Eine Kindheit in Iran

Es ist das böse Iran, das in diesen Tagen in den Medien auftaucht – ein radikalislamischer und fundamentalistischer Staat, dessen Präsident Mahmud Ahmadi-Nedschad sich in Hass und Hetze gegen Israel versteigt.
roland-schulz
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Illustration: Julia Schubert

Es ist das böse Iran, das in diesen Tagen in den Medien auftaucht – ein radikalislamischer und fundamentalistischer Staat, dessen Präsident Mahmud Ahmadi-Nedschad sich in Hass und Hetze gegen Israel versteigt. Wie kann so was, so denkt man, nur passieren? Und was für ein Land muss das dann sein? Eine vorzügliche Sicht hinter die Kulissen eines solchen Staates bietet – ein Comic. Persepolis heißt er, nach der Hauptstadt des antiken Perserreiches, Marjane Satrapi hat ihn gezeichnet, in zwei Bänden, die auf den ersten Blick nicht mehr machen als die Erinnerungen eines kleines Mädchens an die iranische Revolution von 1979 und die Zeit danach wiederzugeben – dabei machen sie in Wahrheit viel mehr. Es sind die Erinnerungen von Marjane Satrapi selbst, die sie hier in klaren, minimalistischen Schwarz-Weiß-Bildern aufzeichnet. Die Autorin wuchs genau in jener Zeit in Iran auf, erlebte im Alter von elf Jahren den Sturz des Schah und danach jenen Wandel, der aus dem Land einen autoritären Staat machte. Inzwischen lebt sie in Frankreich, dort hat sie auch, als 30-jährige Frau, angefangen, ihre Geschichte zu zeichnen. Doch ihr bei Edition Moderne verlegter Comic erzählt die Geschehnisse nicht aus der Sicht einer erwachsenen Frau, sondern immer aus der Sicht des kleinen Mädchens, das Satrapi damals war. Deswegen wirkt er so stark, deswegen erfährt man darin so viel über Iran, deswegen ist er so klug. Wenn Satrapi aufzeichnet, wie eine weinende Nachbarin bei ihrer Mutter vorbei kommt, mit einem kleinen, golden angemalten Schlüssel aus Plastik, den ihr Sohn in der Schule bekam, mit dem Hinweis, dies sei sein Schlüssel zum Paradies, in das er gelange, wenn er im Kampf gegen Irak falle – wenn Satrapi solche Szenen aufzeichnet, dann bekommt man ein Verständnis für die Situation der Menschen im Iran. Ein Verständnis für die Menschen dort wohlgemerkt. Kein Verständnis für die Ayatollahs, und erst recht kein Verständnis für Mahmud Ahmadi-Nedschad. (Fotos: Edition Moderne)

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