Ein Uni-Abschluss in Männlichkeit

Die Rolle der Frau wird in Unis seit Jahren wissenschaftlich auseinandergenommen. In den USA rückt der Mann aber jetzt wieder in den Fokus - dort kann man nun seinen Master in Maskulinität machen.
magdalena-naporra

Der Soziologe Michael Kimmel, 64, gilt als führender Männerforscher weltweit. Vor zwei Jahren gründete er das "Center for the Study of Men and Masculinities" im US-Bundesstaat New York, das er seitdem auch leitet. Ab Herbst 2017 wird man dort einen Master in "Maskulinität" machen können.

Michael Kimmel, der Männer-Gelehrte. 

jetzt.de: Mr. Kimmel, was ist ein "echter" Mann?
Michael Kimmel:  Ich denke, dass sich das Bild von „echten“ Männer enorm gewandelt hat. John Wayne, Vin Diesel oder Arnold Schwarzenegger werden heute von jungen Männern nicht mehr ernst genommen. Heute sind „echte Männer“  zum Beispiel Athleten. Sie sind sehr stark. Aber sie können auch gut mit Frauen umgehen. Und zeigen ihre feminine Seite.

Sie lehren Maskulinität. Was heißt das denn genau?  
Ich lehre nicht, wie man ein Mann ist, sondern die verschiedenen Arten, wie unterschiedliche Gruppen von Männern Maskulinität wahrnehmen. Afroamerikanische, Muslime, Weiße, Asiaten. Wie Maskulinität unser politisches, soziales und wirtschaftliches Leben beeinflusst. Wie Maskulinität unsere Erfahrungen am Arbeitsplatz und unser Familienleben beeinflusst. Wie wir als Männer altern. Wie verschiedene Länder Maskulinität deuten. Ich gebe keinen „How to...“-Kurs. Wenn ich einen Kurs über Sexualität geben würde, würde ich ja auch nicht lehren, wie man besseren Sex hat.  

Machen Sie sich durch diesen Studiengang nicht Feinde im Feminismus-Lager?
Kritik bekomme ich eigentlich nur von weißen rechten Männern, die meine Arbeit als zu feministisch wahrnehmen. Die denken, ich sei gegen Männer. Und dass Gleichberechtigung eine Null-Summen-Rechnung ist: Wenn Frauen gewinnen, verlieren Männer. Aber ich unterstütze Gleichberechtigung. Als Sozialwissenschaftler ist es für mich offensichtlich: Je gleichberechtigter die Gesellschaft ist, desto glücklicher sind sowohl Männer als auch Frauen.  

Haben sie mehr weibliche oder männliche Studenten?
Wenn ich in der Soziologie-Fakultät lehre, dann sind dort etwa 70 Prozent der Studenten weiblich. Aber wenn ich meine eigenen Kurse über Maskulinität oder Gender gebe, dann ist die Geschlechterverteilung vielleicht 50/50. Das ist ziemlich gut.   

Nochmal zum neuen Bild des emotional-cleveren und ein wenig femininen Mannes: Ist Barack Obama, der viel Humor und Emotionen zeigt, vielleicht auch durch diesen Wandel Präsident geworden?
Obama repräsentiert tatsächlich eine neue Art von Maskulinität. Und viele sind nicht glücklich darüber. Die alte Maskulinität vom schwarzen Mann war der wütende Schwarze, der außer Kontrolle ist, voller Wut. Obama jedoch bricht mit diesem Bild. Er ist sehr ruhig und tut viele Dinge, die traditionell als feminin gelten. Er kümmert sich zum Beispiel um die Kranken. Also halten ihn viele nicht für einen „echten“ Mann. 

Kann ein klassischer Macho wie Donald Trump sein Nachfolger werden?
Ich kenne nicht viele, die Donald Trump wirklich ernst nehmen. Er ist eine Comicfigur, deshalb bekommt er so viel Aufmerksamkeit. Aber eigentlich hat er keine Chance. Donald Trump ist nur sehr erfrischend neben all diesen langweiligen Kandidaten, von denen man schon weiß, was sie als nächstes sagen. Man will dabei sein, wenn Trump wieder was Dummes äußert. Aber das ist nur ein Celebrity-Event. Wenn Brad Pitt kandidieren würde, würde auch er anfangs bei den Umfragewerten führen. Da ist das Männerbild egal.


Text: magdalena-naporra - Illustration: Daniela Rudolf

  • teilen
  • schließen