Die Söhne des Diktators

Nordkorea hat "gewählt". Trotz der einstimmigen Wiederwahls von Kim Jong Il wird vermutet, dass der Diktator bald seinen Nachfolger bestimmen wird. jetzt.de stellt die Kandidaten vor
sarah-stricker

Nordkorea hat „gewählt“. Das Ergebnis überrascht nicht wirklich. Kim Jong Il wurde im Amt bestätigt. Einstimmig – was in der kommunistischen Diktatur jedoch keine Besonderheit ist. Bereits bei der letzten Parlamentswahl im Jahr 2003 erreichten alle 687 Abgeordneten der Volksversammlung 100 Prozent Zustimmung, zumindest wenn man der Nachrichtenagentur KCNA Glauben schenkt, die wie so ziemlich alles im Land staatlich kontrolliert ist. Eine Neuerung könnte die Wahl der 12. Obersten Volksversammlung jedoch bringen: Kim Jong Ils Nachfolger. Seit der (vermutlich) 67-Jährige im Oktober einen Schlaganfall erlitt, wird darüber spekuliert, wer in seine Fußstapfen treten soll. Bisher wollte der „Geliebte Führer“ sich nicht entscheiden, welcher seiner drei Söhne in Zukunft die Liebe des Volkes sich vereinen darf. Allerdings wird erwartet, dass auf der Liste der Abgeordneten, die heute in Pjöngjang bekannt gegeben wird, auch sein designierter Erbe zu finden sein wird. Jetzt.de stellt die drei Kandidaten vor:


Kim Jong Nam, der Älteste Wie bei allen Mitgliedern der Kim-Dynastie gehen auch bei Kim Jong Nam die Angaben über sein Alter auseinander. Wahrscheinlich ist er 37. Als Chef der „Partei der Arbeit Koreas“ galt der Sohn Kim Jong Ils zweiter Frau, einer ehemaligen Schauspielerin, lange Zeit als wahrscheinlichster Thronfolger. Allerdings verspielte er seine Chancen, als er 2001 versuchte, mit einem gefälschten Pass der Dominikanischen Republik, nach Japan einzureisen. Er wollte ins Disneyland nach Tokio. Später ließ die Familie zwar verlauten, die Aktion sei geplant gewesen – Kim Jong Nam habe sich während der mehrtägigen Haft lediglich einen Eindruck von den menschenverachtenden Verhältnissen der imperialistisch geführten Gefängnisse machen wollen – dennoch ist es seither verdächtig still um den Erstgeborenen geworden.


Kim Jong Chol, der Mittlere Wie sein Vater ist der (womöglich) 27-Jährige extrem musik- und kunstbegeistert. Nachdem er vor drei Jahren heimlich nach Deutschland reiste, um ein Eric Clapton-Konzert zu besuchen, lud er den britischen Popstar für 2009 nach Nordkorea ein (eine Zusage steht noch aus). Durch sein Amt als stellvertretender Leiter der „Partei der Arbeit Koreas“ hat auch Kim Jong Chul zumindest ein wenig politische Erfahrung. Dennoch sind seine Aussichten auf die Führung des Landes eher trübe: Seine Empfindsamkeit geht dem kleinen Diktator zu weit. Sein zweiter Sohn sei, Zitat, zu „feminin“, um sich gegen die westlichen Mächte zu behaupten. Ein Blick genüge, um seine mangelnde Qualifikation zu offenbaren. Er sehe „wie ein kleines Mädchen“ aus.


Kim Jong Un, der Jüngste Das Nesthäkchen (25?) gilt derzeit als wahrscheinlichster Kandidat. Wie Kim Jong Chol ist seine Mutter Ko Yong-Hi, Kim Jung Ils dritte Ehefrau und große Liebe, die nach einer mittelprächtigen Karriere als Tänzerin 2004 an Brustkrebs starb. Auf ihre Anweisung hin erhielt er den Beinamen „König Morgenstern“. Seine Schulbildung genoss Kim Jong Un in einem Schweizer Internat, ohne sich jedoch das kapitalistische Gedankengut der Eidgenossen anzueignen. Er gilt als großer Fan von „Sega Dreamcast“ und „Creative Zen“. Als einziger von Kim Jong Ils Söhnen hält er kein politisches Amt inne, verfügt jedoch über einen anderen, entscheidenden Vorteil: Seinen ehemaligen Koch vertraute Kim Jong Il an, sein Jüngster sei „genauso wie er“. Ende Januar wurden Gerüchte laut, der „Geliebte Führer“ habe sich für Kim Jong Un entschieden. Ein Platz auf der Abgeordnetenliste könnte das jetzt bestätigen.

Text: sarah-stricker - Illustration: Katharina Bitzl

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