Echt, hast du das schon mal gemacht? Das große ABC der Sexmythen

Seit 12.000 Jahren wird über Sex berichtet und das Meiste davon ist nicht deckungsgleich mit dem, was man im heimischen Bett so erlebt. Höchste Zeit für eine knallharte Aufdeckstory: Das Alphabet der nervigsten Sexmythen.
jetzt-redaktion

A wie Abschiedssex Soll angeblich immer wieder passieren, wenn sich zwei getrennt haben. Wenn nämlich der eine dann noch ganz traurig beim anderen die fünf „Backstreet Boys“-CDs abholt, auf die er einfach nicht verzichten kann und man sich dann so anschaut und auf einmal ganz viel Lust auf den wohlbekannten Körper des anderen hat. Mythospotenzial: Klingt irgendwie romantisch und nach noch mehr Komplikationen – also wie ein typischer, leicht angeranzter Hollywood-Filmplot. Realitätscheck: Ehrlich? Echt? Hat sich einer gerade nach einer ernsthaften und längeren Beziehung dazu durchgerungen, den Schlussstrich zu ziehen und dann hüpft man noch mal mit dem Alten ins noch feuchtwarme Bett, weil es einen einfach so überkommt? „Exquise me?“, wie der Amerikaner da sagen würde. So emotional anfällig können doch wirklich nur Filmfiguren sein. Oder? *** Autofellatio Im sogenannten Internet hält sich die Mär hartnäckig, dass es Männer geben soll, die körperlich so flexibel sind, dass sie sich selbst einen blasen können. Einfach so, indem sie sich auf den Rücken legen und dann die Beine über den Kopf und ihren Intimbereich in Mundnähe bringen. Mythospotenzial: Krass! Nie mehr eine Frau nötig! Komplett autark leben! Es abends immer superschön haben und auch mal zwischendurch (zum Beispiel auf Reisen). Realitätscheck: Da wir selbst noch nie so flexibel waren, können wir es nicht mit Sicherheit sagen, aber: Die Vermutung liegt nahe, dass die Autofellatio ungefähr so gut funktioniert, wie der Plan, sich selbst zu kitzeln oder ins Schweben zu kommen, wenn man nur lange genug meditiert. Außerdem ver(ein)samt man damit doch total. *** B wie Bluetooth-Verabredungen in britischen Nahverkehrszügen Passt nicht hundertprozentig in diese Liste, weil das Phänomen tatsächlich schon als Falschmeldung entlarvt wurde. Trotzdem noch einmal, weil es so schön war: Als Handys auf einmal mehr konnten, als nur telefonieren, muss einem Reporter anhand der unzähligen Möglichkeiten die Phantasie ein klein wenig durchgegangen sein. Er behauptete, dass die Einwohnerschaft Londons sich neuerdings und fortwährend in den Pendler-Zügen per Bluetooth anonyme Sex-Dates arrangierte. Mythospotenzial: Nicht schlecht. Denkt man ja oft, während man von Gräfelfing nach Hackerbrücke pendelt, dass es überall total dolle zugeht, nur bei einem selber nicht. Realitätscheck: Alles Quatsch, schon allein, weil kein Mensch die Bluetooth-Funktion seines Handys verwendet. *** C wie Cybersex Es gab mal eine Zeit, so gegen Ende der 90er-Jahre, als alle Zeitschriften voll mit Artikeln waren, in denen Zukunftsforscher davon erzählten, dass man in Zukunft nur noch Sex am Computer haben würde. Die Menschen würden sich Anzüge mit Vibrationsfunktionen, Dampfschwengeln und Hydrauliknoppen an den entsprechenden Stellen anziehen und dann per ISDN-Kabel von einem anderen realen Wesen, das an einem anderen Rechner in Texas oder Posen sitzt, stimuliert werden. Allen Artikeln war gemein, dass sie in völlig unpassend euphorisiertem Stil über diesen Zukunfts-Sex berichteten und ihr Bildmaterial aus Science Fiction-Filmen geklaut hatten. Mythospotenzial: So entpersonalisiert, abenteuerlich, aber auch ein bisschen eklig-schwitzig fühlt sich also die Zukunft an. Und welche Möglichkeiten ergeben sich da: Man kann morgens im Büro davon erzählen, dass man Cybersex mit einem NFL-Player hatte und gleich danach mit einem Herrn Schubert aus Bad-Salzuflen. Nicht zuletzt ist das ein dankbbarer Mythos für alle, die sich mit Menschen schwer tun, aber sich am Compi total auskennen. Realitätscheck: Das Internet gibt es jetzt auch schon wieder seit bald 100 Jahren. Der Cybersex? Ist irgendwann verschwunden und durch Sexverabredungen via Craigslist ersetzt worden. Und die teuren Hydrauliknoppen verstauben im Schrank.


D wie Dreier Angeblich der feuchte Traum aller Männer und vieler Frauen und zwar von Beginn ihres sexuellen Lebensabschnitts an. Soll auch hin und wieder mal vorkommen, wird dann aber eher immer so erzählt: Meine beste Freundin, mein Freund und ich unterwegs. Und drei Wodkaflaschen später wird im Halbdelirium unter der Bettdecke ein bisschen herumgefummelt. Klar, dass die beste Freundin im Anschluss zur viertbesten Freundin degradiert wird, wegen Angst und Selbstekel. Mythospotenzial: In der Phantasie: großartig. In der Kneipenerzählung: groß. In Wahrheit: lieber Mythos bleiben lassen. Wer’s nicht glaubt, kann sich ja mal in den Pärchenforen im Internet rumtreiben, da ist Arschgeweih Grundvoraussetzung. Realitätscheck: siehe oben. *** E wie Eiswürfel Diverse Kinofilme, die als Klassiker des erotischen Kinos gelten, haben diese Option ins Spiel gebracht und die Sexratgeber werden nicht müde, darauf zu verweisen: Eiswürfel über stark erhitzte Bodyparts flitschen, um selbige Bodyparts zwar vordergründig abzukühlen, sie hintergründig aber noch vergnügter zu machen. Mythospotenzial:

Text: jetzt-redaktion - Illustrationen: Judith Urban

  • teilen
  • schließen