Die zehn wichtigsten Elemente eines deutschen Fernsehkrimis

Egal ob "Polizeiruf", "Tatort", "Bella Block": Jede Woche passiert rund um den Mord doch eigentlich immer das Gleiche.
fabian-fuchs

+ Erste Plichteinstellung: Wald/Wiese/Feldweg. Mädchen geht mit Hund spazieren, beide tollen vergnügt herum. Dann haut der Hund Richtung Gebüsch ab, das Mädchen: "Hey, Bonzo bleib hier!". Verschwindet ebenfalls im Gebüsch. Kamera schwenkt über die leere Wiese. Mädchen kreischt aus dem Off. + Spurensicherung am Tatort. Wenn die Kommissare anrauschen arbeitet die "SpuSi" natürlich immer schon, und zwar in einer betont ungerührten Geschäftigkeit, als wäre es heute die elfte Leiche. Die Geschäftigkeit schlägt wiederum ebenso zwangsläufig in Genervtheit um, wenn die Kommissare zu viele "dumme" Fragen stellen. + Der Kommissar hat eigentlich gar keinen Nerv für den neuen Fall, weil er ein privates Problem hat, meistens: Vater krank bzw. Alkoholiker, Affäre mit späterer Zeugin, Abnehmen, Heuschnupfen, vom Partner vor die Tür gesetzt. Wenn es ganz schwach kommt, will er Italienisch lernen. Es ist wichtig, dass dieses private Problem immer nebenbei wieder aufgegriffen wird und am Ende einen irgendwie versöhnlichen Ausgang nimmt. + Der Oberkommissar nimmt den ermittelnden Kommissar zur Seite und fragt ihn sehr ernst, ob der sich bewusst sei, dass er da in den allerersten Kreisen ermittle und erwähnt danach, dass der Innensenator sich das verbitte. + Der verschlagene Wirt weiß immer mehr, als er sagt. + Von einem weiteren Mord erfährt der Kommissar immer per Handy, während er gerade denjenigen befragt, den alle bis dahin für den Mörder halten. Die Befragung bricht daraufhin ab und der Kommissar hüpft in sein Auto. + Irgendein entscheidender Hinweis kommt immer aus der Pathologie – allerdings nie in der Szene, wenn alle um den abgedeckten Toten herumstehen, sondern immer erst zwei Tage später, wenn keiner mehr damit rechnet. + Hausdurchsuchung beim Verdächtigen – natürlich ohne Durchsuchungsbefehl, was aber immer nur dann ein Nachspiel hat, wenn der Verdächtige unschuldig und der Kommissar angeschlagen ist. + Die Presse bekommt leider Wind von etwas. Das äußert sich entweder darin, dass ein Ermittler einem anderen eine entsprechende Zeitung auf den Tisch knallt, oder dass alle bedröppelt auf den Fernseher starren, der dann - wichtig - noch während der betreffenden Nachricht ausgeschaltet wird. + Jemand, der beim Anblick der Ermittler zu Fuß Reißaus nimmt, ist nie der Täter, sondern immer nur ein kleiner Strauchdieb oder allenfalls tumber Mitwisser. + Computerprogramme sehen nie wie echte Computerprogramme aus, sondern wie Lernspiel-Animationen für Dreijährige.

Text: fabian-fuchs - Foto:ddp

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