Die unterschätzte Provinz

Nach Weilheim oder Augsburg präsentiert sich jetzt auch Nürnberg als bayerische Pop-City: Am Wochenende findet die erste fränkische Indie-Musikmesse statt.
till-krause

Die Veranstaltung heißt Verstärker und präsentiert am kommenden Wochenende im Erlanger E-Werk regionale Labels, Fanzines und Festivalmacher. Für Musiker gibt es kostenlose Workshops zum Thema Booking, GEMA und Creative Commons. Das Publikum kann für zehn Euro zwei Tage lang Konzerte von lokalen Bands besuchen. Mit dabei sind Robocop Kraus, die mit ihren irren Glam-Pop schon bis Japan unterwegs waren, sowie The Audience, Smokestack Lightnin' oder Missouri und viele Bands, die ihre Karriere noch vor sich haben. Unter anderem: Gott und die Welt (feingeistiger Hornbrillen-Core), Trace (breitwandiger Cinemascope-Pop) oder Petula Plantsch (lieblicher Lipstick-Punk). Stefan Prange ist einer der Organisatoren der Musikmesse und gibt zu: "Nürnberg wird oft als Provinz wahrgenommen - sowohl von Leuten, die hier leben als auch von Menschen aus größeren Städten".

Dabei hat die 500.000-Einwohner Stadt eine durchaus gut funktionierende Infrastruktur für Subkultur: In Clubs wie dem K4, dem MUZ-Club oder der Desi spielen internationale Bands mit lokalen Vorbands zu moderaten (weil teilweise subventionierten) Preisen, bei Alternativsendern wie Radio Z oder beim Stadtmagazin Plärrer wird regelmäßig über Musik aus der Region berichtet. Vor allem aus dem kleinen Städtchen Hersbruck (30 Kilometer östlich von Nürnberg) kamen in den letzten Jahren viele talentierte Musiker in die Stadt. Das Ergebnis: Viele Bands aus Nürnberg sind mittlerweile deutschlandweit bekannt. Trotzdem findet Stefan Prange, einer der Organisatoren der Verstärker Musikmesse: Zuviele Musikmacher sind von Nürnberg nach Berlin, Hamburg oder München gezogen. Er will zeigen: "Auch in der so genannten Provinz ist viel los - nur sind die Leute einfach nicht so gut vernetzt". Da soll die erste fränkische Musikmesse ein Kennenlernen von Gleichgesinnten sein, die sich sonst in Nürnberg vielleicht in der U-Bahn gegenübersitzen würden, ohne zu wissen, dass man eigentlich im gleichen Subkultur-Universum unterwegs ist. Alexander Cee, vom Klein-Label "Plane Records" geht es vor allem um neue Kontakte: "Auf der Messe stellen sich viele Labels vor, von denen ich noch nie gehört habe - ich freu mich drauf, die Macher kennenzulernen". Stefan Prange hat zusammen mit zehn anderen Musikaktivisten mehr als sechs Monate an der Organisation der Messe gearbeitet und dabei festgestellt: "Es gibt hier zwar viele kleine Plattenfirmen und Konzertveranstalter, doch kaum jemand kann von der Musik leben". Die bekannten Nürnberger Bands werden allesamt von Labels aus anderen Städten veröffentlicht: Robocop Kraus vom US-Konzern Epitaph, The Audience und Smokestack Lightnin' von Hazelwood Vinyl Plastics aus Frankfurt und Hidalgo von Tapete Records aus Hamburg. Damit in Nürnberg eine etwas professionellere Musikindustrie entsteht, wird die fränkische Musikmesse von der "Metropolregion Nürnberg" unterstützt, einem Zusammenschluss nordbayerischer Städte. Ihr Ziel: Werbung für die Region zu machen und Unternehmen anzulocken. Zusammenbruch der Musikindustrie hin- oder her: "Musik ist ja auch irgendwie wichtig für einen Wirtschaftsstandort", sagt Stefan Prange, "aber hauptsächlich wollen wir zeigen: seht her, wir brauchen uns mit unserer Szene hinter den großen Städten nicht zu verstecken".

Text: till-krause - Foto: dpa

  • teilen
  • schließen