Ein Spaziergang mit Mark Zuckerberg

Wie kommt man zu einem Job bei einem Internetriesen wie Facebook? Mitarbeiter von Foursquare, Facebook und Google erzählen von ihrem Bewerbungsverfahren.
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Sie folgen einer stinknormalen Einladung zum Vorstellungsgespräch, doch anstatt eines Frage-Antwort-Spiels in einem Büro, erwartet sie ein kleiner Spaziergang durch Palo Alto mit Mr. Zuckerberg persönlich. Von der Parkarea vorbei an der Stanford University geht es einen steilen Trampelpfad hinauf zu einer Aussichtsplattform mit einem atemberaubenden Blick über Silicon Valley. Unterwegs reden sie nicht etwa über ihre Stärken und Schwächen oder eventuelle Gehaltsvorstellungen. Facebook-Chef Zuckerberg plaudert ein wenig über die umliegenden Unternehmen oder aber die Geschichte von Silicon Valley. Mit dieser kreativen Taktik versucht der Internetriese offenbar „High Potentials“ zu werben. Als „ziemlich verwirrend“ bezeichnen einige der anonymen Mitarbeiter die Situation. “Zuckerberg said money wasn’t an object and that if I wanted the job — and why wouldn’t I, he questioned — the paperwork was already ready to go back at the office,”, erzählt einer der von Zuckerberg heiß umworbenen Kandidaten. Eine andere Bewerberin sagt: “The entire experience was totally surreal. I really felt like I was on a date.”

Keineswegs weniger unkonventionell gestalten sich scheinbar die Vorstellungsgespräche bei Google. Douglas Edwards ist einer der ersten 60 Mitarbeiter des Unternehmens. Im November 1999 begann er als erster „Brand Manager“ für Google zu arbeiten. Damals war noch nicht auszudenken, welches Online-Imperium aus der kleinen aber feinen Suchmaschine erwachsen würde. „Ich gebe ihnen jetzt fünf Minuten und wenn ich wieder komme, erklären sie mir einen komplizierten Sachverhalt von dem ich keine Ahnung habe.“ Mit diesem Satz verabschiedet sich Mitbegründer Sergey Brin mitten im Gespräch in Richtung Snack Area. Verdutzt und etwas ratlos kritzelt Edwards ein paar Notizen zu den Grundlagen des Marketing auf einen Zettel. Fünf Minuten später findet er sich Kreise und Pfeile zeichnend am Whiteboard wieder. Brin hört interessiert zu und stellt Zwischenfragen: "What's more important: product differentiation or promotion?". Am Ende reicht sein Wissen über die Fünf P’s und Vier M’s aus um Brin zu überzeugen. Im Nachhinein erfährt Edwards, dass dies eine ganz gewöhnliche Methode im Hause Google ist. Und was soll das Ganze? Eine Stunde mit einem unqualifizierten Bewerber ist keine Verschwendung, wenn Brin dabei etwas dazu lernt. In seinem Buch „I’m Feeling Lucky“ plaudert Edwards übrigens noch mehr Stories aus den Early Days von Google aus.   

Ganz anders lief es bei Tristan Walker, seines Zeichens „director of business development“ bei Foursquare. Foursquare ist mittlerweile eines der größten standortbasierten Sozialen Netzwerke der Welt. Im Jahr 2007 wird er auf das Unternehmen aufmerksam, wird Heavy-User und wendet sich letztlich per E-Mail an die Gründer, die damals noch nicht einmal offizielle E-Mail-Adressen hatten. In der E-Mail drückt er seine Begeisterung für das Produkt und das Unternehmen aus. „I’m a huge fan of what you both have built and excited about what you guys have planned for Foursquare(...) This year, I’m looking to help out and work extremely hard for a startup with guys I can learn a ton from.“ Einige Zeit später wird er tatsächlich von den Gründern nach New York eingeladen und arbeitet seit diesem Tag für das Unternehmen – anfangs sogar ohne Bezahlung. Mit seinem Engagement gewann er das Vertrauen von Dennis Crowley und Naveen Selvadurai.  

Tristan Walker von Foursquare gibt in einem Blogeintrag noch einige Tipps, wie man sich in einem Unternehmen unentbehrlich macht. Am wichtigsten sind grenzenloses Engagement, Produktvertrautheit und Fähigkeiten, die sonst kein anderer im Unternehmen hat. Treffend fügt er abschließend hinzu: „If a company is not willing to let a hungry, passionate, smart, unpaid advocate of the product help the organization to fill that need (when it doesnt have the resources to do it itself) then you probably shouldn’t be working at the company anyway. They’re just being arrogant”. In diesem Sinne: Frohes Bewerben.

Text: uli-schuster - Foto: lily / photocase.com

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