Die Regierung zahlt dir 580 Euro monatlich - wenn du ins Ausland gehst

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Dem Vernehmen nach hat man im Bundesministerium für Entwicklung und Zusammenarbeit schon geraume Zeit an einem Konzept für einen staatlich geförderten Freiwilligendienst gebastelt. Ähnliche Einrichtungen gibt es in anderen Industrienationen schon seit langem. In den USA etwa wurde 1961 auf Betreiben von Präsident John F. Kennedy das Peace corps gegründet, mit dem bis heute 187.000 Freiwillige in Entwicklungsländer gereist sind. Die Ankündigung des Ministeriums kommt nicht von ungefähr: Immer mehr Menschen interessieren sich für die Arbeit im Ausland, in Entwicklungsprojekten. So hat es unter anderem Caroline Wiemers-Meyer beobachtet. Sie arbeitet seit Jahren für den Verein Arbeitskreis Lernen und Helfen in Übersee (AKLHÜ), der Menschen berät, die sich in Entwicklungsländern sozial engagieren wollen.

Diese Frau heißt Heidemarie Wieczorek-Zeul und ist die deutsche Bundesministerin für Entwicklungszusammenarbeit. Sie will dir ab 2008 Geld dafür geben, wenn du ... „Die Nachfragen bei den Hilfsorganisationen übersteigen die Zahl der vorhandenen Plätze bei weitem.“ Alljährlich versucht der AKLHÜ mittels einer Umfrage unter den Nichtregierungsorganisationen (NRO) herauszufinden, wie viele Freiwillige etwa in Workcamps oder in ein Freiwilliges Soziales Jahr entsandt werden. Während 2004 noch etwa 5.900 Freiwillige Deutschland für eine gewisse Zeit verliessen, waren es 2005 fast 8.000. „Im Moment“, sagt Wiemers-Meyer, „zählen wir jeden Monat 35.000 Zugriffe auf unsere Datenbank, in der alle Angebote für Freiwilligendienste erfasst sind“. Tendenz steigend. „Viele Anfragen beziehen sich auf eine Auszeit nach der Schule“, hat Wiemers-Meyer beobachtet. So ist das Durchschnittsalter der Freiwilligen auch kein Wunder. Es liegt bei 20 Jahren. Künftig soll eine weit größere Zahl dieser Anfragen auch erfolgreich sein, weshalb es in Berlin zu einem Treffen zwischen NRO- und Ministeriumsvertretern kommen soll, bei dem über das deutsche „Peace corps“ beraten wird. Denn was im Moment von Seiten des Ministeriums auf dem Tisch liegt, ist noch nicht mehr als eine Absichtserklärung. Bis Mitte 2007, so heißt es auf der Homepage des Ministeriums, werden die genauen Bedingungen, Bewerbungsverfahren und zugehörigen Ansprechpartner festgelegt. 2008 dann soll das Programm starten.

... in Entwicklungsländer gehst und zum Beispiel mithilfst, Brunnen zu bauen. (Fotos: dpa) Immerhin: Die Eckdaten stehen schon. Die Rede ist derzeit von einer Laufzeit von drei bis 24 Monaten, Adressaten sind junge Erwachsene zwischen 18 und 28 Jahren, die Abitur oder einen vergleichbaren Schulabschluss haben. Das Besondere an dem Dienst, wie er geplant ist: Für Unterkunft, Verpflegung oder Versicherung zahlt das Ministerium einen Zuschuss von 580 Euro im Monat. Ein erklecklicher Batzen, wenn man bedenkt, dass Freiwillige bislang meist alle Kosten für den Einsatz in einem Projekt selbst tragen oder gar noch Geld an die vermittelnde Organisation zahlen müssen. „Wir wollen“, heißt es in einer Presseerklärung des Ministeriums, „dass auch einkommensschwache Jugendliche sich international engagieren können.“ Nach Lage der Dinge sollen ab 2008 um die 10.000 junge Erwachsene mit insgesamt 70 Millionen Euro gefördert werden. Bleibt die Frage: Werden, wenn es die Förderung gibt, nicht noch mehr Bewerber auf zu wenige Plätze kommen? Caroline Wiemers-Meyer ist guter Dinge. „Es ist durchaus möglich, neue Plätze zu schaffen.“ Sie baut auf die neu entfachte Euphorie in Sachen Freiwilligendiensten. In Pressemitteilungen im Lauf der Woche haben sich bereits zahlreiche NROs über die Ankündigung aus Berlin gefreut. Denn aus der Hauptstadt scheint nun das zu kommen, was für Engagement vor allem nötig ist: Geld. +++ *Infos über Stellen für Freiwillige und über die weitere Entwicklung in Sachen "entwicklungspolitischer Freiwilligendienst" der Bundesregierung gibt es unter anderem auf dieser Seite: www.entwicklungsdienst.de. *Wie ist das, in Hilfsprojekten? In unserem ASA-Blog haben deutsche Studenten aus Ghana, Kuba oder Sri Lanka berichtet.

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