nach dem Bachmanns Worte aus dem Zusammenhang gerissen worden seien. Ihr sei natürlich bewusst, dass es keine US-Botschaft im Iran gebe und habe gemeint, dass sie die Botschaft schließen würde, wenn es denn eine gäbe. Es steht Behauptung gegen Behauptung, denn ein Transkript ihres Auftritts in Iowa gibt es wohl nicht.

Es wäre aber nicht das erste Mal, das Bachmann bei außenpolitischen Details daneben liegt. Kürzlich behauptete sie, der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad habe den USA und Israel mit einem Atomangriff gedroht, eine Tatsache, die sich so nicht halten lässt.

2. Michele Bachman und die Sowjetunion Außerdem ist in ihrem Weltbild anscheinend auch der Kalte Krieg noch nicht vorbei. Jedenfalls sagte sie im August in einer Radio-Talkshow zu ihrem Eindruck, dass die Amerikaner Angst vor dem Bedeutungsverlust ihres Landes hätten, Folgendes:

3. Rick Perry und die jungen Wähler Am Dienstag widmete Kandidat Rick Perry sich seiner potenziellen Jungwählerschaft. Seiner ganzen potenziellen Jungwählerschaft? Nein. „Diejenigen unter euch, die am 12. November 21 Jahre alt sein werden, bitte ich um Unterstützung und eure Stimme“, sagte er in einer Rede an einem College in New Hampshire. Dass die Wahl nächstes Jahr nicht am 12. November, sondern sechs Tage früher stattfindet, ist eine Ungenauigkeit, die man dem 61-Jährigen vielleicht noch verzeihen kann. Dass das Wahlalter in den USA seit Anfang der Siebzigerjahre bei 18 liegt, ist jedoch ein Fakt, den man als Bewerber um das höchste Amt des Landes eigentlich verinnerlicht haben sollte.

Auf der nächsten Seite liest du, welch interessante Ansichten Kandidat Herman Cain über Libyen auf Lager hat und was passiert, wenn Rick Perry bis Drei zählen muss.

4. Herman Cain und Libyen  Es war eigentlich keine sonderlich gemeine Frage, die Herman Cain zum Gespött machte. Der Interviewer fragte nicht nach komplexen Details oder konfrontierte Cain mit eigenen Argumenten. Er wollte lediglich wissen, ob Cain mit Obamas Libyen-Politik übereinstimme. Cain, der sich in seinem bisherigen Leben eher als Chef einer Pizzakette hervorgetan hatte denn als großer Außenpolitiker, war von der Frage trotzdem sichtlich überfordert. Er schließt kurz die Augen, blickt an die Decke und überbrückt die Zeit zum Beginn seiner Antwort mit den Worten „Okay, Libya...“. Es dauert wieder ein bisschen, dann sagt er schließlich – mit langen Denkpausen zwischen jedem einzelnen Satzteil: „Präsident Obama ... unterstützte ... den Aufstand.... Korrekt?“ Wenig später sieht es kurz so aus, als hätte er sich gefangen. Er sagt selbstsicher, dass er mit der mit der Art, wie Obama die Krise gehandhabt habe, nicht übereinstimme – „aus folgenden Gründen.“ Eigentlich erwartet man jetzt, dass er diese Gründe aufzählt. Aber stattdessen sagt er: „Ach nein, das war was anderes.“ Es wird offensichtlich: Cain hat keine Ahnung.

 

Als Cain, der sich neben außenpolitischen Details auch noch mit deutete an, dass an der neuen libyschen Regierung Al-Quaida und die Taliban beteiligt seien.

 

5. Herman Cain und seine Weltkarte Visualisieren wir uns doch mal unsere Beziehungen zu all den vielen Ländern auf dieser großen weiten Welt. Das mag sich Cain oder wer auch immer in seinem Wahlkampf-Team für seine Webseite zuständig ist gedacht haben. Warum dazu allerdings die Facebook-Verbindungen aus den USA in die jeweiligen Länder herangezogen wurden, bleibt ein bisschen unklar. Denn zwischen Freundschaften in sozialen Netzwerken und diplomatischen Beziehungen gibt es ja dann doch noch einen kleinen Unterschied.

 

6. Rick Perry und das dritte Ministerium „Es gibt drei Ministerien, die ich abschaffen würde“, sagt Rick Perry in einer Fernsehdebatte der Kandidaten für das republikanische Präsidentschaftsticket. Er beugt sich angriffslustig nach vorne und hebt die linke Hand, um seiner Aufzählung mittels Finger-Abzählen Nachdruck zu verleihen. „Handel, Bildung und ... was war das dritte noch gleich?“ Er kommt nicht drauf. „Das Umweltministerium“, springt ihm sein Gegner Ron Paul bei, und Perry nimmt die Vorlage lachend auf. Als der Moderator nachfragt, ob er das jetzt echt ernst meinte, beeilt er sich, zu verneinen. Auf weitere Nachfrage muss er zugeben, dass er das dritte Ministerium im Moment nicht nennen kann. „Sorry.... Oops.“

Die Kandidaten Ron Paul, Newt Gingrich, Mitt Romney haben es bisher vermieden, sich öffentlich vollkommen zu blamieren. Aber die republikanischen Vorwahlen beginnen ja auch erst im Januar.

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