Echt Oldschool: Wie es ist, in die Grundschule zurückzukehren

Am Wochenende wurde in Bayerns Kommunen gewählt. Das Beste am Wählen: dass man zu der Gelegenheit wieder in die Grundschule darf. Eine kleine Erinnerung in Text und Bild
max-scharnigg

Wählen zu gehen ist ja nicht nur sinnvoll, sondern auch nett. Erstens, weil man kurz jenes gute, demokratische Gefühl bekommt, das einen mit gutbürgerlichem Schritt die Wahlkabine verlassen lässt. Und zweitens, weil man sich zum Wählen oft in drollige Gebäude begeben muss: Grundschulen – vielleicht ja sogar in die eigene. Im Normalfall hat man diese Einrichtungen als Mittzwanziger komplett aus seiner Denklandschaft gestrichen. Umso ereignisreicher wird dann ein Wahlspaziergang durch Schulgänge und Klassenzimmer, weil jeder Meter neue Erinnerungen birgt. Vergessen etwa war der Umstand, dass man als Grundschüler jeden Morgen eine Garderobe aufsuchen musste, um Hausschuhe anzuziehen. Lang verschollene Wörter gehen einem wieder auf, während man auf eine freie Wahlkabine wartet: Sprossenwand, Reuterbrett, Jurismappe, Setzkasten, Kuschelecke, Hort, Heftumschlag und Federmäppchen. Manches klingt so fremd, als wären Grundschüler Facharbeiter, mit eigenem Fachjargon. Überall hängt ein süßherber Geruch nach nassen Kindern und Turnschuhen. Wie klein alles ist. Oder besser: Wie viel größer man es in Erinnerung hatte. Wie konnten einem die Gänge so weit und dunkel erscheinen, die man heute mit ein paar Schritten abgeht? Wieso kam einem das kleine Fach unter der Bank wie ein allverschlingendes Schwarzes Loch vor? Wie konnte man sich bloß hinter den kniehohen Buchsbaum-Hecken so ausdauernd verstecken? Und der Pausenhof! War der nicht ein weitläufiges Areal, zu groß, um es in einer Pause zu durchmessen und deswegen eingeteilt in Funktionszonen: Bolzzone, Mädchenzone, Busch- und Baumzone mit tausend Geheimwegen. Heute sieht man ein brachgetrampeltes Gelände, halb so groß wie ein Fußballplatz. Beim besten Hinschauen erkennt man nichts von dem, was es früher bedeutete. Nur hinten im Kopf regt sich eine verschüttete Ahnung. Gut, dass es Wahlsonntage gibt. *** Die folgenden Fotos hat unser Fotograf Jürgen Stein in der Grundschule an der Führichstraße in München-Ramersdorf aufgenommen. Dort war am Sonntag anläßlich der Kommunalwahl auch ein Wahllokal untergebracht. Klassenzimmer

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Tafelbild

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Sprossenwand

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Matten

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Garderobe

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Bis Morgen!

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Text: max-scharnigg - Fotos: Jürgen Stein

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