Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg

Angeblich schreibt der ehemalige Bundesverteidigungsminister an einer neuen Doktorarbeit. Aber geht das denn, seinen Doktor neu machen? Wir haben nachgefragt.
dorothee-klee

Karl-Theodor zu Guttenberg arbeitet angeblich in den USA an einer neuen Dissertation. Ein CSU-Bundestagsabgeordneter ließ sich zu dem Gerücht in der "Mitteldeutschen Zeitung" mit den Worten zitieren: "Es wäre kein Fehler, wenn er eine neue Doktorarbeit schriebe. Wir wollen ja alle, dass er sich rehabilitiert."

Will Guttenberg seinen Ruf wieder herstellen und nun einen echten Doktor machen?

Sein Vater, der Dirigent Enoch zu Guttenberg hätte wahrscheinlich nichts dagegen. Anfang September hatte er in der Fernsehsendung "Beckmann" gefordert, sein Sohn müsse die Familienehre wiederherstellen: "Glaubwürdigkeit ist ein ganz großer Teil unserer Familie. Es ist an meinem Sohn, diese Glaubwürdigkeit, wie auch immer, wieder herzustellen."

Doch könnte der ehemalige Bundesverteidigungsminister das mit einer zweiten, diesmal lupenreinen Dissertation erreichen? Darf einer, dem ein Doktortitel wegen Plagiierens aberkannt wurde, seine Fehler mit einer neuen Doktorarbeit ausbügeln? Ist ein zweites Promotionsverfahren überhaupt möglich?

In Deutschland gibt es kein einheitliches Promotionsrecht. Die Unis legen in ihren Promotionsordnungen jeweils eigene Regeln fest. Bei vielen Promotionsverfahren wird nur zugelassen, wer "nicht diese oder eine gleichartige Doktorprüfung an einer anderen Hochschule endgültig nicht bestanden hat". Im Dekanat der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bayreuth wird dieser Paragraph so interpretiert, dass auch ein aberkannter Titel einer nicht bestandenen Doktorprüfung entspricht. Dort, wo Karl-Theodor zu Guttenberg seine erste Doktorarbeit eingereicht hat, wird er also wohl keine zweite Chance bekommen.

Guttenberg, wie er sich am vergangenen Wochenende in Kanada präsentierte.

Einige Universitäten erlauben allerdings eine Überarbeitung einer Dissertation. An der Juristischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München beispielsweise kann eine Doktorarbeit "zur Umarbeitung" zurückgegeben werden. Dann hat der Bewerber maximal zwei Jahre Zeit, die Dissertation zu überarbeiten. Anstelle der Umarbeitung kann der Doktorand auch – ebenfalls innerhalb von zwei Jahren – eine neue Dissertation vorlegen. Und selbst wenn die Doktorarbeit bereits abgelehnt wurde, kann der Bewerber an der Juristischen Fakultät der LMU die Promotion mit einer Arbeit über ein anderes Thema einmal wiederholen. Doch auch dort darf ein Bewerber nicht zuvor an einer anderen Hochschule eine juristische Doktorprüfung endgültig nicht bestanden haben.  

Karl-Theodor zu Guttenberg während einer Pressekonferenz zu seiner Rücktrittserklärung am 1. März 2011.

Zudem bleibt noch die Frage der "Würde". Viele Promotionsordnungen enthalten einen Paragraphen, in dem es heißt, dass der Doktorand sich "nicht durch sein Verhalten als zur Führung des Doktorgrades unwürdig erwiesen" haben darf. Hierunter fällt an einigen Unis auch Verhalten, das nicht unmittelbar etwas mit der Promotion zu tun haben muss. So könnten im Extremfall besonders schwere Straftaten zur "Unwürdigkeit" und damit zur Nichtzulassung zur Promotion oder zur Aberkennung des Doktortitels führen.

Noch in dieser Woche will die Staatsanwaltschaft Hof entscheiden, ob sie das Ermittlungsverfahren gegen Karl-Theodor zu Guttenberg einstellt oder Anklage erhebt. Juristen rechnen jedoch damit, dass der 39-Jährige keine hohe Strafe befürchten muss – bei Verstößen gegen das Urheberrecht in Doktorarbeiten sei das Strafrecht nicht besonders scharf. All jene, die zu Guttenberg als Betrüger entlarvt sehen, würde das ärgern. Seine Anhänger und die CSU würde es aber freuen. So will der CSU-Kreisvorsitzende Henry Schramm aus Kulmbach momentan nichts dazu sagen, wer im Herbst 2013 für den Bundestag kandidiere, "um Guttenberg eine Tür offen zu halten".

Sollte zu Guttenberg also in den USA einen Ph.D. ablegen (das amerikanische Pendant zum deutschen Dr.), oder eine deutsche Universität finden, bei der er seine zweite Doktorarbeit einreichen darf, könnte er sich durchaus rehabilitieren. CSU-Politiker, die ihn wieder auf die Bühne der deutschen Politik heben würden, stehen jedenfalls schon bereit.


Text: dorothee-klee - Foto: dapd

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