Die Sambuca-Attacke

Auf Kreta schüttete angeblich eine Griechin einem jungen Briten Sambuca über den Körper und zündete ihn an. Die 26-Jährige wird zur Heldin stilisiert, weil die trinkfesten Briten den Griechen ein Dorn im Auge sind.
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Die frühen Morgenstunden des 4. August, im Nachtleben in Malia auf Kreta geht es so wild zu wie gewohnt. In der „Elektra Bar“ feiert der 20-jährige Brite Stuart Feltham, als plötzlich Marina Fanouraki, 26, zu ihm kommt, ihm angeblich Sambuca über den Körper schüttet, vor allem über den Unterleib, und ihn anzündet - aus Ärger über die lauten, aufdringlichen und besoffenen Briten in dem Club. Stuart, behauptet Marina, habe sie vorher im Suff belästigt. Stuart erleidet Verbrennungen zweiten Grades auf seiner Brust. So lauteten nach dem Vorfall die ersten Meldungen. Wie es wirklich war, beschäftigt die Medien in Griechenland und in Großbritannien. An dem Vorfall zeigt sich, dass die Kreter auf manche ihrer Urlaubsgäste auch gerne verzichten würde. Aber was spielte sich an dem Abend wirklich ab?

Stuart sagte der britischen Zeitung The Sun, dass es sich gar nicht um Sambuca sondern um eine entzündliche Flüssigkeit gehandelt habe, die hinter der Bar lagerte. Als Reserve für bestimmte Partytricks. "Ich kann nur vermuten, dass sie sich die geschnappt hat." Die Flammen versengen sein Haar, er wälzt sich auf dem Boden, um die Flammen zu ersticken. Angeblich. Marina Fanouraki erzählt in griechischen Zeitungen eine andere Version der Geschichte. Sie sagt, Stuart habe sie und andere Mädchen begrapscht. Deswegen habe sie ihm den Sambuca übergeschüttet. Sie habe ihn aber nicht angezündet. Marina ist nach dem Vorfall zur nationalen Berühmtheit in Griechenland geworden. Immer wieder kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen ausfälligen britischen Urlaubern und Einheimischen. Malia wurde in den vergangenen Jahren zu der Partystadt für junge Briten. Immer mehr Reiseveranstalter lockten sie nach Kreta. Von einem zweiten Ibiza ist die Rede. In Großbritannien ist Malia berüchtigt. The Mail berichtet von „Sex, Drogen, Sauferei und Gewalt“, eine Woche dort kostet nur gut 300 britische Pfund - die ideale Reisegelegenheit für junge Briten, oft für Teenager, die nach ihren Abschlussprüfungen abschalten wollen. Getrunken wird dann billiger Alkohol, Ecstasy wird verdealt, es gibt Prügeleien und es kommt auch zu Vergewaltigungen. Der Bürgermeister von Malia, Kostas Lagoudakis, hofft, dass die Situation besser wird. „Die Griechen sind die Opfer, aber die Briten auch. Sie werden von den Clubs und von den Reisenveranstaltern ausgenutzt“. Die Einheimischen wollen es sich mit ihren Gästen nicht verderben, bitten aber jetzt die Reiseveranstalter, auf ihre Kunden einzuwirken. Die Griechen sehen in Fanouraki eine Heldin, weil sie sich gegen die Briten zur Wehr setzt, die in den Augen vieler Einheimischer nur zum Trinken auf die Insel kommen - um sich dann schlecht zu benehmen. Derweil besteht Stuart darauf, dass er unschuldig ist. „Ich hab mich nur mit meinen Kumpels amüsiert. Jetzt könnte ich für mein ganzes Leben vernarbt sein. Und für was? Für nichts.“ Marina hat Stuart unter anderem wegen sexueller Belästigung angezeigt. Der entsprechende Prozess findet zurzeit in Heraklion auf Kreta statt. Die Autorin dieses Textes, Elaine O'Neill, studiert in Großbritannien und verbringt den Sommer mit einem DAAD-Stipendium in der jetzt.de-Redaktion.

Text: elaine-oneill - Foto: Screenshot von Daily Telegraph Online

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