Downloads inklusive & Songs to go

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Im Zentrum von Berlin-Kreuzberg eine Bar aufmachen, ist eigentlich nichts anderes, als einen Lottoschein auszufüllen. Einige Läden haben sich hier über die Jahre einen Namen machen können. Dazu macht jeden Tag ein neuer auf – und ein anderer schon wieder dicht. Will man sich ernsthaft etablieren, braucht man viel Glück und eine bessere Idee, als nur zwei Mal die Woche eine Happy Hour.

Im Sommer 2008 hat Saskia Peruza ihren Miniclub "breiPott" in der Nähe des Schlesischen Tor eröffnet, wo jede Straße mit Gastro-Unternehmen übersät ist. Das Risiko, hier nicht zu bestehen, versucht Saskia mit einem zusätzlichen Anreiz für ihre Gäste zu verringern: Bei ihr bekommt man nicht nur Cocktails, eine Tanzmöglichkeit sowie jeden Montag ein Drei-Gänge-Menü (das man nach eigenem Ermessen bezahlt), sondern auch die Möglichkeit, an drei „Musik-Tankstellen“ seine USB-Sticks und MP3-Player mit Songs von ausgesuchten Nachwuchsmusikern zu beladen. Echte musikalische Schätze vermutet man nicht in den Archiven, die man im „breiPott“ an den paar Rechnern zwischen Bar und Sofaecke durchsuchen darf. Es wird schließlich schon Gründe geben, warum man für diese Tracks nichts bezahlen muss - schlechte Qualität könnte einer sein. Aber so schlimm ist es gar nicht. Zwischen den über 600 angebotenen Titeln von Newcomern aus allen Genres lässt sich kaum einer finden, den man nie wieder hören möchte. An den Download-Zahlen erkennt man, dass elektronische Musik von Chill-Out-Beats bis Minimal-Techno besonders gut ankommt. Aber auch in den Sparten Jazz und HipHop gibt es überraschend Brauchbares zu entdecken. Außerdem werden die im „breiPott“ über die Club-Anlage gespielten Songs an Flatscreens angezeigt. Gefällt also die Beschallung, kann man sie sich mit ein paar Klicks sofort besorgen. Umsonst ist das alles, weil die Songs GEMA-frei sind und von den Jamendo, Mixotic oder dem klassischen MySpace zur Verfügung gestellt werden. „Wir suchen das Beste aus dem Netz heraus und schaffen hier eine Sammelstelle“, sagt die Inhaberin. „Die Idee ist eine Art Ring-Promotion. Viele unbekannte Künstler zusammen sind ein größerer Magnet, als nur einer, der auf irgendeinem Portal seine Songs anbietet. Für den einzelnen Künstler macht es Sinn, sich solchen Gruppenangeboten anzuschließen.“ Am Anfang habe Saskia Peruza selbst verstärkt nach Musik gesucht, um sie im „breiPott“ zu spielen und zu verschenken. Heute kommen die Künstler zu ihr und fragen, ob sie etwas beisteuern dürfen.

Eine Kundin tankt Musik Das „breiPott“ hat die durchschnittliche Lebenswerwartung eines Clubs in dieser Ecke Kreuzbergs längst überschritten. Peruzas Konzept funktioniert sogar so gut, dass sie häufig Anfragen von Leuten bekommt, die es an anderen Orten umzusetzen wollen. „Ich hätte auch gar nichts gegen Nachahmer“, meint Peruza. „Aber ich glaube nicht wirklich daran, dass es welche geben wird. Immer wenn ich den Leuten mal ganz grob erkläre, wie viel Arbeit hinter all dem steckt, haben sie schon kein Interesse mehr daran.“

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