Durch die Hölle der Sitcom

Ein Anwalt mit ermogeltem Abschluss, ein Imbissbesitzersohn und ein Seniorstudent: Die US-Sitcom "Community" wird vor allem Fans von "Scrubs" begeistern
lars-weisbrod

Auch außerhalb der Primetime gibt es Sendeplätze, die diesen Namen verdienen. Den Samstagnachmittag zum Beispiel. Pro7 hat es in den letzten Jahren immer wieder geschafft, aus diesem Termin ein passendes Umfeld für zeitgenössische US-Comedy zu machen. „How I Met Your Mother" und „Big Bang Theory" starteten hier, bevor sie den Sprung ins Abendprogramm schafften, und auch der Platz des Dauerbrenners „Scrubs" war jahrelang hier. Wenn Pro7 also ab diesem Samstag (28. April) immer um 13.35 Uhr „Community" zeigt, dann sollte man den Programmmachern nicht vorschnell vorwerfen, sie würden die preisgekrönte NBC-Sitcom versenden.

Im Mittelpunkt von „Community" steht Jeff (Joel McHale), ein erfolgreicher und arroganter Anwalt, der seinen Job verliert, weil auffliegt, dass er sich seinen Abschluss erschummelt hat. Nun muss er am Greendale Community College sein Studium nachholen. Ein guter Ausgangspunkt für Komik, denn im amerikanischen Bildungssystem nimmt das Community College einen Platz irgendwo zwischen Volks- und Fachhochschule ein – die meisten sehen in ihm den Bodensatz dessen, was am anderen Ende durch die Ivy League abgeschlossen wird. Jeff schlittert unwillentlich – eigentlich will er nur seine neue Kommilitonin Britta (Gillian Jacobs) ins Bett kriegen – in eine Spanisch-Lerngruppe, die einen Querschnitt der Community-College-Studentenschaft abbildet: Teenager, deren Noten für ein richtiges College nicht ausreichend waren, Mitzwanziger, die bereits ein Studium abgebrochen haben, geschiedene Hausfrauen und Seniorenstudenten (großartig in dieser Rolle: Chevy Chase).

http://www.youtube.com/watch?v=sBCE9oIuN24  

Das Greendale Community College ist im Grunde der Versuch, möglichst reibungsfrei die Urszene der Comedy aufzurufen: Schule. Eine Gruppe heterogener, angeknackster Figuren lernt sich an einem skurrilen, herausfordernden Ort kennen – um ihren Anführer Jeff herum, der eigentlich nichts mit ihnen zu tun haben will, aber der sie jetzt nun mal am Hals hat. Als Metacomedy wird „Community" dann auch oft beschrieben. Für die Selbst- und Querreferenzen zuständig ist Abed, Sohn eines palästinensischen Imbissbesitzers, der sein halbes Leben vor dem Fernseher verbracht hat. Wie Vergil durch die Hölle Dantes führt Abed seine Lerngruppenfreunde durch die Hölle der Sitcom. „Zehn Prozent Dick Van Dyke, 20 Prozent Sam Malone, 40 Prozent Zach Braff aus Scrubs und 30 Prozent Hilary Swank in Boys Don't Cry", so beschreibt er beispielsweise Jeff. Für den deutschen Zuschauer sind solche Ausführungen nicht immer alle verständlich – wer weiß hierzulande schon noch so genau, welche „Cheers"-Figur Sam Malone noch mal war?

Der Vergleich mit „Scrubs" macht aber deutlich, warum Community auch jenseits des fetischhaften Fernseharchivwissens eine der besten aktuellen Comedy-Serien ist: Schon bei „Scrubs" hatte man zwei Sachen verstanden: Zum einen, dass man sich im 21. Jahrhundert über nichts mehr lustig machen kann, wenn man nicht die ganze Artillerie der Metaverweise auffährt. Zum anderen, dass reine Ironisierung von allem und jedem einer Fernsehserie ihr Herz raubt. Also müssen die Rührmomente aus dem Klischeebaukasten, über die man sich lustig macht, gleichzeitig so inszeniert werden, dass sie den Zuschauer immer noch mitnehmen. „Community" ist die Perfektionierung dieses schwierigen Kunstgriffs: Am Greendale Community College gibt es ständig eine Kostümparty, einen Ball oder wenigstens ein Paintball-Spiel, bei dem sich zu ergreifender Popmusik auch noch der albernste Konflikt in Wohlgefallen und ein Sätzchen fürs Poesie-Album auflöst. In der überdrehten Metawelt dieser Serie wirkt so etwas dann aber nie angestaubt, sondern immer – herzlich. Perfektes Fernsehen für den Samstagnachmittag eben. 

Text: lars-weisbrod - Cover: Screenshot

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